Wintertreffen in Augustusburg: die Absage und die Folgen

Schnee im Winter macht der verrückten Party den Garaus: Die kommerzielle Veranstaltung ist wegen des Wetters abgesagt worden: Kann man aber jedes Risiko wegplanen?

Augustusburg.

Jörg Puschke ist nicht wie lachen. Die Hälfte seiner Gäste haben ihre Reservierung storniert, als am Donnerstagnachmittag das Wintertreffen in Augustusburg abgesagt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt sei das Erdmannsdorfer Hotel "Landhaus Puschke" ausgebucht gewesen. "Stadt und Schloss haben sich den einfachsten Weg gesucht", kritisiert der Unternehmer.

Jeder Gewerbetreibende würde alles dafür tun, um sein Geschäft am Laufen zu halten - egal was ist. Das Wintertreffen am zweiten Januarwochenende sei ein Geldsegen - in der Zeit, wo in der Region sonst "tote Hose ist". Jörg Puschke: "Man muss doch alle Register ziehen, für eine Veranstaltung, die es seit fast 50 Jahren gibt." Uwe Müller vom "Blockhauscafé", nur wenige Meter vom Landhaus entfernt, sieht es nicht anders: "Die Absage ist eine schwierige Geschichte. Am Ende des Tages müssen wir es bitter zur Kenntnis nehmen", kommentiert der Gastronom aus Erdmannsdorf.

Nach 2011 ist es das zweite Wintertreffen, das nicht stattfindet. In der Szene wird Kritik laut und ist nicht ganz neu: Man sollte sich rückbesinnen auf die Anfänge, so der Grundtenor. Biker suchten eine Herausforderung, die Idee der Winterzielfahrt zum Schloss Augustusburg war genau das Richtige. Doch was ist heute? Heute müssten die Biker dafür bezahlen, dass sie sich im Schloss treffen dürfen. Tausende Schaulustige, die die "harten Jungs" bewundern wollen, kaufen Tickets - widerspruchslos.

Das Ausfall-Risiko haben Jorg Diekmann-Schöler und Frank Benninghoven bewusst in Kauf genommen. Die beiden Wuppertaler legten 550 Kilometer mit der Suzuki GSX 1100 G beziehungsweise dem Honda-Gespann XB 100 zurück. Und grinsen. "Von der Absage haben wir erst hier erfahren. Aber sicher wird die Party deshalb noch viel besser", sagen die beiden Männer. Sie packen ihr "Mopped", starten gen Schloss.

Die Museen und die Sonderausstellung im Schloss sind am Wochenende geöffnet. "Wir verstehen das auch als Service für alle Gäste, die bereits zum Wintertreffen angereist sind", sagt Thomas Staudt, Sprecher der Schlossbetriebe, die das Treffen veranstalten. "Für die Biker, die die Nachricht über die Absage nicht rechtzeitig erreicht hat, haben wir eine Ersatzvariante im Steinbruch geschaffen, mit Holzkohlegrill und Getränken." Dennoch sei die Situation noch angespannt. "Die Schlossauffahrt bleibt gesperrt. Es gibt weder in der Stadt noch am Schloss Parkmöglichkeiten."

Mit großem Verständnis und einigem Bedauern hätten Freunde des Wintertreffens auf dessen Absage reagiert. "Die Lawinengefahr besteht weiter, da wir die Dächer nicht beräumen konnten", so Staudt. Zumindest wurden die Schneemassen im Hof entlang der Dachtraufen aufgehäuft. Diese Bereiche sind zum überwiegenden Teil unpassierbar, damit Besucher keinen Schaden nehmen. "Die Eingänge sind aber selbstverständlich zugänglich."

Als "entspannt angespannt" beschreibt Bürgermeister Dirk Neubauer am Freitag die Lage in Augustusburg. Zwar sei man bei der Beräumung von Bushaltestellen, der Altstadt sowie vor wichtigen Punkten wie der Apotheke vorangekommen. "Aber es besteht weiter Gefahr durch umstürzende Bäume", sagt Neubauer. "Wir haben die Lage im Griff, sind aber ein Stück entfernt von Normalität." Dazu gehöre auch, dass die Drahtseilbahn am Wochenende nicht fährt. Auf die Absage des Wintertreffens habe er im Wesentlichen verständnisvolle Reaktionen eingefangen. "Ich habe eben eine Runde im Ausweichquartier im Steinbruch gedreht. Auch dort verstehen die meisten die Entscheidung", so Neubauer. "Jeder, der dennoch mit dem Auto anreisen will, muss sich klarmachen, dass es durch den Schnee beengt zugeht und keine Parkflächen zur Verfügung stehen." Der Bürgermeister kündigt an, dass "des Feldes verwiesen wird", wer keinen ordnungsgemäßen Parkplatz nutze. "Wir haben einen Abschleppdienst in der Hinterhand."

Voll belegt ist die Jugendherberge Schloss Augustusburg. "150 Betten sind gebucht", sagt Herbergsleiter Sebastian Wölfel. Bei Nichtanreise könnten Einzelbetten neu vergeben werden. "Wir haben dafür einige Nachfragen." Seine Gäste, aber auch Camper könnten bei ihm frühstücken und bekämen tagsüber Glühwein und Krakauer. Abends findet im Keller eine Party mit DJ statt. Biker können ihre Gefährte oben an der Herberge parken. "Die Stelle ist geräumt und sicher", so Wölfel. "Unsere Gäste haben dafür einen Wertbon, den sie der Security zeigen."

Eigentlich feiern Sandra Opitz und eingeladene 80 bis 100 Freunde eine Privatparty auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei in Hohenfichte. "Zur Not können wir aber ein paar Gestrandete aufnehmen. Sie müssten aber eine Schippe mitbringen. Wir sind Selbstversorger."

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