76 Jahre Bombardierung: Gedenken und Demos

Freibergs Oberbürgermeister gedachte der Opfer der Bombardierung der Stadt vor 76 Jahren. Am Abend zogen die NPD und eine Gegendemonstration auf.

Freiberg.

Etwa 35 Freiberger haben sich am gestrigen Mittwoch gemeinsam mit Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) zur Gedenkstunde und anschließender Kranzniederlegung in der Jakobikirche versammelt. Anlass war der 76. Jahrestag des Bombenangriffs auf die Stadt. 12.40 Uhr - zur genauen Zeit der Bombardierung am 7. Oktober 1944, die 172 Menschen das Leben und über 1500 Freibergern das Obdach kostete - eröffnete das Orgelspiel die Veranstaltung in der Jakobikirche.

Anschließend sprachen Dompfarrer Urs Ebenauer, Oberbürgermeister Krüger und Rainer Frommann, der den Bombenangriff im Alter von sieben Jahren miterlebt hat. Sie riefen die Zerstörung und das menschgemachte Leid des Zweiten Weltkrieges ins Gedächtnis und spannten den Bogen zur Gegenwart und aktuellen Kriegen: "Es ist uns eine Mahnung, menschenverachtende Ideologien nie wieder an die Macht zu lassen", so Ebenauer. Es folgte ein Gedenkzug zum Gedenkstein der Opfer des Bombenabwurfs auf dem Donatsfriedhof, wo Oberbürgermeister Krüger einen Kranz niederlegte und eine Kerze anzündete. Neben dem Gedenkstein bildeten mehrere Kerzen den Schriftzug "Nie wieder!" Auch die Freiberger Bezirksgruppe der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, der Ortsverband der NPD und einige weitere Teilnehmer der Veranstaltung legten Blumen am Gedenkstein nieder.

Sechs Schüler der achten Klasse der Oberschule "Clara Zetkin" trugen das selbst gewählte Gedicht "Angst - Macht - Krieg" von Tamara Wittich vor und legten Rosen nieder. Die Achtklässler hatten sich zuvor am Dienstag mit Rainer Frommann unterhalten. Der Zeitzeuge hatte den Schülern Fragen beantwortet und von der damaligen Zerstörung berichtet. Er war früher selbst Schüler in dem Gebäude gewesen. Mittlerweile lebt er in Brandenburg, kommt aber regelmäßig zurück nach Freiberg.

Abschluss fand die Gedenkveranstaltung mit den Worten des Oberbürgermeisters: "Lasst uns dafür sorgen, dass die Menschen, derer wir heute gedenken, nicht umsonst gestorben sind."

Am Abend hatten sich knapp 20 NPD-Anhänger vor dem Ostflügel des Freiberger Bahnhofs zu einer Mahnwache für "die Opfer des alliierten Bombenterrors" versammelt. Ihnen standen an der Einmündung der Bahnhofstraße etwa doppelt so viele Freiberger gegenüber, die eine Spontankundgebung angemeldet hatten, um "aller Opfer des Nationalsozialismus" zu gedenken. "Wenn Rechte versuchen, die Geschichte umzuschreiben, ist es wichtig, dies nicht unwidersprochen zu lassen. Deshalb ist es wichtig, sich auch heute die Zeit zu nehmen und Präsenz zu zeigen", hatte Grünen-Stadtrat Johannes Brink zuvor via Facebook erklärt. Der Vizechef der Freiberger SPD, Alexander Geißler, schrieb: "Nationalismus, Hass, Antisemitismus und Diskriminierung jeder Art führen in die Sackgasse. Treten wir dem bestimmt entgegen." Zu den Unterstützern vor Ort gehörten auch die Stadträtinnen Jana Pinka (Linke) und Elke Koch (Grüne). Die Polizei war mit einem starken Aufgebot präsent.

11 Kommentare

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    Juri
    08.10.2020

    Richtig Johannes Brink! ....."Deshalb ist es wichtig, sich auch heute die Zeit zu nehmen und Präsenz zu zeigen"....

    Schade immer wieder, dass viele Menschen Nationalismus, Hass, Antisemitismus und Diskriminierung ablehnen, aber stets zum offenen Bekenntnis zum rechten Moment " keine Zeit" haben.