Wieso ganz Mittelsachsen jetzt in einer App zu finden ist

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Als Google damit anfing, Straßenbilder ins Netz zu stellen, war die Aufregung groß. Einige Hausbesitzer wehrten sich dagegen, dass Fotos ihrer Häuser zu sehen waren. Nun mischt Apple die Karten neu.

Freiberg.

Der Mittelsachse staunte nicht schlecht, als ihm dieser Tage ein Foto seines Häuschens ins E-Mail-Postfach purzelte. In der Apple-App namens Karten können Nutzer seit kurzem nach Eingabe einer x-beliebigen Adresse auf ein kleines Fernglas drücken und ein Foto des dazugehörigen Hauses sehen. Und zwar unverpixelt, wie der digitale "Freie Presse"-Streifzug durch Städte im Landkreis zeigte. Zudem kann sich der Nutzer umsehen und ganze Straßenzüge abschreiten. "Das ist schon unheimlich", sagte der Hausbesitzer. Auch wenn die Aufnahme seiner Immobilie nicht aktuell ist: Den Carport habe er inzwischen gepinselt.

Seit 2019 hat Apple Aufnahmen aus fahrenden Autos und mit Hilfe von Fußgängern anfertigen lassen und zu 3D-Modellen der Straßen verarbeitet. "Bereits zu Beginn der Aufnahmen ist Apple aktiv an das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht herangetreten, um die datenschutzrechtlichen Fragen rund um dieses Projekt zu diskutieren", erklärte Mirka Möldner, Pressesprecherin des Landesamtes. Im April dieses Jahres hat Apple das Look Around (sich umsehen) genannte Feature eingeführt. "Seither haben uns etwa 15 bis 20 Eingaben hierzu erreicht", so Mirka Möldner. "Zumeist handelt es sich hierbei jedoch nicht um formelle Beschwerden, sondern um erstmalige Aussprüche von Widerrufen und Anfragen allgemeiner Natur nach den Rechtsgrundlagen." Hauptgegenstand der Eingaben sei, dass eine Verpixelung von Personen - nicht nur deren Gesichtern - gewünscht wird. "Wie auch im Rahmen der Apple-Kamerafahrten leiten wir diese Ersuchen an das Unternehmen weiter."

Das Apple-PR-Team bestätigte auf "Freie Presse"-Anfrage, dass "Umsehen" Ende Juli auch in Sachsen gestartet ist. "Es sollte nahezu das gesamte Bundesland in Apple-Karten mit der neuen Funktion ausgestattet sein." Bei Widersprüchen solle man sich an die zuständige Datenschutzbehörde wenden.

Auf einer Informationsseite erklärt die bayerische Behörde, wie man sich im Falle des Falles gegen den neuen Straßenfotodienst wehren kann. Bayern und nicht etwa Sachsen ist für Apple in Deutschland zuständig. Dennoch haben sich auch schon die Datenschützer in Dresden mit dem neuen Angebot beschäftigt. "Es ist nicht so, dass es dazu noch keine Anfragen gab, aber es hielt sich in Grenzen", so ein Sprecher der sächsischen Behörde.

Wer partout nicht möchte, dass die eigene Immobilie von ungebetenen Besuchern betrachtet wird, der kann dies der europäischen Hauptniederlassung des US-Konzerns in Irland per Briefpost oder per E-Mail mitteilen. In der Karten-App selbst hat Apple eine "Problem melden"-Funktion installiert.

Bereits im Mai 2020 hatte die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder (DSK) beschlossen, dass ein Dienst wie Look Around zulässig ist, wenn der Anbieter eingelegte Widersprüche von Betroffenen bearbeitet und Gesichter, Autokennzeichen und Häuserfassaden unkenntlich macht.

"Das vorgelegte Konzept Apples hat bislang auf Grundlage des genannten DSK-Beschlusses keine Anhaltspunkte für aufsichtliche Schritte ergeben", sagte Mirka Möldner. Der oben erwähnte Mittelsachse kann also sein Haus verpixeln lassen. Andere wiederum werden sich freuen, dass es eine neue Möglichkeit gibt, auf sich aufmerksam zu machen.

www.lda.bayern.de/de/thema_apple_kamerafahrten.html

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