"Wir wären schlicht keine Menschen ohne Kunst und Kultur "

20 Jahre Turmgalerie: Künstler Rolf Büttner aus Erdmannsdorf darüber, warum Zeichnen in der Schule intensiver gelehrt werden sollte

Augustusburg.

Seit 20 Jahren gibt es die Galerie im Lindenturm von Schloss Augustusburg. In loser Folge stellt die "Freie Presse" die Vereinsmitglieder vor. Heute: Rolf Büttner, Erdmannsdorf.

Meine künstlerische Begeisterung habe ich entdeckt, als ...

... ich in der Grundschulzeit bemerkte, dass mir Malen und Zeichnen Spaß machen.

Kunst ist für mich nicht brotlos, weil ...

... ich nicht allein vom Geld lebe. Im Übrigen finde ich, ist der Spruch von der "brotlosen Kunst" sehr oberflächlich. Was wäre das für ein Leben, wenn es nicht Dinge gäbe, die über unseren Horizont hinausgehen? Die Kunst wird gebraucht, die Welt zu reflektieren, und stiftet Sinn, wo dieser fehlt.

Ich male am liebsten, wenn ...

... mich ein Thema beschäftigt. Wenn ich Gedanken im Kopf hin und her wälze, beginne ich Aufzeichnungen, Skizzen zu machen. So formt sich allmählich, manchmal über Wochen und Monate, die Vorstellung von einem Motiv. Dazu kommt dann die bildnerische Technik, in der ich dieses umsetze.

Über Kunst lässt sich nicht streiten, aber ...

... ohne Wenn und Aber. Wir wären schlicht keine Menschen ohne Kunst und Kultur. Darüber, wie es einem Künstler gelungen ist, sein Motiv zu bewältigen, kann man schon streiten. Sollte man sogar.

In der Schule war ich im Zeichenunterricht ...

... gut. Zeichnen sollte in der Schule intensiver gelehrt werden, denn nur durch das genaue Beobachten und Verstehen der Umwelt können Schüler zu selbstbestimmten Menschen werden.

Wenn ich nicht Künstler geworden wäre, ...

... wäre ich am Leben gescheitert. Ich denke, kein Mensch kann ausschließlich Künstler sein. Ohne das Selbstverständnis eines Künstlers hätten alle anderen Lebensbereiche mehr Raum bekommen. Das würde mich aus dem Gleichgewicht bringen, denn meine Anteile funktionieren nur gemeinsam. anpö


Zur Person

Rolf Büttner (52) wohnt in Erdmannsdorf. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Seit 2002 leitet Büttner die Volkskunstschule Oederan. Nach dem Abitur und einer Berufsausbildung zum Maler und Lackierer studierte er von 1994 bis 1998 an der Bauhaus-Universität Weimar mit Abschluss als Diplomdesigner für visuelle Kommunikation. Seitdem beschäftigt sich der freischaffende Künstler vorwiegend mit Skulptur, Plastik, Malerei, Grafik und Fotografie. Seit 18 Jahren ist er Mitglied im Verein Turmgalerie. Alle Beiträge, die bisher in der Reihe erschienen, sind unter dem Link www.freiepresse.de/turmgalerie zu finden. (anpö)

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