50 Jahre Reitverein: Da ist viel passiert

1969 gegründet, haben sich die Zeiten für die Niederschönaer Reiter gewandelt. Aber das Hobby lebt in der jungen Generation fort.

Niederschöna.

Für eine Familie aus dem Halsbrücker Ortsteil Niederschöna ist Reiten mehr als ein Hobby: "Es steckt mir in Fleisch und Blut", sagt Gerd Schmidt, Inhaber eines Geschäfts für Reitsportbedarf. Ohne den Reit- und Fahrverein Niederschöna, dessen Vorsitzender er seit etwa zehn Jahren ist, wäre es wohl nie so gekommen.

Inzwischen reitet er jeden Sonntag mit Tochter Paula aus - "zur Erholung und zum Fitbleiben", sagt der 63-Jährige. Auch Paula findet das Reiten entspannend. Damit ist es jedoch nicht getan: Etwa 15 Stunden pro Woche widmet sie ihren Pferden. Täglich eine Stunde braucht sie allein, um auszumisten, einzustreuen und zu füttern, berichtet sie. Mit 16 Jahren gehört die Schülerin zum Nachwuchs im Reit- und Fahrverein, der jährlich im Mai einen Vereinstag veranstaltet. Dieses Jahr will der Verein ihn größer feiern, denn das 50-jährige Gründungsjubiläum steht an.


Wie es dazu gekommen ist, dass die Einwohner mit Reitsport begonnen haben, als die meisten Höfe nur Arbeitspferde hatten, haben die Mitglieder Manfred Kraft, Mathias Heinrich und Gerd Schmidt nun zu ergründen versucht. "Es gibt keinen mehr, der dabei war", sagt Vereinschef Schmidt. Seine Nachforschungen haben ergeben, dass die LPG 1969 die ersten Reitpferde angeschafft hat - zwei Fohlen und zwei Stuten. Wenig später muss der Verein gegründet worden sein, dem er als Kind und Manfred Kraft als junger Mann 1970 beigetreten sind, Landwirt Mathias Heinrich kam fünf Jahre später hinzu.

"Die Pferde standen im Erbgerichtshof an der B173", erinnert sich Kraft, "Erst provisorisch, dann haben wir Stände hergerichtet." Der Fahrsport sei später dazugekommen, da die Fohlen noch nicht so weit waren. Kraft gehörte zu denen, die selbst bei einem Lehrgang das Reiten lernten und dann den Kindern näherbrachten. "Wir haben auf der Koppel die Grundbegriffe gelernt. Das Reiten ohne Bügel habe ich gehasst", erinnert sich Schmidt. Bei den Älteren sei es nicht viel anders gewesen: "Ich konnte es vorher auch nicht, saß nur öfter mal auf dem Arbeitspferd", so Kraft, "Später sind wir auch mal ins Gelände." Dabei galt für die Jüngeren: "hinterherreiten und sitzen lernen", so Heinrich.

Für Kraft war die Episode Reitsport nicht von langer Dauer, die Bereitschaftsdienste als Elektriker machten es unmöglich. Schmidt und Heinrich können seither nicht mehr ohne Pferde. Sie waren auch dabei, als der Verein statt des schrägen Reitplatzes an der Bundesstraße einen neuen im Oberdorf von Niederschöna bekam. "Wir Jungen hatten auch Ambitionen zu Wettkämpfen", erzählt Schmidt. Das bedeutete allerdings, zu Fuß zum Austragungsort zu gelangen und unterwegs in Scheunen zu campieren. Eine schöne Zeit", sagt er.

Heute zählt der Verein 24 Mitglieder, die fast 30 Pferde besitzen, sowie viele Unterstützer. "Das Problem ist, dass wir keinen eigenen Stall mehr bewirtschaften können", berichtet Schmidt. Bis 1990 habe die LPG die Kosten getragen, der neue Stall an der Dorfstraße hatte Duschen und Spinde, 16 Pferdeboxen und eine Futterkammer. "Vieles davon ist in Eigenleistung entstanden", so Heinrich. 2002 musste der Verein den Stall aufgeben, die Pferde stehen seither privat, aber den Reitplatz haben sie erhalten. Auch das Interesse der Kinder, reiten zu lernen, sei immer noch da - und größer, als sie es abdecken könnten. Nur eine Reitlehrerin gehört zum Verein. Unter anderem die nötige und teure Haftpflichtversicherung nennt Schmidt als Hinderungsgrund.

Jens Lori hielt das Gespräch für den Dorf- und Heimatverein am Tharandter Wald mit der Kamera fest. Seit dem Heimatfest 2012 zeichnet der Hetzdorfer regelmäßig Interviews zur Ortsgeschichte auf. Einen Ausschnitt soll es bei der Jubiläumsfeier zu sehen geben: Geplant ist eine Feier auch für ehemalige Mitglieder am Abend des 30. Aprils sowie ein Vereinsfest mit Schauvorführungen am 1. Mai auf dem Reitplatz an der Oberen Dorfstraße. Auch ein Wettkampf im Tauziehen und Basteln für die Kinder ist geplant. Eintritt wird nicht verlangt, alle arbeiten ehrenamtlich mit. "Wir wollen auch was für den Ort tun", sagt Gerd Schmidt.

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