Ampeltest: Nur mit flachen Schuhen ist es zu schaffen

Die Grünphase für Fußgänger dauert am Freiberger Bebelplatz nur neun Sekunden. Laut dem Landesamt ist aber keine Änderung in Sicht.

Freiberg.

Verflixte Situation an der Bebelkreuzung am Kaufland in Freiberg: Mit Stöckelschuhen kommt sie bei Grün nicht über die Kreuzung, nur mit flachen Schuhen klappt es. Das schildert eine junge Frau im Gespräch mit "Freie Presse".

Ein Test ergab: Die Grünphase ist nur neun Sekunden lang. Falls jemand nicht flott über die Straße gehen kann, schaltet die Ampel schon auf Rot um, wenn erst drei Viertel des Weges geschafft sind. Folge: Fahrzeuge, die von der Annaberger Straße nach rechts auf die B173 einbiegen wollen, drängeln oft schon - weil die Fußgänger ja Rot haben.

Franz Grossmann von der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) kennt das Problem. Er sagt: "Uns liegen dazu Anfragen von Bürgern vor." Das Lasuv stehe deshalb mit Kreisverkehrsbehörde und Stadt Freiberg in ständigem Kontakt.

Grossmann verweist auf die rechtlichen Hintergründe einer Ampel: Deren Steuerung erfolgt auf der Grundlage der Richtlinien für Lichtsignalanlagen. Demnach muss das gesamte Verkehrsaufkommen, also Kraftfahrzeuge, Radfahrer, Fußgänger und auch Sehbehinderte, berücksichtigt werden. Teils sei es nötig, die Grünphasen für Fußgänger zu begrenzen - wegen des motorisierten Verkehrs. Die Grünphase müsste so lang sein, dass bei einem Tempo von 1,2 Metern pro Sekunde mindestens die halbe Fahrbahnbreite gequert werden kann.

Laut Grossmann ist die Grünzeit "keine sicherheitsrelevante Größe", da sich daran eine Zwischenzeit anschließt, die auf die gesamte Fahrbahnbreite berechnet ist. Diese sei so bemessen, dass ein Fußgänger, der in der letzten "Grünsekunde" die Fahrbahn betritt, sicher die gesamte Fahrbahn queren kann.

Bei der Ampel am August-Bebel-Platz beträgt die Grünphase der Fußgänger neun Sekunden, bestätigt Grossmann das Ergebnis des "Freie Presse"-Tests. Wenn die Fußgänger Rot haben, vergingen noch elf Sekunden, bis der motorisierte Verkehr in der gleichen Richtung Grün hat. Eine prinzipielle Verlängerung der Grünzeiten ist nicht vorgesehen, unterstreicht der Lasuv-Mitarbeiter. Die Koordinierung der Ampel-Anlagen lasse derzeit keinen Spielraum für Änderungen zu. Allerdings würden die Grünphasen der Fußgänger schon jetzt verlängert, wenn es die Verkehrssituation erlaubt. "Alle Anlagen werden verkehrsabhängig gesteuert und passen sich in gewissen Grenzen dem Verkehrsaufkommen an", sagt Grossmann. Zugleich verweist er auf die Straßenverkehrsordnung, wonach Fahrer beim Abbiegen besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen müssen.

Die junge Frau gibt allerdings zu bedenken: "Für mich reicht die Grünphase gerade so aus. Aber Ältere setzt es extrem unter Druck."

Teil 2: Die Fußgängerampel am Tivoli

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Juri
    03.11.2019

    Also liebe Frau Schmidt, nun geben Sie einfach mal bissel Gas! Stöckelschuhe sind eh ungesund und wenn der Bürger in 9 Sekunden nur Dreiviertel der Fahrbahn geschafft hat, selber schuld. Die Fahrbahn gehört dem fließenden Verkehr und schließlich kennt Herr Grossmann das Problem aus den Richtlinien für Signalanlagen. Wo kommen wir denn hin, wenn wir noch die Grünzeit zur sicherheitsrelevanten Größe machen. Mit einem modernen Rollator, einem flotten Rollstuhl, mit flachen Schuhen, das haben Sie ja schon getestet und ein wenig gutem Willen muss das doch in 9 Sekunden zu schaffen sein!



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