400 Radfahrer und ihr gemeinsames Ziel

Eine riesige Schlange von Freiberg fast bis Hilbersdorf bildeten all jene, die sich am Samstag für einen Radweg zwischen den Orten einsetzten.

Hilbersdorf.

Engagiertes Strampeln für sicheren Pedaltritt: Unter der Devise stand am Sonnabend die Rad-Demo in Hilbersdorf. Reichlich 400 Teilnehmer folgten dem Aufruf einer von einheimischen Radlern initiierten Kundgebung entlang der Staatsstraße 190. Die Aktion sollte der Forderung nach Bau eines Radwegs zwischen Freiberg und Hilbersdorf Nachdruck verleihen.

André Melzer und Heiko Dreyer zählten mit einem eingespielten Team zu den Organisatoren der auf große Resonanz gestoßenen Begegnung. Vertreter aller Generationen vereinte ein Gedanke: Die Sicherheit der Radfahrer muss schnell verbessert werden, die Nutzung der viel befahrenen Straße ist lebensgefährlich. "Für das seit Jahren andauernde Hickhack um Planungsstand und Verantwortlichkeiten haben wir kein Verständnis. Das von Behörden und Politik gepflegte Argument, wir müssen auf die avisierte Ortsumgehung Freiberg warten, nehmen die Bürger nicht länger hin, zumal die Bauunterlagen vorliegen", beschrieb André Melzer die Stimmungslage.

Mit Grummeln im Bauch zum Treffpunkt an der Muldentalbrücke angeradelt, dürfte mancher der Teilnehmer dennoch ermutigt den Heimweg angetreten haben. Denn die streitbare, aber sachliche Aussprache mit Vertretern der Kommunen - Vertreter des Freistaates bzw. Landkreises waren nicht erschienen - lässt hoffen: Sowohl Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger als auch sein Hilbersdorfer Kollege Volker Haupt wollen sich für das Begehren einsetzen. Der Hilbersdorfer machte auf den Knackpunkt aufmerksam: "Die Staatsstraße liegt in Verantwortung des Freistaates und seines Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Und das favorisiert die Umgehungsstraße." Dennoch: Gemeinsam wollen die Chefs der Kommunen das Projekt angehen. "Das haben wir schon einmal als Hilbersdorf allein versucht, wurden aber vom sächsischen Landesrechnungshof gerügt, weil dies nicht in unsere Kompetenz falle", sagte Haupt. Auch in Freiberg ist der Radweg Thema: Das Projekt zählt im Bürgerhaushalt zu dem Vorschlag mit der größten Zustimmung.

Zur Verbandsversammlung des Zweckverbandes Gewerbe- und Industrie Freiberg Ost, der als Träger für die beteiligten Kommunen dienen könnte, soll das Thema im Oktober auf die Tagesordnung kommen. "Wir werden prüfen, eigenes Geld in die Hand zu nehmen und den Radweg zu bauen", skizzierte Sven Krüger den Lösungsansatz. Und dies selbst mit dem Wissen, dass dieser bei Zustandekommen der Umgehungsstraße wieder zurückgebaut werden müsse. "Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist angesichts des Planungstandes mit einem Bau der Umgehung nicht vor sechs Jahren zu rechnen." Der Freiberger rechnete vor, dass 2020 die Runde aus erfreulichem Grund wieder zusammenkommen könne.

Auch CDU-Landtagsabgeordneter Steve Ittershagen will sich engagieren. Konkretes Angebot: Mit den Organisatoren der Demo will er ins sächsische Wirtschaftsministerium fahren, um bei Entscheidungsträgern positive Stimmung zu machen. Die dürften dann auch die Unterschriftenliste ihrer noch bis 10. September geschalteten Online-Petition im Gepäck haben. "Bislang haben sich über 1000 Unterzeichner unserer Forderung angeschlossen", freut sich Initiator Heiko Dreyer auch über diese Resonanz.

www.openpetition.de/!radweg


"Es ist wichtig, dass sich etwas ändert."

Anton Feldmann, 8 Jahre, Hilbersdorf:

Fahrradfahren zählt zu meinen liebsten Hobbys. Ich bin gern unterwegs. Mit meinen Eltern fahren wir oft gemeinsam, auch in anderen Regionen, sogar in Städten wie Berlin. Aber diese Straße hier nach Freiberg ist nicht für den Freizeitspaß geeignet. Der Abschnitt ist viel zu gefährlich, und deshalb wünsche ich mir einen sicheren Radweg. Ich will nämlich zukünftig auch nach Freiberg in die Schule fahren, da wäre ich nicht auf den Bus angewiesen. Immer nur innerhalb des Ortes zu fahren, das macht nicht so viel Laune. Deshalb habe ich auch ein Plakat gebastelt. Heute bin ich mit meinen Eltern hier bei der Demo dabei.

Melanie Riedel, 34 Jahre, Hilbersdorf: Seit Jahren wird um den Radwegbau gerungen, doch nichts tut sich, Wir werden mit Ausreden vertröstet. Diese Initiative nimmt sich des Projektes für uns Radfahrer an. Es ist wichtig, dass sich etwas ändert. Aus eigenem Erleben weiß ich, dass die Strecke gefährlich ist. Besonders die letzte Kurve in Talrichtung wird zur Gefahrenstelle. Da wird man von Pkw-Lenkern rasant überholt, ein Wunder, dass noch keiner umgefahren worden ist. Kindern ist die Straße nicht zuzumuten. Dabei würde so mancher gern die Verbindung nutzen wollen. Auch ich bin als Oberschülerin hier entlang mit dem Rad nach Freiberg ins Gymnasium gefahren.

Klaus Kleditzsch, 72 Jahre, Hilbersdorf: Als Kind bin ich mit dem Fahrrad bis nach Freiberg ins Musikgeschäft gefahren, um Noten für mein Flötenspiel zu kaufen. Einfach mal eben so. Doch dass war in den 1950er Jahren, heute würde ich das nicht mehr wagen. Genauso wenig die Nach-Hause-Fahrt mit dem Fahrrad nach einem Veranstaltungsbesuch im Tivoli. Das Verkehrsaufkommen ist ein ganz anderes geworden. Und doch begeistert Radfahren so viele Menschen. Also muss etwas für sie getan werden. Für das langwierige Prozedere habe ich wenig Verständnis.

Sicherheit geht doch vor, warum

also auf eine Umgehungsstraße warten? (hy)

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