Wo sich Legehennen sauwohl fühlen

Ihr Eierlikör ist schon in vieler Munde. Nun macht die Agrargenossenschaft Eppendorf auch wegen vorbildlicher Haltung ihrer Legehennen von sich reden und räumt in einem Landeswettbewerb ab.

Eppendorf.

Großer Bahnhof gestern in Eppendorf: Roland Klemm, Referatsleiter im sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (SMUL), übergab Andreas Vogel eine Plakette als einer der Sieger im Landeswettbewerb "Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung". Andreas Vogel ist Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Eppendorf. Diese wurde für ihre ökologische Haltung von Legehennen ausgezeichnet.

"Der Betrieb hatte sich erfolgreich mit seinem Mobilstall beworben", erklärte Roland Klemm. Per Traktor wird dieser Anhänger mit Spezialaufbau alle 14 Tage zu einem einen neuen Standort verlegt. "Dadurch verteilen wir die Nährstoffeinträge auf eine größere Fläche", sagte Andreas Vogel. Die Tiere sind tagsüber im Freien und ruhen nur nachts unterm Dach. Der mit Solarzellen ausgerüstete Mobilstall ist weitgehend automatisiert: Lüftungs- und Auslaufklappen gehen von allein auf und zu. Nur die durchschnittlich 180 Eier Ertrag pro Tag müssen noch manuell entnommen werden. "Wir halten hier 244 Legehennen und drei Hähne, alles nach Biostandard", so Vogel. Die Eier gehen im eigenen Hofladen weg wie warme Semmeln. Verkaufsschlager des Ladens ist mit 80 Prozent Umsatz aber der Eierlikör. Für den kauft die Genossenschaft jedoch Eier hinzu. "Bei Likör aus Bioeiern hätten wir Selbstkosten von 15 Euro pro Flasche. Das lässt sich derzeit kaum refinanzieren", so der Landwirt.

Sein Unternehmen ist seit 2016 ein Biobetrieb. Zunächst wurde der Ackerbau umgestellt. 2019 fahren Vogel und seine 14 Angestellten inklusive Aushilfen und sein Azubi die erste zertifizierte Ernte nach Biostandard ein. Seit 2017 läuft auch die Milchviehhaltung in Eppendorf ökologisch. "Das heißt, wir füttern ohne Silage", erzählt Andreas Vogel. Im Sommer fressen seine 170 Milchkühe Grünfutter, Heu und Kraftfutter, gemischt aus Roggen und Weizen, im Winter nur Heu. "Wir kaufen nichts dazu. Bei uns ist der Anteil an Luzernegras hoch. Da ist selbst in diesem Sommer immer etwas gewachsen. Unser Verhältnis von Fleckvieh und 520Hektar Weide passt", sagt Vogel. Er ist sich aber bewusst, dass nach dieser Dürre anderswo das Futter schon jetzt knapp geworden ist.

Angesichts der properen Braunleger im Freiland erläuterte Roland Klemm noch die sächsische Ausnahmestellung in Sachen Legehennen. Mit circa drei Millionen Tieren liegt deren Anzahl fast auf Vorwende-Niveau. "Sieben Prozent der in Deutschland gelegten Hühnereier kommen aus Sachsen", so der Referatsleiter. "Das ist im Vergleich zu Fläche und Einwohnerzahl überproportional viel." Im Freistaat wirtschaften 58 Betriebe mit jeweils mehr als 3000 Legehennen. Im konventionellen Betrieb legt ein Huhn im Schnitt 300 Eier im Jahr, im Ökobetrieb 250. In Sachsens sieben Ökoproduktionen gackern insgesamt 161.000 Hühner.

Der vom SMUL zweijährig ausgelobte und vom Landesbauernverband organisierte Wettbewerb widmete sich diesmal Legehennen und Pferden. "Die Kombination mag seltsam erscheinen, aber möglichst alle Tierarten sollen berücksichtiget werden", erklärte Klemm. Die Teilnahme ist freiwillig. Bei den Pferden reichten acht Betriebe Bewerbungen ein, bei den Legehennen sieben Firmen, fünf davon Biobetriebe. "Solche Wettbewerbe funktionieren nur, wenn Unternehmer daran auch teilnehmen", begründete Andreas Vogel sein Engagement. "Außerdem kann man den Betrieb auf diese Art der Öffentlichkeit vorstellen."

Die Plakette dürfte künftig den Eppendorfer Hofladen zieren. Es soll sich um Messing handeln, wofür zumindest das Gewicht spricht. Ein Tipp aus Omas Rezeptbuch kursierte gestern auch gleich: Immer schön mit Ketchup putzen, damit das Blech nicht anläuft.

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