"Auf dem Dorf musst du dich mit Leuten auseinandersetzen"

Im Interview spricht Musiker Florian Schröter darüber, warum Subkultur auch abseits der Städte wichtig ist

Freiberg.

14 junge Leute haben in Berthelsdorf ein aufwendiges Musikvideo zum Song "Kalter Rauch" der Band Crying Kid gedreht. Mittlerweile gibt es ein Making-Of dazu, das zeigt, wie der Clip entstanden ist. Im Interview spricht Cornelia Schönberg mit Sänger Florian Schröter (21) über den Dreh und darüber, was ihn von Dresden immer wieder nach Berthelsdorf zieht.

Freie Presse: Ihr aktuelles Musikvideo zählt derzeit mehr als 1600 Klicks. Was sagt denn Ihre Oma zum Song?


Florian Schröter: Ich zeige ihr immer unsere Songs. Die bisherigen gehen ja mehr in die Hip Hop-Richtung. Da hat sie gesagt: Musik muss schon derbe sein, das macht ihr richtig. "Kalter Rauch" ist aber mainstreamer, eher ein lieberer Song. Das findet sie dann schon bisschen besser.

Wie ist der Song zu dem geworden, was er ist?

Phine, eine Freundin von mir, mag Hip-Hop so wie ich. Als sie erzählt hat, dass sie im Chor singt, haben wir beschlossen, was zusammen zu machen. Es war krass, wie gut das gepasst hat.

Und dann?

Wir saßen viel auf dem Balkon, haben Musik gehört. Mein Freund Jojo (Johannes Langer) ist unser musikalisches Genie, den Beat haben wir selbst entwickelt. Dann ist daraufhin der Text entstanden. Von der ersten Überlegung bis zum Song hat es etwa ein halbes Jahr gedauert. Parallel haben wir noch an anderen Sachen gearbeitet.

Das Video zum Song haben Sie in Berthelsdorf auf der grünen Wiese gedreht. Hatten Sie ein Drehbuch?

Ja, ich habe Skizzen gemacht, wie ich es mir vorstelle. Ist zwar am Ende alles bisschen anders gekommen, aber es ist gut so.

14 Freunde haben Sie für den Dreh aktiviert. Wie lief der ab?

Der, der eine Kamera hatte, musste filmen. Es war schon hart für alle, Samstagfrüh um 6 loszulegen. Mit Sonnenaufgang haben wir angefangen. Die Wiese war noch nass, niemand hatte Gummistiefel dabei. Dafür hatten wir eine Nebelmaschine und Boxen. Und dann stehst du da auf der Wiese, umkreist von deinen Freunden und musst losschreien. Das war unangenehm, da haben wir viele Anläufe gebraucht. Den Song haben wir während der Aufnahmen tatsächlich gesungen. Für das Video haben wir den Song aber im Studio aufgenommen und dann die Tonaufnahmen synchron unter die Bildaufnahmen gelegt. Für den Schnitt habe ich dann locker drei Monate gebraucht.

Sie stecken nach der Arbeit viel Zeit in die Musik. Wie wichtig ist Ihnen speziell das Projekt "Kalter Rauch"?

Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit vertrauten Freunden und Bekannten das Projekt umzusetzen. Dafür bedanke ich mich bei allen. Ich persönlich nehme dieses Musikprojekt schon ernster als andere Sachen und suche ständig nach möglichen Auftritten. Eigentlich dachte ich: Jetzt geht es richtig ab. Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass es mit Konzerten nicht so vorwärts geht. Das macht einfach am meisten Spaß.

Woran liegt das?

Vielleicht liegt es daran, dass Clubs am Aussterben sind. Chemnitz blüht mit dem Club Atomino auf, in Dresdner Clubs spielen aber oft nur große Acts. Und in Freiberg ist es noch schwieriger. Es gibt das TC, das EAC und das Pi-Haus, aber am Ende spielt man immer vor den gleichen 15 Leuten. Es gibt ja hier Subkultur, aber manchmal fehlt bisschen der Schwung oder das letzte I-Tüpfelchen, damit es richtig abgeht.

Was zieht Sie dennoch von Dresden immer wieder nach Berthelsdorf aufs Dorf?

Mein Freundeskreis ist die Woche über verstreut, an Wochenenden treffen wir uns alle in Berthelsdorf. Ich finde es toll, beides zu haben: Bars und Konzerte unter der Woche in Dresden. Auf dem Dorf ist es aber auch schön, eben nicht die große Auswahl zu haben. Da müssen sich alle an einem Ort treffen, zum Beispiel im Jugendclub, und sich miteinander abgeben. Die Dresdner Neustadt ist wie eine Luftblase, in der alle alternativ sind. Mit Rechten kommt man dort nicht in Kontakt. Hier auf dem Dorf bist du nicht einer von vielen, sondern musst dich mit den Leuten auseinandersetzen und bekommst dadurch neue Denkanstöße. Das finde ich wichtig, denn so können Luftblasen zerplatzen.

Wie geht es musikalisch weiter?

Wir arbeiten an mehreren Projekten, proben, machen Musik und suchen weiter nach Möglichkeiten, aufzutreten.

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