Wildschweine zerwühlen Spielwiese

Immer mehr Schwarzwild lebt in den Wäldern. Auf Nahrungssuche machen die Tiere längst nicht mehr an den Gartenzäunen in Wohnsiedlungen Halt.

Erdmannsdorf/Schellenberg.

Yvonne Löffler erschrak, als sie am Morgen den aufgewühlten Rasen im Garten sah. "Eigentlich spielen hier die Kinder", sagt die Tagesmutter aus Erdmannsdorf. Doch in der Nacht hatten Wildschweine den Garten zur Spielwiese gemacht und große Teile des Rasens auf Nahrungssuche zerwühlt. Von Nachbarn hörte sie, dass selbst tagsüber schon Tiere gesichtet wurden. Wildschweinschäden sind längst kein Einzelfall mehr.

Die Jagdgenossenschaft Schellenberg kann nicht mehr alle Wildschäden bezahlen, die auf den Feldern der Landwirtschaftsbetriebe durch Schwarzwild entstanden sind. "Der Bestand an Wildschweinen hat stark zugenommen", sagt Hans-Ullrich Richter (63), Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Schellenberg. Die Genossenschaft wurde 1992 gegründet, Hans-Ullrich Richter übernahm die Leitung vor vier Jahren.

Den Bestand des Schwarzwildes zu begrenzen oder im günstigen Fall zu reduzieren, ist Aufgabe der Jäger. Edgar Nowak betreut zusammen mit seinem Sohn Sebastian und zwei weiteren Jägern 468 Hektar bejagbare Fläche als Pacht von der Genossenschaft Schellenberg. Dazu kommen weitere 465 Hektar Fläche im Marbacher Jagdrevier, in dem beide ebenfalls Jagdpächter sind.

"Es sind drei Parteien, die hier gut zusammenarbeiten müssen", sagt Hans-Ullrich Richter. Zum einen die Mitglieder der Jagdgenossenschaft, denen die Flächen gehören. Zweitens, die Landwirte, die Felder bewirtschaften und drittens, die Jäger.

Fast täglich ist Edgar Nowak unterwegs, fährt sein Revier ab und hält Ausschau nach Wildschäden. "Die Tiere kommen aus dem Wald und suchen auf den nahegelegenen Feldern nach Futter", so der 63-Jährige. Sie suchen Würmer, Engerlinge, Schnecken oder Mäuse. Gibt es Wildschäden, bespricht er das mit Hans-Ullrich Richter. Dank der milden Winter in den letzten Jahren und vielen Früchten habe der Wildschweinbestand stark zugenommen. "In diesem Jahr gibt es nicht so viele Eicheln. Da werden die Tiere auf Futtersuche vermutlich häufiger aus dem Wald heraus kommen".

"Für je 150 Hektar ist ein Jäger zugelassen", sagt Nowak. Die Genossenschaft bekommt Jagdpacht von den Jägern. "Wir als Genossenschaft zahlen Landwirten die Schäden, die über das Jahr durch Schwarzwild entstanden sind. Müssten wir alle Schäden bezahlen, wären wir pleite" so Richter. "In den beiden Jagdbezirken Schellenberg und Marbach haben wir etwa 70 Hochsitze und Kanzeln, von denen aus die Tiere beobachtet werden können", sagt Nowak. "Es wird das ganz Jahr bejagt. Wir schießen schon so viel, wie wir können", so Nowak. Schwierig wird es wegen der Sichtverhältnisse in der kalten Jahreszeit durch Nebel und früh einsetzende Dunkelheit. Zudem würden die Tiere sehr schnell lernen, wo Gefahr droht.

Seit 1. April, dem Beginn des Jagdjahres, das am 31. März endet, wurden in dieser Saison bisher 28 Wildschweine im Schellenberger Revier und 23 Wildschweine im Marbacher Revier erlegt. "Man schießt überwiegend auf Frischlinge oder Überläufer. Das sind Wildschweine im zweiten Lebensjahr. Auch wenn sie niedlich aussehen, müssen sie dezimiert werden", so der Jäger. Eine Bache bekommt pro Wurf sechs bis zwölf Frischlinge. Bereits im Herbst können die Frischlinge selbst schon wieder geschlechtsreif sein, so dass der Bestand sich jährlich verdoppelt bis verdreifacht.


Drei Tipps gegen Schwarzwild

So kann man Wildschweine vom Grundstück fern halten:

Lappen mit Vergrämungsmittel beträufeln oder tränken und die Lappen im Garten verteilen. Man bekommt die Mittel im Fachhandel oder unter Umständen auch beim Jäger.

Der Geruch von Menschenhaar kann die Wildschweine eine Weile vom Grundstück entfernt halten. Haarreste gibt es bei Friseuren.

Ein guter Zaun oder Elektrozäune halten Wildschweine auch wirksam vom Grundstück ab. (cdo)

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