Aktionstag: Rugby-Löwe hätte gern mehr Zeit für Gespräche

Der Vorsitzende des Vereins "Inklusion in Dresden" hat an der Brander Oberschule Station gemacht. Zeit, um Fragen zu beantworten, war knapp bemessen.

Brand-Erbisdorf.

Rugby spielen im Rollstuhl - das haben Zehntklässler des Brand-Erbisdorfer Cottagymnasiums in dieser Woche zumindest kennengelernt. Sie gehörten zu den rund 300 Schülern aus der Bergstadt sowie aus Niederbobritzsch, die zum Aktionstag "Gemeinsam leben in Mittelsachsen" gekommen sind. Der Landkreis richtete die Veranstaltung zum dritten Mal aus, und die Brander Oberschule war dieses Mal Gastgeber.

Die robusten Fahrzeuge werden von den Jungs sofort gekapert. Doch bevor sie anfangen können, durch die Gegend zu fahren und den Ball zu werfen, gibt es eine Einweisung durch Dirk Schmidt. Er ist Mitglied der Rugby-Löwen Leipzig, Vorsitzender des Vereins "Inklusion in Dresden" und selbst querschnittsgelähmt. Schnell ist klar, dass die Schüler gar nichts von den Rollstuhl-Rugby-Regeln wissen, es eher wie Basketball spielen wollen. Ein paar klare Ansagen von Schmidt, dann geht es los. Doch schnell ist wieder Schluss, denn die Lehrerinnen rufen bereits, der Bus wolle abfahren.


Das, so Dirk Schmidt, ist eines der Probleme dieses Aktionstages. "Wir haben zu wenig Zeit." Man komme mit den jungen Menschen einfach nicht ins Gespräch, "weil es immer gleich weiter gehen muss." Seine beiden Vereine machen häufiger Projekte an Schulen. "Da haben wir eine bis eineinhalb Stunden Zeit mit nur einer Klasse", erzählt der Sportler. "Es waren auch heute garantiert einige dabei, die viele Fragen gehabt hätten, aber die konnten nicht beantwortet werden." Insofern sei der Aktionstag sicherlich nicht falsch, aber eben nicht optimal gelaufen.

Bei den Rugby-Löwen sei es ab der diesjährigen Saison so, dass sogar Fußgänger, wie Schmidt sie nennt, mitmachen dürfen. "So leben wir den Inklusionsgedanken ganz praktisch", meint er. Das hätte er gerne auch den Schülern erzählt, oder welche Einschränkungen gegeben sein müssen, um als Rollstuhlfahrer mitzumachen, oder warum er als querschnittsgelähmter Mensch bei diesen hohen Temperaturen dennoch nie ins Schwitzen kommt. Bedauerlicherweise war dafür kaum Zeit. Lediglich am Anfang des Aktionstages, kurz nach der Eröffnung, habe sich das eine oder andere Gespräch ergeben. Später nicht mehr.

Die Jungs vom Cottagymnasium geben denn auch, gefragt nach ihren Eindrücken, ehrliche Antworten. "Der Aktionstag hat in erster Linie Spaß gemacht", meint Valentino. "Es war ganz cool." Dass sie irgendetwas mitnehmen, das zum Nachdenken anregt, sehen er und seine Klassenkameraden eher nicht. "Das Rugby war toll", ergänzt er. "Aber vielleicht vor allem deshalb, weil man weiß, man kann hinterher aus dem Rollstuhl wieder aufstehen." An einer Station kam eine sogenannte Rauschbrille zum Einsatz, mit welcher der Zustand des Betrunkenseins simuliert wird. Ein Junge fand das nicht besonders realistisch. Er gibt zu, schon einmal mit Alkohol in Verbindung gekommen zu sein. Das wäre irgendwie ganz anders gewesen. Dann müssen sie alle doch schnell zum Bus.

Derweil packt Werner Helfen von der Verkehrswacht sein Equipment zusammen. Er hatte einen Parcours aufgebaut, der mit einem Rollator bewältigt werden sollte. "Ich finde so einen Aktionstag grundsätzlich eine gute Sache", meint er. Dass so wenig Zeit sei, wäre nun mal leider nicht zu ändern.

Schade sei auch, so Nicole Schütze von der externen Koordinierungs- und Fachstelle des Landkreises, dass die Veranstaltung, eigentlich für alle Interessierten öffentlich, letztlich doch nur von Schülern besucht worden sei. "Aber es ist auch schwierig bei solchen Temperaturen", sagt sie. "Noch dazu musste alles unter der Woche zur allgemeinen Arbeitszeit stattfinden." Dennoch sei sie zufrieden mit dem Ablauf und freue sich schon darauf, wenn in zwei Jahren der vierte Aktionstag "Gemeinsam leben in Mittelsachsen" stattfindet.

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