Zweitakt-Fahne bereits am Eismeer gehisst

Halb Europa haben die "Höllensudrockers" Rittersberg mit ihren MZ-Maschinen schon bereist. Einer von ihnen ritt auf seinem Zschopauer Feuerstuhl sogar bis ans Nordcap.

Rittersberg.

Für die "Höllensud- rockers" ist MZ ein Teil des Lebens. Die Maschinen aus dem Erzgebirge haben sie zumindest seit ihrer Jugend ständig begleitet. Mit und auf ihnen haben sie vieles erlebt. In den Feuerstühlen stecken nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Freizeit und Schweiß. Die zwölf "Höllensudrockers" kennen sich bereits seit ihrer Jugend, die sie in und rund um Rittersberg verbrachten. Ihren Namen gaben sie sich 2006 in Anlehnung an den "Werner"-Film, in dem sich die beiden Haupthelden ihren eigenen Methyl genannten Sprit brauten. Das Methyl wird in dem Streifen auch Höllensud genannt.

"Für uns gab es früher nichts anderes als MZ. Diese Liebe hat sich bis heute bewahrt", sagt Tino Fritzsch, einer der "Höllensudrockers". 2006 ging der harte Kern auf seine erste gemeinsame Tour an den Schwielochsee in Brandenburg. Ein Jahr später tuckerten sie über den Großglockner nach Italien. Im Jahr darauf war Norwegen das Ziel. Eine ihrer Lieblingsgeschichten ereignete sich auf dieser Tour. Gerne erzählen sie davon, wie sie mit gezogenen Chokes die halbe Fähre in eine Zweitakt-Fahne hüllten, als sie sich dort wieder in Gang setzten.

Ihre letzte gemeinsame Reise führte die Gruppe 2012 wieder in Anlehnung an die "Werner"-Filme nach Korsika. Seit dem lagen die Prioritäten der jungen Männer anders. "Wir haben mittlerweile fast alle Familie", berichtet Tino Fritzsch. Dennoch haben sie sich wenigstens hin und wieder ein verlängertes Wochenende an der Ostsee gegönnt. Zum Tross gehörte regelmäßig ein Trabant für das Gepäck.

Richtig liegen geblieben ist während der Tausenden Kilometer nur eine Maschine. Das war 2008 Michael Klauß' 150er-ETZ. Sie erlitt in Dänemark einen Kolbenfresser. Die Versicherung holte das Bike zurück. Der Fahrer setzte die Reise auf Rocco Walthers Sozius fort. Unvorbereitet sind die Rittersberger nie auf die Reise gegangen. Ihr guter Freund und Zweiradspezialist Eberhardt Uhlig hat ihnen immer eine Kiste mit wichtigen Ersatzteilen gepackt. Wirklich gebraucht haben sie kaum etwas.

"In der Regel braucht man nur einen 10er- und einen 13er-Schlüssel, Panzertape, Kerzenstecker, Zündkerzen und einen Lappen, mehr nicht", versichert Tino Fritzsch. Mit Steffen Dombrowski schaffte es ein "Höllensudrocker" sogar bis ans Nordcap. Unterwegs wären ihm beinahe die Hände abgefroren.

Das älteste Krad ist Tino Fritzschs 1973 gebaute 250er-TS. Normalerweise wartet und pflegt jeder der Gang sein Bike für sich. Dazu hat jeder zu Hause eine kleine Werkstatt. Viel fällt allerdings nicht an. Die Unterbrecher müssen gereinigt und geölt werden und die Kette braucht hin und wieder fett. Motoren sind ebenfalls schnell ausgetauscht. Das gehört dazu. Lediglich in Rocco Walthers 1978 gebauter TS 250 ist noch der erste Zylinder im Einsatz. Größere Reparaturen nehmen sie gemeinsam in der Werkstatt in Rittersberg vor. Dort treffen sie sich regelmäßig samstags.

Da Beschaffung von guten Ersatzteilen mittlerweile gar nicht mehr so einfach ist, bauen sie sich diese hin und wieder selber. So haben sie sich schon ab und zu die Kurbelwellen selbst gepresst. Andere Schöpfungen Marke Eigenbau sind ein kleiner Traktor mit Trabant-Motor und Schneepflug, ein Trike, Koffer für das Gepäck sowie Halterungen für Bratpfannen und Beile, die sie unterwegs brauchen. Das Knowhow haben sie sich über die Jahre selbst angeeignet.

Übrigens hat keiner der Jungs nur eine MZ. Der Fuhrpark der "Höllensudrockers" besteht aus insgesamt 40 Zschopauer Feuerstühlen. "Wir könnten schon ein kleines MZ-Treffen abhalten", scherzt Sylvio Walther. An eine neue Reise denkt der harte Kern schon nach. "Das würde uns schon reizen. Wer weiß, vielleicht klappt das schon bald wieder", hofft Tino Fritzsch.


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