Als der Postkutscher noch den Postkasten putzte

Das Gebäude auf einer alten Postkarte gibt den Freiberger Briefmarkenfreunden Rätsel auf. Wer weiß etwas darüber?

Freiberg.

In Sekundenschnelle erreicht eine E-Mail heute ihren Empfänger rund um den Erdball. Einst aber mussten Nachrichten, Briefe und Postkarten noch an der Poststation abgegeben werden. Eine andere Zeit, die die Freiberger Briefmarkenfreunde vor dem Vergessen bewahren wollen. Deshalb suchen sie nun nicht nur nach einem Haus.

"Wir beschäftigen uns seit mehr als 30 Jahren mit der Postgeschichte des Zustellbereiches des ehemaligen sogenannten Hauptpostamtes Freiberg am Platz der Oktoberopfer und des damaligen Altkreises Freiberg", erzählt Vereinsmitglied Hans Friebe. Dabei hat der Verein ein ehrgeiziges Ziel: "Wir erarbeiten eine Chronik über Posteinrichtungen im Altkreis Freiberg", bringt es Hans Friebe auf den Punkt.

Ganz gleich, ob Bilder und Namen der Poststellen, -hilfsstellen, -expeditionen, Posthaltereien, Briefsammelstellen, Postämter I. und II. Klasse, Bahnpostämter und deren Verwalter beziehungsweise Vorsteher sowie die Entwertungsstempel und Abbildungen der Postgebäude - die Briefmarkenfreunde tragen zusammen, was möglich ist. Wie Hans Friebe erzählt, wurden auch Gastwirtschaften, Kolonialwarenläden und sonstige Gewerberäume für postalische Angelegenheiten genutzt.

Auf der Suche nach möglichst vollständigem Material für diese Chronik stieß der Verein kürzlich im Internet auf eine dort angebotene Postkarte. "Sie wurde vom Freiberger Fotografen Arno Heinicke (1871-1945) herausgegeben", sagt Hans Friebe. Die Abbildung auf der Karte zeigt ein zu beiden Seiten und am Dach abgeschnittenes Gebäude mit einer Festgesellschaft davor. Der Kleidung nach handelt es sich laut Hans Friebe um eine Schulklasse mit Lehrern, etwa in der Zeit zwischen 1900 und 1918. Das Besondere für die Briefmarkenfreunde an dem Bild erläutert Friebe so: "Auf dem Schild links steht möglicherweise Barthels Radfahrer-Station und auf dem rechten Schild oben Posthilfsstelle mit dem Königlich-Sächsischen Postlogo." Auf dem Schild darunter sei - fast unleserlich - das Königliche Wappen sowie Sächsische/ Landeslotterie zu sehen. "Als Hausnummer könnte 13, 15 oder 17 zu lesen sein", sagt Hans Friebe.

Zwar ist die Karte im Netz demnach nicht mehr verfügbar - sie hat aber das Interesse des Vereins geweckt. Doch es ist den Philatelisten bisher nicht gelungen, herauszufinden, um welches Gebäude es sich auf der historischen Postkarte handelt - wo es stand, vielleicht sogar noch steht. Das müsse nicht in Freiberg sein. "Das Gebäude kann auch höher gewesen sein, denn der obere Rand des Bildes ist nicht gerade abgeschnitten", vermutet der Freiberger. Die Briefmarkenfreunde sind aber der Meinung, weil es von dem Freiberger Fotografen stammt, müsse es in der Stadt oder im Altkreis Freiberg aufgenommen sein. Auf der Suche nach dem Gebäude - das eben als einstige Posthilfsstelle wichtig für die Chronik sei - haben sich die Briefmarkenfreunde schon an verschiedene Historiker und auch Ortschronisten in der Umgebung gewandt. Bislang aber habe ihnen niemand einen Hinweis geben können. "Vieles ist eben noch unerforscht, deshalb wäre es schön, wenn wir Hilfe bekommen", hofft Hans Friebe nun erneut. Vielleicht kenne jemand das Gebäude und wende sich nun anhand der Veröffentlichung an den Verein.

Die Freiberger Briefmarkenfreunde publizieren seit etwa 30 Jahren zu post- und philateliegeschichtlichen Themen der Stadt. Es sind bisher zehn Broschüren und etliche Artikel dazu erschienen. Das Vereinsmitteilungsblatt "Der Briefmarkenfreund" erscheint seit 1992. Es bringt zu den genannten und aktuellen Themen Aufsätze. "Es gibt kaum noch zu bearbeitende wesentliche Themen. Offen sind eben noch die postalischen Einrichtungen in den Orten des Altkreises Freiberg und nach Möglichkeit die Abbildungen der entsprechenden Gebäude und technischen Einrichtungen", sagt Hans Friebe.

Freiberger Briefmarkenfreunde: Wer Hinweise zu dem Haus (Abbildung auf dem Foto) hat, kann sich an Hans Friebe in Freiberg, Ruf 03731 768338, Email friebe-freiberg@t-online.de, wenden.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.