Älteren Menschen die Seele ein bisschen streicheln

Rolf Ketzel ist selbst im Ruhestand. Vier Tage in der Woche kümmert er sich im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt um Senioren. Dafür erhielt er jetzt eine Ehrenurkunde.

Freiberg.

Es gibt sie noch: Menschen, die sich für andere engagieren ohne nachzufragen, was bekomme ich dafür, wer dankt mir das. Die andere von etwas begeistern wollen, was sie selbst begeistert, die bescheiden im Hintergrund bleiben. Im Freistaat engagieren sich 40 Prozent aller Sachsen über 14 Jahren ehrenamtlich. Einer davon ist der Freiberger Rolf Ketzel. "Mit ihrem Engagement sorgen sie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sachsen", sagt Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU). "Die Ehrenamtler stellen oftmals die Hilfe anderer über ihre eigenen Interessen und widmen der guten Sache sehr viel Zeit Aufwand und Kraft. Viele von ihnen wirken zumeist im Stillen."

Rolf Ketzel besucht seit zehn Jahren im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Menschen, die allein in den altersgerechten Wohnblöcken Forstweg 65 und 67 wohnen. "Wir sind derzeit zwei Leute, die das machen", erzählt der 72-Jährige. Anderen ein bisschen die Seele streicheln nennt er das. 30 bis 35 Frauen und Männer sucht er monatlich in ihrer Wohnung auf und nimmt sich Zeit für sie. Meist nehmen die Besuche eine Stunde in Anspruch, doch manchmal wird es auch mehr, wenn er merkt, das ist notwendig. "Ich komme aus einer großen Familie und habe mit meiner Frau über drei Jahre die Schwiegermutter gepflegt", berichtet er. "Dadurch fällt es mir nicht schwer, mich auf andere einzulassen." Diejenigen, bei denen er meist zweimal monatlich klingelt, kennen ihn schon und freuen sich, wenn er kommt. Ihre Kinder sind oft nicht vor Ort oder haben wegen der Arbeit wenig Zeit. Diese Lücke füllt Rolf Ketzel ein wenig aus. Von Montag bis Donnerstag ist der Freiberger in dieser Mission von 9 bis 12 Uhr unterwegs. Die Gespräche mit den Menschen stehen an erster Stelle, doch im Notfall bringt er auch mal eine Tüte Brötchen mit, wechselt eine Glühbirne aus, bestellt ein Taxi oder ruft beim Arzt an.

Zwischen 62 und 99 Jahren sind die Leute, die er betreut. Er kennt ihre Gepflogenheiten und weiß genau, bei wem er schon beizeiten geöffnet bekommt und wer ihn lieber erst kurz vorm Mittag sehen möchte. Auch auf die Kontaktadressen von Angehörigen kann der studierte Verfahrenstechniker im Notfall zurückgreifen und er weiß, mit ihm spricht mancher lieber über kleine Wehwehchen als mit den Kindern, die sich dann gleich mehr Sorgen als nötig machen. Daneben hilft Rolf Ketzel auch bei der Vorbereitung von Festen und Feiern in den Gemeinschaftsräumen der altersgerechten Wohnblöcke sowie in der Sozialstation der Awo mit.

Doch Rolf Ketzels Ehrenamt zieht noch weitere Kreise. Seit 25Jahren ist er Schatzmeister im Freiberger Regionalverband der Gartenfreunde. Auch in seiner Gartenanlage am Häuersteig kümmert er sich mit Unterbrechungen seit 1979 um die Finanzen. Er arbeitete unter anderem am Institut für Bergbausicherheit und bei der Stadt. Bei letzterer sei er zu DDR-Zeiten auch für die Organisation des ersten großen Weihnachtsmarktes mit Buden und Pyramide zuständig gewesen.

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