Agrargenossenschaft macht die Türen auf

Beim 7. Frühlingsmarkt des Clausnitzer Unternehmens war ein Blick hinter die Kulissen ausdrücklich erwünscht. Aus gutem Grund.

Clausnitz.

Volksfeststimmung herrschte am Wochenende beim 7.Frühlingsmarkt der Agrargenossenschaft Clausnitz rund um und in der einstigen Kartoffelsortierhalle. Neben kulturellen und kulinarischen Angeboten rückten die Gastgeber ihre Erzeugnispalette heimischer Produkte in den Blickpunkt. Hausgemachte Wurst und Fleisch, aber auch Käse und Milchprodukte sowie Obst und Gemüse waren gefragt. Weitere 14Händler offerierten ihre Produkte wie Crepes und Lan-gos, Mandeln, Honig und Wein. Auch Pflanzen, Korbwaren, Holzerzeugnisse und Hausschuhe wurden geboten.

Beim Auftritt des Karnevalsvereins Neuhausen wackelten die Wände der Betriebseinrichtung. Nach schrittweisem Umbau dient der Funktionsbau nun als Festhalle. Und so nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, bei einem Bauernimbiss einen Schwatz zu führen.


In einem weiteren Gebäudeabschnitt haben die Gastgeber eine kleine Ausstellung eingerichtet. In der sind Arbeitsgeräte der Bauern aus zurückliegenden Jahrzehnten zu sehen, ebenso Schautafeln mit Zeitdokumenten. Diese berichten vom Werdegang des einst zu LPG-Zeiten gegründeten Landwirtschaftsunternehmens.

"50 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot", gab Vorstandsmitglied Kerstin Pahlke Einblick. Das Unternehmen sei breit aufgestellt. Hobbyköche bis nach Freiberg und Dresden wüssten die Knollen aus hiesigem Anbau zu schätzen. Melody, Milva und Princess blieben für die Erzgebirger die Favoriten bei mehlig, aber auch festkochenden Kartoffelsorten. Einen Großteil der Produktionsmenge liefern die Clausnitzer auch an eine deutschlandweit agierende Supermarktkette. "Die Direktvermarktung ist ein wichtiger Aspekt. So wird unsere naturbelassene, pasteurisierte Milch sehr geschätzt", sagt Kerstin Pahlke. Kunden könnten sie im Hofladen erwerben. "Die Milch schmeckt genauso jungen Leuten in 22 Einrichtungen in Sachsen, die wir beliefern. Dazu zählen die Kita in Oberschöna und die Oberschule in Rechenberg-Bienenmühle", so Pahlke. 670 Kühe liefern derzeit regelmäßig Nachschub. "Das sind pro Tag circa 20.000 Liter Milch", so die Expertin. Sie verweist auf ein weiteres Markenzeichen ihres Betriebes: Gesundheit in Flaschen. Das sind heimische, kalt gepresste Öle. "Etwa 5000 Liter produzieren wir in unserer eigenen Ölmühle, beliebt sind Hanföl oder auch jenes aus Raps oder Senf", sagt Pahlke. In dem auf nachhaltiges Umweltmanagement setzenden Landwirtschaftsbetrieb werden auch die Traktoren mit Öl angetrieben. "Die haben den Raps im Tank", erklärt Pahlke.

Längst fühlen sich die hiesigen Bauern einer naturverträglichen Produktion verpflichtet. "Dazu zählt die Nutzung verschiedener Energiesysteme", erklärte Vorstandsmitglied Lothar Eckhardt. Mittels der drei Biogas-Anlagen, dreier Windkraftanlagen und von Photovoltaik-Systemen kann die Agrargenossenschaft autark vom öffentlichen Stromnetz agieren. Und das nicht nur, wenn die Sonne scheint. "Diese Aktionstage organisieren wir vor allem mit der Intention, den Einheimischen unseren Betrieb vorzustellen und ihnen zu zeigen, wie wir was produzieren", so Eckhardt. Mehr denn je wolle der Kunde wissen, woher die Erzeugnisse kommen, wie sie gewachsen beziehungsweise herangezogen worden sind. "Wir leisten so unseren Beitrag, Vertrauen zu schaffen. Das sind für uns keine Worthülsen, wir machen die Türen auf." Dieser Gedanke fruchtete auch bei Regine und Bernd Vogel aus Weißenborn. "Wir sind hier bereits einkaufen gewesen, aber wir sind sehr positiv überrascht, was geboten wird, welche Anstrengungen unternommen werden, Qualität zu bieten", sagten die Gäste.

Mit seiner Modellkuh Anja gehörte Rico Baldauf zu den Akteuren, die den Besuchern aller Generationen erklärten, wie eigentlich so eine Milchgeberin funktioniert. An einem mit Wasser gefüllten Euter durften sich die Gäste einmal versuchen, acht Liter aus vier Zitzen zu melken. "Gerade junge Leute verlernen doch, wo Essen eigentlich herkommt. Für sie wächst alles im Supermarkt. Ich will sie für Tiere und Natur sensibilisieren helfen", sagte der landwirtschaftliche Ausbilder beim Christlichen Jugenddorfwerk in Annaberg-Buchholz.

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