Langenau auf Hunderten von Seiten

Die Geschichte des Ortes ist umfangreicher als man glaubt. Deshalb geriet der zweite Band der Ortschronik sehr umfangreich.

Langenau.

Otto Braun sitzt in der Sonne, ein gedeckter Kaffeetisch steht vor ihm, zur Seite sitzen Frau und Tochter, im Hintergrund wartet ein schmucker Pavillon auf schattensuchende Gäste. Ein Foto, welches exemplarisch für die wilhelminische Ära stehen könnte. Aufgenommen wurde es allerdings nicht im Berliner Grunewald, sondern im nicht weniger angenehmen Niederlangenau, auf dem dortigen Rittergut, dessen Anlagen heute noch, wenngleich stark verändert, existieren. Seine Geschichte reicht bis tief in das 15. Jahrhundert zurück.

Wer nicht nur darüber, sondern über die Entwicklung Langenaus, heute Stadtteil von Brand-Erbisdorf, im Ganzen detailreich informiert werden möchte, der hat nun das entsprechende Handbuch zur Verfügung. Am Montag ist der Band "Langenau im Wandel der Zeit" - zusammengetragen, mit verfasst und herausgegeben von Ortschronist Harald Walter - erschienen. Zeitgeschichten, Anekdoten und Schicksale von Menschen und ihren Häusern verspricht der Untertitel und löst dies auch ein. Zur Buchpremiere im Sportlerheim Langenau kamen viele Interessierte, die den 736 Seiten starken Band gleich mehrfach mitnahmen. 1000 Exemplare beträgt die Auflage. "Das hält eine Weile, aber nicht ewig", sagte Brand-Erbisdorfs Oberbürgermeister Martin Antonow zur Begrüßung. Für 38,50 Euro bekommt man viel in die Hand. Vor 13 Jahren wurde an gleicher Stelle schon einmal eine Langenauer Chronik vorgestellt. Gemeinsam mit Herta Neumann und Reinhold Siegel hatte Harald Walter damals die "Häuserchronik eines Waldhufendorfes" zusammengestellt. Sehr bald wurde klar, dass dieses ebenfalls umfangreiche Werk nicht ausreichen würde. "Das neue Buch ist deshalb eine Ergänzung", sagt Walter in einer kurzen Signierpause. Die Käufer möchten gerne seinen Namenszug, und die Organisatoren der Buchpremiere, Mitglieder des Heimatvereins und des SV Fortuna Langenau, haben bei der Vorbereitung der Veranstaltung an alles gedacht: Gesichtsschutzmasken, Einbahnstraßensystem und überall Plexiglasscheiben.

Die zweite Chronik wurde angeregt durch kluge Kritik und viele Hinweise, bekennt Harald Walter. "Beispielsweise wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass im ersten Band kaum etwas zu den nicht wenigen Vertriebenen steht, die hier ein neues Zuhause fanden", so Walter. "Außerdem wird sich nun auch auf die Rittergüter oder die Landwirtschaft konzentriert." Über Anzeigen im Amtsblatt habe man die Einwohner dazu aufgerufen, Bilder und Geschichten beizusteuern. So findet sich auch viel aus den Jahrzehnten der DDR, aber auch die Zeit nach 1989/90 wird festgehalten. Etwa jener traurige Tag im Jahr 1997, als der letzte Zug vom Bahnhof Langenau abfuhr. Aber auch die Fröhlichkeit, die im Juni 2010 herrschte, als der Ort seine 825-Jahr-Feier unter anderem mit einem grandiosen Festumzug beging.

Es sind die Menschen, die einen Ort prägen, und diese finden sich in dem neuen Buch wieder. Die Beteiligung daran war so groß, dass der zunächst gedachte Umfang weit überschritten wurde. Allerdings brachte das auch viel Arbeit mit sich. "Eigentlich sollte das Buch viel früher fertig werden", sagt Harald Walter schmunzelnd mit Blick auf das Jahr unter dem Vorwort, das "2012" lautet. Wer sich auf diese geschichtliche Entdeckungsreise begeben will, kann das Buch beim Langenauer Heimatverein, im Museum "Huthaus Einigkeit", bei der Firma Kreativ Innenausbau und über den Buchhandel beziehen.

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