Auf der Rauchblöße soll die Erika keine Eintagsfliege sein

Die Renaturierung des Areals am Bahnhof Muldenhütten ist ab- geschlossen. Dort ließ der Nabu tausende Birken fällen, um die Heidelandschaft zu bewahren. Die nächsten Projekte sind schon in Sicht.

Hilbersdorf.

"Ich möchte einmal nur mit Erika", sang Hubert Kah 1983 auf den Hochzeiten der Neuen Deutschen Welle. Die zur Gruppe der Erika-Pflanzen zählende Calluna- oder Besenheide an der Rauchblöße bei Hilbersdorf soll indes keine Eintagsfliege bleiben. Deshalb hat der Naturschutzbund Deutschland das Gelände am Hang des Bahnhofs Muldenhütten von hunderten Birken befreien lassen. Das Landschaftspflegeprojekt, bei dem der Heidecharakter des acht Hektar großen Gebiets wieder hergestellt wurde, ist nun abgeschlossen. Werner Hentschel vom Kreisverband Freiberg des Nabu nahm die Arbeiten des mit dem Auftrag bedachten Freiberger Unternehmens Freiträume Garten- und Landschaftsbau ab.

Nur mehr einzelne Birken ragen auf dem weiten Rund in die Höhe. Der Blick von hier oben am Talhang der Freiberger Mulde schweift hinüber auf die andere Seite bis zum Davidschacht und der Reichen Zeche. Einst zogen über die Rauchblöße giftige Dämpfe der nahen Hütten. So blieb das Gebiet kahl, so entstand die Heide. Ein Rückzugsort für viele seltene Arten, beispielsweise Zauneidechsen und Schlingnattern, aber auch Zikaden und Schmetterlinge.

Als die Belastung der Luft abnahm, kamen die Birken. Dank ihrer Fällung, mit 66.000 Euro gefördert vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums - kann die Heide nun auch Heide bleiben. Darum wollen sich die Nabu-Mitglieder auch ehrenamtlich weiter kümmern. In Arbeitseinsätzen soll verhindert werden, dass sich Bäume hier ansiedeln und die Heide verdrängen. Die wenigen Birken, die sich noch in den Himmel recken, sind an den Stämmen gekappt. Sie können keine Samen mehr verstreuen. Auch auf Kiefern wurde geachtet.

"Ich bin wirklich sehr zufrieden", erklärt Hentschel. Nicht zuletzt, weil das Projekt eher als geplant beendet wurde. Dabei kam auch die in diesem Jahr wegen Trockenheit und Hitze bereits vorangeschrittene Vegetationsperiode zugute. Denn während des Wachstums darf die Heide eigentlich nicht über Gebühr mit schwerem Gerät belastet werden.

Hentschel zeigt auf die Rücke-spuren, auf denen die Radlader unterwegs waren. Die gefällten Bäume wurden den Hang hinauf zum alten Sportplatz geschafft, wo das Holz aufgeschichtet wurde und nun langsam verrotten soll und darf. Wegen der Schadstoffbelastung des Holzes ist es verboten, Stämme quasi als Feuerholz mit nach Hause zu nehmen. Die Spuren, die die Fahrzeuge hinterlassen, sind ein lockeres Gemisch aus Sand und Geröll. "Durch die breiten Reifen der Fahrzeuge ist der Druck auf den Boden nicht größer als der eines Fußes", erläutert Hentschel. "Da wurde kein Boden verdichtet, das kann sich alles rasch wieder erholen", erläutert der Naturschützer.

Und so hofft er, wenn im nächsten Jahr das Schmetterlingsmonitoring ansteht, viele Arten nachweisen zu können. Die Blüte der Heide hielt sich in diesem Jahr dennoch in Grenzen. Aber nicht, wie Hentschel erklärt, wegen des Sommers. Frost im späten Frühjahr hatte viele Pflanzen erfrieren lassen. Die Rauchblöße, sagt Hentschel, ist von ihrer Dimension her für den Nabu ein besonderes Projekt gewesen. Denn so großflächig agiert der Kreisverband Freiberg sonst nicht. In der Regel sind die Nabu-Vorhaben eine Spur kleiner. Wichtig sind sie dennoch. So sollen in diesem Herbst Fische aus zwei der drei Teiche bei Mönchenfrei nahe Brand-Erbisdorf entnommen werden, um ein schützenswertes Amphibien-Biotop zu erhalten. Etwa die Larven von Kammmolchen, sagt Hentschel, sind für viele Fische leichte Beute.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...