Alpine Kochkunst in der Heimat

Dreht sich bei einem Kartoffelfest wirklich alles nur um die Knolle? "Freie Presse" hat versucht, den Gegenbeweis anzutreten. Und ist unter anderem bei einem Sachsen fündig geworden, der eigentlich in Österreich englisch kocht.

Memmendorf.

Bevor am Samstag die ersten Gäste auf das Gelände der Agrargenossenschaft Memmendorf strömten, um beim Kartoffelfest abgepackte Kartoffeln anzusacken oder einfach über das große Areal zu schlendern, hatte Alexander Heer (Foto rechts) schon eine Doppelschicht hinter sich. Auf seiner Liste der Zutaten waren viele Posten notiert - aber keine Kartoffeln.

Vielmehr standen dem österreichischen Staatsmeister von 2015 für die Herstellung seiner Pulled Beef Burger Fleisch vom Memmendorfer Weiderind sowie Burger-Brötchen vom Bäcker aus Falkenau zur Verfügung. Am Freitag hatte der 33-Jährige begonnen, das Rindfleisch zu marinieren und in einem Smoker rund 24 Stunden zu garen. Danach kam das Fleisch so butterzart daher, dass es nur noch gezogen (Pulled) werden musste, um es zu zerkleinern. Mit Krautsalat und Soße gingen die Burger über den Tisch. Dabei hatte der Koch, der im österreichischen Wolfurt bei Bregenz wohnt, keine Probleme, den mittelsächsischen Dialekt zu verstehen. "Ist kein Kunststück, denn ich stamme aus dem Oederaner Ortsteil Hartha", schmunzelte Heer. Während der Ausbildung absolvierte er in Österreich ein Praktikum. Die Alpenrepublik hatte es ihm dann so angetan, dass er nach der Lehre in einem Fünf-Sterne-Hotel in Zell am See anheuerte, später in der Schweiz in manch edlem Restaurant den Löffel schwang. Jetzt arbeitet Heer in Bregenz als Küchen-Chef. Er hatte schon 2017 Anlauf genommen, beim Kartoffelfest dabei zu sein, arbeiten doch seine Eltern in der Genossenschaft. Aber damals nahm Heer an der Grill-Weltmeisterschaft in Irland teil. Hunderte Besucher konnten sich am Samstag von seiner Kochkunst.


Technik statt Kartoffeln

Rene Fiedler vom Lippersdorfer Landtechnik-Betrieb Christian Fiedler war zwar mit einem Traktor angereist, wollte damit aber keine Kartoffeln abholen. Vielmehr präsentierte er das neuste Modell eines finnischen Herstellers, dass einen 4-Zylinder- Motor mit 110 PS Leistung unter der Haube hat. Zudem wurde das Zugpferd für kleine Rundfahrten eingesetzt, die bei Jung und Alt hoch im Kurs standen. "Wir stehen zwar mit der Agrargenossenschaft Memmendorf schon länger in wirtschaftlichen Beziehungen und haben unter anderem schon drei Traktoren geliefert. Doch beim Kartoffelfest machen wir auf diese Art und Weise zum ersten Mal mit", sagte Rene Fiedler. (kbe)


Honig statt Kartoffeln

Steffen Böhm aus Gelenau zählt zu den Händlern, die regelmäßig beim Memmendorfer Kartoffelfest ihren Stand aufbauen. Bei ihm gab es Honig und Honigerzeugnisse, aber auch Eierlikör zu kaufen. So konnten die Besucher zwischen Sonnenblumen- oder Robinienhonig wählen. "Wir wissen die Qualität seiner Erzeugnisse sehr zu schätzen. Deshalb kaufen wir jedes Jahr bei ihm hier ein", sagte ein Besucher. Insgesamt zückten zahlreiche Gäste ihre Geldbörsen, um ein oder mehrere Gläser der süßen gelben Köstlichkeit zu erwerben. Böhm befasst sich seit fast 30 Jahren mit der Imkerei, Aktuell besitzt der Experte rund 100 Bienenvölker, früher waren es jedoch deutlich mehr. (kbe)

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