"Alles was ihr sucht, findet ihr hier"

Konzepte für die Jugend: Denis Mußdorf koordiniert Berufs- und Studienorientierung

Freiberg.

Denis Mußdorf arbeitet seit kurzem in der Landkreisverwaltung Mittelsachsen, um die Berufs- und Studienorientierung noch besser zu koordinieren. Über seine Aufgaben, Ziele und Konzepte befragte Astrid Ring den 45-jährigen Diplom-Soziologen.

Freie Presse: Welche Aufgaben sind für junge Leute im Landkreis in der Berufs- und Studienorientierung am wichtigsten?

Denis Mußdorf: Das Thema Berufsorientierung ist im Landkreis in vielen Netzwerken und allen wichtigen Institutionen fest verankert. Wir benötigen allerdings ein den aktuellen Erfordernissen angepasstes Konzept, das die neuen Herausforderungen abbildet. Da wäre beispielsweise die sich wandelnde Funktion der Gymnasien. Sollten diese früher eher das Rüstzeug zum Studieren mitgeben, so entwickeln sie sich immer mehr zu einer Schulform auch für Auszubildende. Viele Fachkräfte werden aus der dualen Berufsausbildung heraus in Handwerk, Handel, Dienstleistungsgewerbe und Industrie benötigt. Für uns heißt das, die Gymnasien vermehrt in den Fokus zu nehmen. Die inhaltliche Bestimmung des Begriffs Berufs- und Studienorientierung wollen wir ersetzen durch Berufsorientierung als Oberbegriff, der wiederum einerseits in die Ausbildungsorientierung und andererseits in die Studienorientierung unterteilt ist.

Welche Netzwerke müssen intensiviert und in der Öffentlichkeit wahrnehmbarer werden?

Ich denke, in den Netzwerken, insbesondere in den Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft, wird der Fachkräfte-/Nachwuchsmangel intensiv thematisiert. Ich bin mir sicher, dass viele Ideen, dem entgegenzuwirken, vorhanden sind bzw. entstehen.

Was ist Ihre Funktion dabei?

Diese Ideen aufzunehmen und mit den Akteuren zu Maßnahmen weiterzuentwickeln. Es ist wichtig, diese Netzwerke wahrzunehmen, denn dort entstehen viele Projekte, die später auch im Landkreis umgesetzt werden, wie die Woche der offenen Unternehmen. Andererseits sind die Schulen gut eingebunden, aber die Elternvertretungen könnten - so mein erster Eindruck - noch stärker einbezogen werden. Überhaupt findet die Berufsorientierung bei Jugendlichen zumeist mit den Eltern statt. Sie sind oft die treibende Kraft, das Thema konsequent anzugehen.

Wie wollen Sie den direkten Kontakt zu jungen Leuten aufbauen, um ihnen in ihrer Heimat Perspektiven aufzeigen zu können?

Das ist eine der wichtigsten Aufgaben. Vor allem die Kommunikation zwischen Jugendlichen, deren Eltern und den Unternehmen wollen wir stärken. Es gibt für alle Schulabgänger sehr gute Perspektiven in Mittelsachsen. Die werden konkret, wenn Unternehmen Ausbildungs- und Arbeitsplätze anbieten.

Wo ist das der Fall?

Beispielsweise bei der Messe "Schule macht Betrieb" und der "Woche der offenen Unternehmen". Weitere Möglichkeiten sollten sich aus Ideen ergeben, die in den Arbeitskreisen entstehen und deren Umsetzung dort beginnt. Neben beruflicher Zukunft ist es wichtig, Lebensmodelle aufzuzeigen, die im Landkreis möglich sind. Bei "Komm' auf Tour" geschieht das schon. Die Botschaft ist, alles was ihr sucht, findet ihr hier. Warum also nicht bleiben.

Wo lässt es sich ansetzen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Vieles, was dazu im Landkreis passiert, wirkt ihm bereits entgegen. Aber die Großstadt zieht immer noch viele Jugendliche an, und ein Landkreis kann dem nur begrenzt entgegenwirken. Umso wichtiger sind die Jugendlichen, die heimatverbunden sind. Diese müssen wir vermehrt mit den Unternehmen zusammenbringen. Desto mehr bleiben, desto normaler wird das Bleiben auch für die Nachwachsenden.

Wo sehen Sie die größten Probleme dabei und wie können diese überwunden werden?

Eine Besonderheit ist sicher die Lage und Wirtschaftsstruktur des Landkreises zwischen Dresden, Leipzig und Chemnitz/Zwickau. Sie weisen Großbetriebe auf, die von Jugendlichen gesucht werden. Mittelsachsen ist von einem Branchenmix geprägt, der zwar fast die gesamte Palette an Ausbildungsmöglichkeiten abdeckt, vor allem aber mit Klein- und Mittelständlern. Durch gezieltes Kennenlernen kleinerer Unternehmen und deren Vorteile gegenüber Großbetrieben kann dem Wegzug entgegengewirkt werden.

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