Wo die Handys draußen bleiben

Sollen Mobiltelefone ganz aus den Schulen verbannt werden? Im Erzgebirge sorgt diese Forderung für Diskussionen. Im Raum Flöha gibt es dafür klare Regeln - wenn auch an jeder Schule andere.

Flöha/Oederan.

In den weiterführenden Schulen der Region gibt es keine einheitlichen Regelungen zur Nutzung von Mobiltelefonen im Schulhaus. Während die Schüler in den Gymnasien Flöha und Augustusburg sowie in der Flöhaer Oberschule ihre Handys in den Pausen fast nach Belieben nutzen dürfen und teilweise sogar im Unterricht verwenden, ist das Schulgebäude der Oberschule Oederan handyfreie Zone. Eben diese Regelung forderte kürzlich auch Thomas Klug, der Vorsitzende des Kreiselternrats Erzgebirge. Er sprach von gefilmten Lehrern, heimlichen Tonaufnahmen und dem Austausch von Pornos via Handy, welche dadurch verhindert werden sollten. Die Forderung sorgt für große Debatten.

In Oederan hat Schulleiter Frank Hunger zwar keine der von Thomas Klug beschriebenen Probleme feststellen müssen, eine Regelung für den Umgang mit Handys im Schulhaus wollte er aber dennoch haben. "Dafür wurden Schüler-, Eltern- und Lehrerrat befragt", sagt Hunger. "Das überraschende Ergebnis war, dass sich in erster Linie die Schüler dafür ausgesprochen haben, die Mobiltelefone aus dem Schulhaus zu verbannen - auch gegen den Wunsch so mancher Eltern, dass ihre Kinder erreichbar sein sollen." Und so gibt es schon seit zwei Jahren ein Handyverbot im Gebäude. "Man kann seitdem wieder mit den Schülern reden, wenn sie im Gang stehen", sagt Frank Hunger. "Das ist sehr angenehm."

In Augustusburg gibt es eine komplett andere Herangehensweise. Im Regenbogengymnasium, der Schule in freier Trägerschaft, sind Handys nicht nur in den Pausen erlaubt, sie werden sogar im Unterricht benutzt. "Natürlich nicht immer", sagt Schulleiterin Angelika Mann. "Aber in einigen Fächern greifen wir auf Apps zurück, welche die Schüler auf ihren Handys installieren. Und auch die Essensbestellung läuft bei uns über eine Handy-App." Damit die Jugendlichen dafür nicht ihre eigenen Datenvolumen aufbrauchen, gibt es im ganzen Schulhaus freies W-Lan für alle Schüler. "Ein Verbot bringt doch nichts. Da verziehen sich die Schüler auf die Toilette oder auf den Schulhof und nutzen ihre Handys heimlich", sagt Angelika Mann.

In Flöha dürfen die Schüler des Samuel-von-Pufendorf-Gymnasiums in den Pausen Handys nutzen, wie sie wollen - außer im Foyer und in der Mensa. "Das sind Orte, an denen das Schulleben außerhalb des Unterrichts stattfindet, wo sich die Schüler unterhalten", sagt Schulleiterin Sylvia Noack, die von einem Verbot ebenfalls nichts hält. In der Flöhaer Oberschule sind Handys nur für Schüler bis zur 7. Klasse verboten. "Danach dürfen wir sie in der Pause nutzen, was auch gut ist, wenn man zum Beispiel Musik hören möchte", sagt Schülersprecherin Leonie Herbrich. Die 14-Jährige war erst kürzlich auf Sprachreise an einer Schule in England, wo Handys tabu waren. "Verpasst habe ich dort auch nichts, nur weil ich kein Handy bei mir hatte", gibt sie zu.

Pro und Kontra

Pro: Wer zwischen 7 Uhr morgens und 14 Uhr nachmittags mal nicht auf sein Handy guckt, verpasst nichts - und nimmt intensiver am echten Leben teil, sagt Thomas Reibetanz.

Wenn wir im Freundeskreis unterwegs sind, bin ich großer Fan des "Handyhaufens". Dabei werden sämtliche Mobiltelefone in die Mitte des Tisches gelegt - und wer zuerst nach seinem Telefon greift, muss alle Getränke des Abends bezahlen. Das funktioniert , denn keiner will die Saalrunde geben. Und es führt dazu, dass sich alle in der Runde miteinander unterhalten, statt - nicht selten schon ganz automatisch - ständig zum Handy zu greifen. Ähnlich sollte es in der Schule sein. Statt ständig online zu schauen, was die Bekanntschaft aus dem letzten Urlaub oder der Star aus der TV-Serie gerade so macht, sollten doch lieber echte Freundschaften entstehen. Von Angesicht zu Angesicht. Wie Technik und moderne Kommunikation funktioniert, lernen Jugendliche in und auch außerhalb der Schule ohnehin schon mehr als genug.

Kontra: Ein generelles Handy-Verbot ist vollkommen überzogen. Viel wichtiger ist doch, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Online-Medien ausreichend zu schulen, sagt Katrin Kablau.

Exessive Handy-Nutzung während des Unterrichts, das ist für mich nicht mehr als nur ein Schauermärchen. Wann das Smartphone eingeschaltet werden darf, kann man gut in einer Schulordnung regeln - da bei bietet es sich an, auch denen, die reglementiert werden, ein Mitspracherecht einzuräumen. Der "Handy haufen" Erwachsener zeigt doch nur, dass diese offline offensichtlich nicht mehr klar kommen. Die Frage ist doch, wie es um die Medienkompetenz der Pädagogen bestellt ist. Knapp die Hälfte der Lehrer glaubt, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Online-Risiken gut oder sehr gut unterstützen zu können. Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten fällt kaum besser aus. So lautet das Umfrageergebnis unter 300 Lehrern, das Hamburger Medienforscher in dieser Woche publizierten. Wir haben Nachholbedarf. Verbote kann man umgehen. Ein generelles Handy-Verbot ist voll kommen überzogen. Viel wichtiger ist doch, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Online-Medien aus reichend zu schulen, sagt Katrin Kablau.

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