Wonnemonat ist nicht ohne

Mal fast winterlich, mal wie im Sommer - der fünfte Monat des Jahres bringt oft Überraschungen mit sich. Ein Rückblick auf den Mai in den vergangenen Jahren.

Frankenstein.

Mit einer Durchschnittstemperatur von 12,3 Grad Celsius ist der Mai dem Frühsommer schon sehr nahe. Kurze nass-kalte Fröstelperioden sind dabei jedoch immer mit einzubeziehen. Der kälteste Mai mit nur 6,8 Grad als Monatsmittel wurde 1991 notiert, der wärmste mit 15,2 Grad 2003. Im Durchschnitt alle vier Jahre stellen sich die Eisheiligen etwa um Monatsmitte ein; in den 1970er-Jahren geschah dies noch in neun Fällen, in den 1980ern nur noch einmal: 1989.

Vor allem auch anhand der Eisheiligen ist die ganze Problematik der angewandten Meteorologie gut zu erkennen: Trotz modernster Technik sind mancherlei Entwicklungen im Wetterbereich nur schwer vorhersehbar, also auch nur schwer vorhersagbar.

Die höchste Maitemperatur von 31 Grad wurde erst im Vorjahr, am 29. Mai 2017, gemessen. Die tiefste Temperatur von minus vier Grad am 11.5. 1978 war für alle frostempfindlichen Gemüsepflanzen, Feldfrüchte und Sommerblumen Auslöser für den Kältetod in großem Umfang. Für eine zweite Aussaat fehlte dann verbreitet an dem nötigen Saatgut.

Geschneit hat es im Mai ebenfalls schon hin und wieder. Dünne Schneedecken wurden dabei jedoch meist schon bald wieder von der Sonne weggeschmolzen. Und von Sonnenschein gibt es in diesem Frühlingsmonat im Mittel so viel, wie in keinem anderen Monat des Jahres: 210 Stunden. Selbst die Sommermonate Juni mit 208, Juli mit 209 und August mit 203 Sonnenstunden können in dieser Beziehung nicht mithalten. Die meisten Sonnenstunden in einem Mai gab es 1989: 303, die wenigsten hatte der Mai 2010 zu bieten: nur 78. Auch bei den Niederschlägen ist die Bandbreite beträchtlich. So kamen im Mai 2007 beachtliche 157 Liter pro Quadratmeter zusammen, im Mai 1990 gerade mal 17 Liter. Das Klimamittel 1971-2010 weist für Frankenstein aus: an 15 Tagen fallen 69 Liter pro Quadratmeter in 72 Stunden.


Häufigkeit von Blitz und Donner nimmt im Mai oft zu

Gewitterneigung: Im Durchschnitt kommt es an vier Tagen des Monats zu sechs Gewittern. Im Mai 1993 gab es 18 Gewitter an zehn Tagen, im Mai 2014 hingegen kein einziges Mal Blitz und Donner. Ein besonders schweres Gewitter mit Sturmböen, Graupel und Wolkenbruchregen überquerte am 5.Mai 1976 von 14.30 vus 17 Uhr die Region Flöha-Freiberg, dabei wurde es zwischen 15.25 und 15.45 Uhr finsterste Nacht. Der Mai 1979 war von der Witterung her extrem zweigeteilt: in der ersten Monatshälfte gab es nochmals vier Luftfrosttage zuzüglich elf Bodenfrosttage, in der zweiten Monatshälfte stellten sich dann neun Sommertage mit Temperaturen von 25 bis 28 Grad ein. Ein krasser Temperatursturz ereignete sich in Verbindung mit heftigen Gewittern in der Gegend um Eppendorf-Zethau-Mulda am 27. und 28. Mai 1986. So wurden am 27. Mai, 15 Uhr 31 Grad, am 28. Mai, 11 Uhr 12 Grad gemessen. Heftigen Starkregen gab es im Mai 1995.

Sonnenschein: Mit 183 Sonnenstunden in der ersten Monatshälfte 2000 ging eine um 18 bis 25 Tage verfrühte Entwicklung in der Natur einher; bereits am 25. Ein tornadoähnlicher Orkan verwüstete am 31. Mai 2001 Waldgebiete zwischen Zschopau-Börnichen und Borstendorf. Im Mai 2010 gab es nur extrem wenig Sonnenschein von 78 Stunden, es war um 1,7 Grad zu kühl und mit 79 Liter Regen sehr feucht. Ein Jahr später wurden 200 Sonnenscheinstunden gezählt.

Niederschlag: Vom 18. Mai bis zum 4. Juni 2013 kam es zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert zu langen Intensivregenfällen mit Überflutungen und Schäden. Dabei fielen in Frankenstein 228 und in Eppendorf 285 Liter Regen pro Quadratmeter - ein Drittel der Jahres-Niederschlagsmenge. (mt)

Unser Autor Manfred Tietz, der seit vielen Jahren als Wetterexperte der "Freien Presse"

Flöha agiert, beobachtete von 1971 bis 2017 das Wetter am Kalten Feld in Frankenstein. Täglich führte Manfred Tietz Messungen durch.

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