Anwohner-Widerstand gegen geplante Brems-Schwellen

Mit Erhebungen auf der Fahrbahn will das Freiberger Tiefbauamt in der Ziegelgasse Tempo 30 durchsetzen. Anlieger sind dagegen.

Freiberg.

Verkehrssicherheit kontra Winterdienst?: Im Wunsch, Rasern vor ihrer Haustür das Handwerk zu legen, dürften sich die Anwohner der Ziegelgasse in Freiberg einig sein. Verschiedene Ansichten gibt es dagegen über das Mittel, das die Stadtverwaltung einsetzen will, um dieses Ziel zu erreichen.

Das Tiefbauamt hat angekündigt, die Tempo-30-Straße am unteren Wasserberg mit sogenannten Verkehrskissen zu versehen. Vor der Marienstraße und der Bahnüberführung sollen dabei Erhebungen in die Fahrbahn eingebaut werden. Zusätzlich zu den zwei mal drei Meter großen Kissen sind drei weitere Schwellen in diesem Abschnitt vorgesehen. Wer zu schnell darüber fährt, wird durchgerüttelt und riskiert Fahrzeugschäden.

2014 hatte es auf der engen Straße einen Verkehrsunfall gegeben. In einer Petition setzten sich Anwohner daraufhin dafür ein, eine verkehrsberuhigte Zone einzurichten. Das Anliegen habe damals abschlägig beschieden werden müssen, erklärt Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos), weil die örtlichen Verhältnisse eine solche Maßnahmen nicht zugelassen hätten.

Im Mai hatte die Forderung auf traurige Weise an Aktualität gewonnen: Ein zwölfjähriger Junge war von einem Auto angefahren worden und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Wie die Polizei damals berichtete, war das Kind einem Ball nachgelaufen, der plötzlich auf die Straße gerollt war; der Pkw-Fahrer habe nicht mehr rechtzeitig reagieren können.

Der Unfall sei tragisch, urteilt auch Tino Schmidt, der an der Ziegelgasse eine Kfz-Werkstatt betreibt. Und er weiß auch, dass sich nicht jeder Kraftfahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung für die Gasse hält. Aber: Die Verkehrskissen lehnt er strikt ab. "In dem Schreiben aus dem Tiefbauamt stand auch, dass der Straßenwinterdienst stark eingeschränkt werden müsse. Wenn bei Schnee kein Räumfahrzeug mehr kommt, kann ich meinen Laden zumachen", sagt der Chef des Meisterbetriebs; sowohl Kunden als auch Lieferanten blieben dann aus.

Auch seiner Nachbarin Christiane Broermann graut es vor Eisrinnen und Schneemulm auf der Ziegelgasse. "Wir haben dreimal am Tag den Pflegedienst im Haus für meine Schwiegermutter, die ich betreue", schildert die Anwohnerin. Sie selbst sei an beiden Hüftgelenken operiert und im Winter oft auf Krücken angewiesen, "denn bei einem Sturz springen die Prothesen sofort raus". Sie müsse fast täglich an ihr Auto, um zum Arzt, zur Apotheke und so weiter zu gelangen: "Mein Fahrzeug steht nicht direkt vor der Haustür."

Für die Fahrer der Räumfahrzeuge seien die Schwellen eine Gefahr, urteilt ein Fachmann. Er sagt: "Wenn der Mitarbeiter das Hindernis unter der Schneedecke nicht erkennt und mit dem Schiebeschild daran hängen bleibt, kann es zu Verletzungen kommen."

OB Krüger sieht die Anwohner in der Pflicht. Auf einer Anliegerstraße wie der Ziegelgasse bestehe für die Gemeinde keine Rechtspflicht, erläutert der Rathauschef, einen Winterdienst für den Fahrzeugverkehr auf der Fahrbahn durchzuführen. Die Winterdienstpflicht sei hier per Satzung an die Grundstückseigentümer übertragen. Sie müssten die Gehwege oder - wenn es keinen Bürgersteig gibt - einen mindestens 1,5 Meter breiten Streifen am Straßenrand von Eis und Schnee räumen. Damit seien die Grundstücke erreichbar.

Der Stadtverwaltung sei bewusst, so Krüger, dass es unterschiedlichen Interessen der Anwohner gebe. Die Schwellen stellten dabei einen Kompromiss dar. Sollte der Einbau für die Anwohner dennoch größere Beeinträchtigungen mit sich bringen, als das derzeit mit der vorherrschenden Verkehrssituation der Fall sei, "werden wir auch einen Rückbau prüfen", versichert der OB.

Allerdings sei damit keine Verbesserung der Verkehrssicherheit erreichbar, betont Krüger. Bei einer zweiwöchigen Geschwindigkeitsmessung waren auf der Ziegelgasse laut Stadtverwaltung Überschreitungen von über 100 Prozent festgestellt worden: Der Spitzenwert habe bei 64 km/h gelegen. (mit bk)

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