9. Freiberger Fahrrad-Zickzack: Kampf dem Schweinehund

So sportlich ist Freiberg: Knapp 170 Radfahrer haben am Samstag die ganze Stadt vermessen, zahlreiche Berge bezwungen, Dosen geworfen und wertvolle Pneuros gesammelt.

Freiberg.

Wenn die Oberschenkel brennen, könnte man glauben, der innere Schweinehund höchstpersönlich beißt in die Muskeln. Von Bisswunden ist den Organisatoren des 9. Freiberger Fahrrad-Zickzacks allerdings nichts bekannt. Von inneren Schweinehunden steht auch nichts im Protokoll. Dabei hatte sicher jeder der 168 Teilnehmer einen dabei und diesen nach drei Stunden Radrennen erfolgreich bezwungen.

84 Männer und 24 Frauen gingen am Samstag einzeln an den Start; dazu 20 Teams á drei Teilnehmer. Als der Startschuss am Schloßplatz fiel, staunten Touristen und Stadtbummler nicht schlecht. Vom Ehrgeiz gepackt, schwärmten die Starter zu den Stationen aus, die sie zuvor gewürfelt hatten. "Alles lief glatt, es gab keine Unfälle, nicht einer rief mich an, weil es ein Problem gab", sagte Cheforganisator Robert Liebscher vom inpulz-Stadtmagazin, welches das Zickzack gemeinsam mit "Freie Presse" ausrichtete.

An den zwölf Stationen ließen sich die Fahrer ihre Hefte stempeln und schwangen sich wieder in den Sattel - 168 Fahrer, 168 höchst individuelle, vom Würfelglück bestimmte Routen zickzack durch die Bergstadt. Eine Grafik würde ein dichtes, buntes Knäuel darstellen. In Wirklichkeit hat sich das Starterfeld über ganz Freiberg gut verteilt. Stau - und grimmige Gesichter - gab es nur zu Beginn an Station 1, Leipziger Straße: Beim Slalom auf dem Fahrrad mit Wasserbecher in der Hand mussten manche 20 Minuten anstehen. Derweil hatten andere schon wertvolle Pneuros gesammelt. Liebscher: "Das hatten wir unterschätzt. Dort bauen wir im nächsten Jahr zwei oder drei Parcours auf", sagt er. Für technische Defekte stand Rico Stenzel vom Sportrad Freiberg bereit: Vier Platten, eine Kette, einen Schaltbautenzug hat er repariert.

Liebscher zeigte sich zufrieden: "Alle hatten Spaß, ich habe nur positives Feedback bekommen, Sponsoren und Standbetreuer haben schon fürs nächste Jahr zugesagt." Bei den Fahrern seien die neuen Stationen inklusive neuer Erlebnisse wie Entenangeln oder Parcours gut angekommen. Auch dass die Sieger gleich nach Wettkampfende geehrt wurden, fanden viele gut. "Alle Fahrer haben es rechtzeitig ins Ziel geschafft und nur eine Handvoll wurde verwarnt", so Liebscher. Ein Team ist disqualifiziert worden, weil ein Mitstreiter die zuletzt gewürfelte Station nicht mehr angefahren ist.

Der Termin für 2019 steht schon: Den 25. August können sich alle Radbegeisterten im Kalender notieren. Der Schweinehund bleibt dann am besten gleich zu Hause.


Redakteurin fährt mit: Worauf hab ich mich nur eingelassen?

Als ich das erste Mal die Pflasterstraße zur Reichen Zeche bezwungen habe, kam ich schon ins Grübeln, was ich hier eigentlich tue. Dass ich mich dann noch dreimal dort hoch kämpfe, wusste ich zum Glück noch nicht. Im Freiberger Berufsverkehr ist mein Fahrrad meine Wunderwaffe. Schneller kann ich von Termin zu Termin durch die Innenstadt und vorbei an zahlreichen Baustellen kaum kommen. Trotzdem: Ich bin ein Normalo-Fahrradfahrer wie Tausende andere auch. Zickzack-Taktik: Bauchgefühl.

Mit 360 Punkten bin ich auf Platz 17 gelandet. 41 Kilometer bin ich gefahren. Mein Würfel-"Glück" hat mich stets großräumig um die lukrativen Altstadt-Stationen herumgeführt. 17.36 Uhr entschied ich mich an der Reichen Zeche gegen ein letztes Würfeln. Mein Fazit: Die bislang anstrengendste, aber schönste Dienstreise. Die Mischung aus Leistung, Spieltrieb, Ortskenntnis, Zufall und Geschicklichkeit macht jedes Rennen einzigartig. Vielleicht habe ich 2019 mehr Glück und weniger rote Ampeln. (cor)


So haben es die Gewinner zum Sieg geschafft

Fred Zimmermann, 36, aus Freiberg hat das Rennen mit780 Punkten gewonnen. "Ich war so überrascht, dass ich dreimal nachgefragt habe", sagt er. Er war das erste Mal dabei, habe sich spontan entschieden, mitzufahren - ohne Vorbereitung, ohne Fahrradcomputer oder Tracking-App. Seinen Sieg begründet der Leichtathlet mit Würfelglück, "an die Reiche Zeche musste ich gar nicht", und Wurfglück: "Ich war fünfmal am Schloßplatz und habe beim Dosenwerfen gut abgeräumt", so Zimmermann. 51,5 Kilometer, so rechnete er im Nachhinein aus, ist er gefahren.

Helen Scholz, 23, aus Freiberg hat mit 560 Punkten unter den Frauen das Rennen gemacht. "Ich denke, beim Würfeln war ich nicht ganz unglücklich, am Ende war ich viel in der Innenstadt unterwegs. Und ich bin ein gutes, konstantes Tempo gefahren", sagt sie, die oft nur im Auto unterwegs und eigentlich nur einer Freundin zuliebe mitgefahren sei. 18 Stationen ist sie angefahren, ihren Kilometerstand kenne sie leider nicht.

Im Teamwettkampf haben die Windschattenfreunde aus Freiberg mit 1920 Punkten gewonnen.

Bergkönig ist der Freiberger Torsten Axt; fünfmal ist er zur Reichen Zeche gefahren.Pausenköniginist Stefanie Oertel; fünfmal musste sie in der Ruhezone an der SWG ausharren und ohne Pneuros weiterradeln.

Alle weiteren Ergebnisse finden Sie im Internet unter www.freiepresse.de/fahrradzickzack

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