130.000 Euro für Kampf gegen den Käfer

Schneebruch und Stürme, Trockenheit und Schad- insekten: Auch der Freiberger Stadtwald ist im Katastrophenzustand. Mittlerweile fällt soviel Holz an, dass Waldbesitzer drauf zahlen.

Freiberg/Brand-Erbisdorf.

Der Wald ist im Katastrophenmodus. "Wir erleben die wahrscheinlich größte Borkenkäfervermehrung, die jemals in Sachsens Wäldern stattgefunden hat", sagte Landesforstpräsident Utz Hempfling am Freitagmorgen im Freiberger Stadtwald nahe des Erzenglerteiches.

Unermüdlich sind Forstdienstleister wie Tilo Mühl aus Olbernhau im Einsatz, um Schadholz aus dem Wald zu holen, Stämme zu entrinden, aufzubereiten und zu lagern. Das große Ziel: die Borkenkäfer-Plage eindämmen. Auch im Freiberger Stadtwald sind derzeit Waldwege gesperrt, weil Harvester im Einsatz sind. Mittlerweile fällt soviel Schadholz an, dass es teils nicht mehr kostendeckend beräumt werden kann. Für Industrieholz gebe es beispielsweise nur noch etwa 15 statt 25 Euro je Festmeter.

Deshalb hat Annett Jung Förderung beantragt. Sie ist Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land-Erzgebirge (FBG), in der 632 Waldbesitzer zwischen Dresden und Chemnitz Mitglied sind - darunter die Stadt Freiberg mit rund 950 Hektar Wald, aber auch viele Privatpersonen mit kleinsten Waldstücken. Die FBG unterstützt die Waldbesitzer bei der Entfernung, Aufbereitung und Lagerung des Holzes, aber auch beim Verkauf der großen Mengen Holz, die derzeit anfallen. Im vergangenen Jahr zählte Annett Jung 65.000 gefällte Festmeter Holz. In diesem Jahr könnten es noch mehr sein, schätzt sie. Im Freiberger Stadtwald wurden bisher pro Jahr zwischen 4000 und 4500 Festmeter Holz geerntet. Dieses Jahr sind es schon 15.000 Festmeter. "Bei solchen Mengen Holz ist es schwierig, Dienstleister zu finden", sagt Andreas Böhnstedt vom Freiberger Hochbauamt.

Warum die Schäden so massiv auftreten, erklärt Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg: "Das kam nicht von heute auf morgen", sagt er. Seit dem Sturm Kyrill 2007 kämpfen Waldbesitzer mit Schäden. Es folgten die Sturmtiefs Herwart im Herbst 2017, Friederike im Januar 2018 und Eberhard im März 2019. Dazu kommen Schneebruch und aufgrund der Trockenheit und Hitze im vorigen und in diesem Jahr die Borkenkäfer, die über die gestressten Bäume herfallen. "Durch dieses überlagerte Schadgeschehen war einfach nicht genug Zeit, um die Schäden zu beseitigen", erklärt Hempfling die jetzige Situation.

Um Waldschutzmaßnahmen zu unterstützen, hat Hempfling der FBG einen Förderbescheid in Höhe von mehr als 130.000 Euro überreicht. 75.000 Euro kommen demnach 40 Kleinprivatwaldbesitzern zugute. Freiberg und Bobritzsch-Hilbersdorf bekommen zudem rund 64.000 Euro Förderung für circa 8600 Kubikmeter aufgearbeitetes Schadholz. Bund und Land wollen die Fördermittel möglichst schnell auszahlen, sagt Hempfling, damit die Waldbesitzer liquide bleiben und den Wald in seiner einzigartigen Vielfalt bewahren können.

Doch wie können Waldbesitzer gegen die Borkenkäfer angehen? Erstens: Beschädigte Bäume fällen, aus dem Wald schaffen und Käfernester entfernen. Zweitens: Die gefällten Stämme von Rinde befreien und dann mit Insektiziden besprühen. "Das kommt aber nur zum Einsatz, wenn es gar nicht anders geht", betont Reinhold. Drittens: Die Rinde, in der sich die Borkenkäfer einnisten, verbrennen. Das sei aber wegen Waldbrandgefahr schwierig. Viertens: Effektiv wäre, so Hempfling, die Rinde zu entfernen, wenn die Käferlarven gerade schlüpfen. Sie vertragen kein UV-Licht und können von natürlichen Fressfeinden gefressen werden. Gut wäre auch, sagt Reinhold, wenn im Winter über einen längeren Zeitraum minus 20 Grad Celsius herrschen würden. Auch feuchte Witterung im Frühjahr wäre ideal, um die Bäume widerstandsfähiger zu machen und die Käfer in ihrer Entwicklung zu behindern. Was jeder Einzelne tun kann? "Die Absperrung akzeptieren, wenn Waldarbeiten im Gange sind. Ich weiß, dass es eine Einschränkung der Naherholung ist, aber die Schadensbekämpfung hat jetzt Vorrang", sagt Böhnstedt.

Im Frühjahr soll dann auf den Schadflächen Weißtanne, Bergahorn und Rotbuche wieder aufgeforstet werden.

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