Applaus für Sanitäter und die Briefträgerin

Sondereinheiten, Polizei und das Militär patrouillieren. Sechs Tage ist Yvonne Braune bereits zwangseingeschlossen, wie sie es beschreibt. Es ist ein eindringlicher Appell aus Spanien - nicht nur an die Menschen in Flöha.

Villarcayo/Flöha.

Ein radikaler Schritt. Millionen von Menschen sollen nicht das Haus verlassen. Spanien zählt zu den ersten fünf EU-Staaten, die bereits eine landesweite Ausgangssperre verhängt haben. Um so dramatischer sind die Zeilen von Yvonne Braune. In ihrem Kommentar auf der Facebookseite "Freie Presse Flöha" schreibt sie: "... Ihr seid ungefähr 14 Tage hinter Spanien. Wir haben auch nichts wissen wollen ... und sind nun zwangseingeschlossen. Bitte, bitte nur bei lebensnotwendigen Sachen raus, sonst bleibt zu Hause!!! Vor allem für unsere älteren Leute ist das eine Frage von Leben und Tod ..."

Seit Sonnabend gilt für Yvonne Braune, sie zog 1993 von Flöha nach Villarcayo, eine Kleinstadt im Norden Spaniens, Hausarrest. Gern ist sie bereit, die Fragen aus der Heimat zu beantworten.

Wie es ihr geht? "Wir sitzen zu Hause fest - bis Ende des Monats mindestens. Die Straßen sind leer und wer nur mal spazieren geht, zahlt bis zu 600.000 Euro oder Knast", schreibt die 47-Jährige, die sich ihr Geld als Deutschlehrerin und als Postbotin verdient. Ehemann Alfonso ist selbstständig. "Was wir machen? Putzen, Fernsehen, langweilen, und wer kann, von zu Hause aus arbeiten. Es gibt auch Witzbolde, die mit Plüsch-Hund spazieren gehen." Die Menschen seien jenen dankbar, die in dieser schwierigen Lage das Leben am Laufen halten: Briefträger bekämen Applaus von den Menschen am Fenster, genau wie die Sanitäter und alle anderen, die auf die Straße müssen, schreibt Yvonne Braune im Chat. Und hängt ein Video an. Das zeigt Yvonnes Arbeitskollegin Isabel Ruiz auf der leeren Straße in Villarcayo. Die kurze Sequenz macht Mut.

Man habe in Spanien "so 'ne Art Ausnahmezustand". Militärs, Polizei und Spezialeinheiten würden die Straßen kontrollieren. Spazieren sei verboten, Sport nur zuhause möglich. Eine Freundin habe ihr erzählt, dass sie mit ihren Hunden nur bis zum nächsten Baum dürfe.

Hamsterkäufe hätten die Spanier hinter sich, schreibt sie weiter. Einmal pro Woche dürfe nun einer allein für die Familie einkaufen. Es gäbe keine Lieferengpässe. Hundefutter zu bekommen, sei kurz ein Problem gewesen. Nun aber seien die Läden relativ voll. Theoretisch sei auch die Lieferung von Lebensmitteln gesichert, Tankstellen haben auf. Aber Desinfektionsmittel, Atemmasken und Handschuhe könne man vergessen. Firmen und Privaten sei eine 72-Stunden-Frist gesetzt worden, diese wichtigen Sachen ins Krankenhaus zu schaffen. Danach sei es konfisziert worden. Yvonne Braune lobt die Hilfslieferungen Chinas für die Europäer: "Die spenden alles, was sie noch haben. Großes Bravo, denen hat ja keiner geholfen. China hat auch jede Menge Atemmasken für Krankenhäuser und Polizei geschickt."

Was rät sie den Flöhaern, den Deutschen überhaupt? "Mein Tipp? Zuhause bleiben, Hände waschen, Hände waschen Hände, waschen ... Abstand halten. Wenn möglich, alle Kontakte vermeiden." Masken seien nur nützlich für denjenigen, der krank ist, um nicht weiter anzustecken. Und sie schreibt weiter: "Sonst lasst diese Sachen den Krankenhäusern, die brauchen sie wirklich!!!!"


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