An die Klitscher, fertig, los!

Der Deutsche Mühlentag ist in der Ölmühle Oberbobritzsch ein gesetzter Termin: Zahlreiche Besucher schauten sich an, wie Öl gepresst wird. Das Verkosten kam dabei nicht zu kurz.

Oberbobritzsch.

Wohl nur einmal im Jahr dürfte die Bobritzschtalstraße derart frequentiert sein wie am gestrigen Pfingstmontag. Unzählige Ausflugshungrige pilgerten zum Deutschen Mühlentag in die Ölmühle Willy Weises Erben in Oberbobritzsch, um sich in den historischen Gemäuern umzuschauen. Hoch in der Gunst aller Altersgruppen stand vor allem die mit Leinöl kredenzten Klitscher nach Art des Hauses. Ähnlich der eng gequetschten Ölsaat in den Silos drängelten sich die Besucher in der Schlange.

"Wir haben bislang alle Erlebnistage mitgestaltet, öffnen zu diesem Ereignis gern die Firmentore, um den Gästen einen Einblick zu geben, wie unser wertvolles Lebensmittel hergestellt wird", sagte Jens Hubricht, der das Familienunternehmen in fünfter Generation mit sechs Beschäftigten führt. "Der Namensgeber Willy Weise war mein Opa, der Betrieb wurde vordem 1854 mit dem Kauf des Objektes von Karl-Adolf Hubricht begründet", so der 50-Jährige. Gäste erfuhren zudem, dass das wertvolle Speiseöl nicht nur aus Leinsaat hergestellt wird. "Wir verarbeiten auch Raps, Sonnenblumenkerne, Sesam, Hanf und Schwarzkümmel", so Hubricht. Pro Jahr würden auf den Maschinen, die noch aus den 1950er Jahren stammen, allein von Leinsaat etwa 250 Tonnen verarbeitet. "Aus einer Tonne Naturmaterial gewinnen wir etwa 300 Liter Öl."


Hubricht nutzte die Gelegenheit, seinen Gästen zu zeigen, was vom Team seit drei Jahren an Umbau- und Modernisierungsarbeiten im Rahmen des EU-Leaderförderprogramm erfolgreich verwirklicht wurde. Stolz verweist er auf Sanierungsarbeiten an der Außenfassade, an Dach, Büro- und Lagerräumen. Mit der Erweiterung des Mühlenladens soll ein Beitrag zur Grundversorgung im Ort geleistet werden.

Die Besucher hatten sich aus allen Himmelsrichtungen aufgemacht. "Ich bin an diesem Aktionstag regelmäßig vor Ort, um mir eine Kostprobe des soeben gepressten Ausgangsproduktes nicht entgehen zu lassen. Für mich ein absolutes Leckerli", lobte der Einheimische Axel Nietzsche. "Jeden Tag nehme ich früh einen kleinen Schluck des Öles", verrät er. Auch Heidrun Bellmann aus Köthensdorf ließ es sich nicht nehmen, mit einem Löffel die soeben gelblich aus der Presse fließende Flüssigkeit zu checken: "Ja, wirklich sehr nussig, prima", so ihr Urteil. "Schon lange weiß ich um den Rat, Leinöl zu essen, auch weil ein medizinischer Effekt einhergeht, etwa für die Haut", sagt die rüstige Seniorin, die mit einer Truppe Gleichgesinnter auf Tour war.

"Wie alt und warum sind die Maschinen warm, wenn kaltgepresstes Öl hergestellt wird und wie funktioniert es überhaupt, dass aus Körnern Saft wird?" Dies waren die meistgestellten Fragen, die Hans-Martin Träger, früherer Mitarbeiter und zum Mühlentag als Erklärer wieder aktiviert, beantworten musste. Tim, Fin und andere Knirpse erfuhren, dass es für den Verarbeitungsprozess 40 Grad Wärme bedarf, um das Saatgut zu zerlegen. Die Arbeit übernehmen mächtige Walzen, die das Naturprodukt zerquetschen. "So betagt die Maschinen sind, sie laufen. Kleinere Reparaturen sind erforderlich, aber die kann man noch selbst ausführen, die Teile sind noch beherrschbar und nicht hochtechnisiert", so der Fachmann.

Während Jens Hubricht das Öl quetschte, hatte Ehefrau Michaela Hubricht mit dem Bewirtungsteam alle Hände voll zu tun. Sie verriet, "dass uns zur Geschäftsübernahme auch das Rezept für die Klitscher mitgegeben worden ist. Wir verwenden neben gekochten und rohen Kartoffeln auch Quark, Buttermilch, Zwiebel, und Kümmel."

Den Deutschen Mühlentag hat die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung zusammen mit ihren Landes- und Regionalverbänden 1994 ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit auf diese technischen Denkmäler zu richten. Deren Geschichte reicht über 2000 Jahre zurück.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...