Blue Effekt: Fünf Herren rocken ein halbes Jahrhundert

Musik hält jung: Ein Quintett aus dem Freiberger Umland ist der beste Beweis dafür. Obwohl in gesetzterem Alter, füllen die "Oldies" Säle wie das Freiberger Tivoli.

Halsbrücke/Falkenberg.

Fünf Herren in gesetzterem Alter sind im kleinen Probenraum im Halsbrücker Ortsteil Falkenberg zusammengekommen. Doch vergisst man deren Alter sehr schnell, denn ein jeder von ihnen trägt dieses freche Grinsen in den Augen oder auf den Lippen, das an fröhliche Halbstarke erinnert. Das Geheimnis ist ein Altbekanntes: Musik hält jung.

Jochen Kost, Leander Kost (Zumindest nach Wissen beider sind sie nicht miteinander verwandt) und Steffen Flade stammen aus Ortsteilen von Halsbrücke, Frank Schulze ist Rothenfurther und Thomas Tippner lebt in Freiberg. Zusammen sind sie die Band Blue Effekt, und das seit genau 50 Jahren. Mühelos füllen sie immer noch Säle wie das Freiberger Tivoli, sobald bekannt wird, dass sie zum Tanz aufspielen. Dass sie dazu derzeit wenig Gelegenheit haben, hängt mit der Vollbremsung aufgrund der Coronapandemie zusammen. Am 21. März sollte ihre Jubiläumsfeier im Freiberger Konzert- und Ballhaus steigen, damit müssen sie nun bis zum 20. März 2021 warten.

Die Geschichte der Band verlief nicht immer gerade, sie ist sogar von einer größeren Pause geprägt. Gitarrist und Keyboarder Jochen, Bassist Frank sowie Drummer und Sänger Steffen haben 1970 als Schülerband angefangen. "Den ersten Auftritt hatten wir Ende Juni in der Gaststätte Bergmannsgruß in Freiberg", erinnert sich Frank Schulze. Damals gehörte noch Dietmar Lukas zur Truppe, und man musizierte zunächst mit zwei Trompeten, einem Akkordeon und einem Schlagzeug. Lukas verließ die Band später. 1972 kam erst Leadgitarrist Leander Kost, danach Thomas Tippner als weiterer Gitarrist und Sänger dazu. "Frontmann und Rampensau", nennt er sich selber scherzhaft.

Auf die Frage nach den Anfangsjahren der Band fliegen die Anekdoten nur so hin und her. Nicht selten beginnen sie mit "Wisst ihr noch...?" und enden in einem herzhaften Gelächter. Das Repertoire der frühen Zeit bestand aus Polka oder Schlagern wie "Mendocino" oder "Adelheid, schenk mir einen Gartenzwerg".

Ganz allein konnten die Burschen aufgrund ihres jugendlichen Alters nicht unterwegs sein. Außerdem hatte keiner einen Führerschein. Günter König, dem damaligen Kulturhausleiter vom Stollnhaus in Zug, verdankt die Band sehr viel. Er ließ sie nicht nur bei sich spielen, sondern beschaffte ihnen auch den ersten großen Auftritt bei einer Silvesterparty in Schellerhau, sorgte dabei auch für den Transport. Dort angekommen, war die erste Frage des Veranstalters an die Jungs, wann denn die Band käme. "Wir sind die Band", antwortete ihm einer. "Ich lasse doch hier keine Kinder spielen", war die schockierte Reaktion. Sie wurden dann doch gelassen, und machten ihre Sache so gut, dass man heutzutage wohl von ihrem Durchbruch sprechen kann.

Anfangs trat die Band unter dem Namen Comets auf, was aber schnell passé war. "In unserem Probenraum war immer ein blaues Licht, weshalb dann irgendwer auf den Namen Blue Effekt kam", erzählt Jochen Kost. Gespielt wurden vorwiegend Hits aus dem Westen. Abgehört am Radio, Englisch in Lautschrift notiert und ab ging's auf die Bühne damit - ob Rolling Stones, Golden Earring, The Lords oder CCR. Selbst an Led Zeppelin wagte sich die Band heran. Die Musiker blieben hauptsächlich in sächsischen Landen, doch holte sie auch jemand nach Zeuthen bei Berlin. "Die Massen, die da kamen, das war schon toll", so Thomas Tippner.

"Im April 1975 war dann Schluss", sagt Steffen Flade. Die Armee holte einen nach dem anderen. "Danach fanden wir uns erst einmal nicht wieder", ergänzt Leander Kost. "Wir hatten Familien gegründet, Häuser gebaut, wie das so ist." Der Beruf ließ ebenso wenig Zeit. Jeder machte irgendwie noch etwas Musik, aber nicht gemeinsam. Mitte der 1990er jedoch kamen die Herren wieder zusammen. "Es ging eigentlich von den Fans aus, die uns fragten, ob wir nicht wenigstens mal wieder für einen Auftritt was machen könnten", berichtet Thomas Tippner. Und so war es auch angelegt, als man sich für das Blütenfest in Tuttendorf 1995 zusammentat. Der Erfolg war riesig, das Zelt zum Bersten voll, und Thomas Tippner bekam sogar richtig Manschetten vor der Mugge. "Ich dachte, es ist besser, wir hauen ab", gesteht er. Doch man blieb und alles lief großartig. Sofort kamen Anfragen für neue Auftritte, und so wurde aus dem Einmalprojekt wieder der Dauerbrenner Blue Effekt.

Auftritte mit Harpo und C.C. Catch gab es mittlerweile, und nach wie vor sind die Musiker gut gebucht. Regelmäßig treten sie etwa beim Freiberger Bergstadtfest und beim Stadt- und Haldenfest Brand-Erbisdorf auf. Ans Aufhören denkt keiner von ihnen.

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