40 Tonnen Schutt unterm Bürgermeister

Als die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Oederan im November 2015 aus dem Rathaus auszogen, sollten sie planmäßig drei Jahre später in sanierte Räume zurückkehren. Ein Blick hinter die Mauern zeigt nun: Es ist wohl besser, dass der Umbau deutlich länger dauert.

Oederan.

Uwe Kretzer hat in seiner beruflichen Laufbahn die Sanierung etlicher alter Gebäude geplant und begleitet. Doch was der Architekt derzeit im Oederaner Rathaus erlebt, ist auch für ihn neu. "In dieser Fülle und Vielseitigkeit haben wir solche Probleme noch nie gehabt", sagt Kretzer. Denn nachdem die Mitarbeiter der Stadtverwaltung im November 2015 in das Ausweichquartier an der Gerichtsstraße gezogen waren, tauchte ein Hindernis nach dem anderen auf.

So wurde an den Wänden unter anderem Schweinfurter Grün gefunden - eine arsenhaltige Farbe, die nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen beseitigt werden konnte. Verzug: mehr als ein halbes Jahr. Noch gravierender war allerdings, was die Bauarbeiter unter den Dielen der altehrwürdigen Räume fanden. "Dort war im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Bauschutt aufgefüllt worden", erklärt Kretzer. "Allein im Bürgermeisterzimmer haben wir aus 60 Quadratmetern Bodenfläche 40 Tonnen Schutt geholt. Wenn man sich dazu die etwas abenteuerliche Balkenkonstruktion im Raum darunter anschaut, ist es fast ein Wunder, dass der Boden nicht eingestürzt ist."

Die Beseitigung des Schutts und immer wieder neue Prüfungen durch verschiedene Statiker brachten erneut viele Monate Verzug. Nun aber scheint es endlich mit dem eigentlichen Vorhaben loszugehen: In seiner Sitzung am heutigen Dienstag will der Stadtrat die ersten Bauleistungen vergeben. Darunter sind Trockenbau-, Tischler- und Stahlbauarbeiten. "Es gab wider Erwarten zahlreiche Firmen, die sich auf die Ausschreibungen hin gemeldet haben", sagt Planer Uwe Kretzer. "Wir sind also optimistisch, dass im November Baustart sein kann."

Auch wenn sich Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) - das ist der, der bis zum Jahr 2015 quasi täglich in lebensbedrohlicher Umgebung gearbeitet hat - ein schnelleres Ende wünscht, schätzt Kretzer die Bauzeit bis zur endgültigen Fertigstellung auf zweieinhalb Jahre ein. Damit hätte die Sanierung des Rathauses mehr als doppelt so lang gedauert, wie geplant. Ursprünglich sollte die Verwaltung nämlich schon Ende 2018 wieder in ihr eigentliches Domizil zurückkehren.

Und auch die Kosten für die Sanierung des Rathauses, das vermutlich um 1400 erbaut und 1575 neu errichtet wurde, sind durch die vielen Probleme gestiegen. Statt der einstmals geplanten 3,8 Millionen Euro sind es jetzt schon über 5 Millionen. Dazu kommt noch die Miete für das Ausweichquartier.

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