Auf Kuschel-Tour mit Mentzel & Co.

Wie die Landfrauen in Langenau mit ihrem Kuchen und ihrem Charme alle Jahre wieder die Star-Gäste des Stadt- und Haldenfestes Brand-Erbisdorf bezirzen.

Langenau/Brand-Erbisdorf.

Die Sonne brennt, die Temperaturen steigen. Was im Schatten der Bäume auf der Brand-Erbisdorfer Halde gerade so erträglich ist, wird in den kleinen Verkaufshütten am Rande des Festplatzes um eine Spur schlimmer. Hier, wo sich unterm Dach die Hitze staut, ist aber von Erschöpfung nichts zu bemerken. Sechs Damen in weißen Schürzen und blaukarierten Hauben wuseln und wirbeln unermüdlich. Einige von ihnen bleiben im Hintergrund, waschen Geschirr, die anderen stehen vorn am Tresen und verkaufen den wohl leckersten Kuchen der Welt.

Die Landfrauen aus dem Stadtteil Langenau sind vom Sonntag des alljährlichen Stadt- und Haldenfestes nicht wegzudenken. Ihr selbst gebackener Kuchen genießt seit Jahren Kultstatus. Ob Zupf- oder Mandarinenkuchen, Eierschecke oder Bienenstich, jede einzelne Kreation ist ein Gedicht. Dass solches Backwerk auch mit einem guten Schuss Wissen um die menschliche Psychologie verkauft wird, das verrät Gabriele Stegmann, die Vorsitzende der Landfrauen. "Die Form der Kuchen muss unbedingt rund sein", sagt sie. "Vor ein paar Jahren hat mal jemand viereckigen Blechkuchen angeboten. Der war sehr gut, aber verkauft hat er sich kaum."

Solche Erfahrungswerte sind es, die den Kern der Landfrauenarbeit ausmachen. Im März 1992 wurde mit der Gründung im Freiberger Stadtteil Zug diese Bewegung auch in Sachsen etabliert. Laut der Internetseite des Verbandes sind derzeit 832 Mitglieder in 33 Orts- und Kreisvereinen im Freistaat organisiert. Die Langenauer Landfrauen sind ein Teil davon. "Wir haben derzeit 25Mitglieder", erzählt Gabriele Stegmann. "Und wir sind sehr eng zusammen mit dem Seniorenverein 'Striegistal' aus unserem Ort." Gemeinsam hält man das Langenauer Ortsleben auf Trab. Alle 14 Tage trifft man sich zu gemeinsamen Abenden, bei denen Vorträge gehalten werden, etwa zur heimischen Vogelwelt oder dem regionalen Bergbau. Man feiert Geburtstage, veranstaltet Spieleabende, Herbst- oder Frühlingsfeste, lässt es beim Fasching so richtig krachen oder wird im Advent besinnlich. "Unsere Senioren sind ganz dufte und super", sagt Gabriele Stegmann.

Seit Jahren unterstützen sie das Stadt- und Haldenfest mit ihren Kuchen. 30 verschiedene Sorten waren es diesmal. Den Rekord halten sie mit 40 im vergangenen Jahr, als mit dem 50. Fest ein Jubiläum anstand. "Wer nicht selber backt, der gibt Geld dazu", so Stegmann. Damit bringen sich auch die Mitglieder ein, die nicht praktisch mittun können.

Dass ihnen diese Arbeit Freude macht, merkt man den Damen an. Noch mehr Spaß aber haben sie an einer Sammelleidenschaft, die sie bei dem Fest ausleben können. Da der Sonntag immer einem Schlagerstar vorbehalten ist, treffen die Landfrauen diesen jeweiligen Top-Act auch. Zur Tradition ist dabei ein Foto geworden, zu dem sie sich gemeinsam aufstellen. Das wird dann in ein großes Album geklebt.

Gefragt nach ihren Halden-Lieblingsstars kommt eine traurige Antwort. "Leider ist er inzwischen verstorben", sagt Gabriele Stegmann. "Aber Achim Mentzel 2013, der war einfach großartig." Der fröhliche Tausendsassa der Stimmungsmusik sei unkompliziert und unglaublich freundlich gewesen. Für jeden Spaß war er zu haben, und selten habe man so viel auf der Halde an einem Tag gelacht. Auch Frank Schöbel war toll, so die Landfrauen, ebenso Thomas Lück und Andreas Holm. Und gern erinnert man sich an vergangenes Jahr, als man mit Olaf Berger fürs Foto kuscheln konnte. "Und De Randfichten waren auch spitze", kichert Gabriele Stegmann. "Die mopsten uns sogar unsere Hauben für das Foto."

Überhaupt die Hauben. Ohne die geht nichts. Sie sind neben Schürzen und Röcken die Erkennungsmerkmale der Langenauerinnen. Ihre Aufgabe, nämlich das Leben im ländlichen Raum zu bereichern, nehmen sie sehr ernst. Und egal, wer 2019 der Star auf der Halde ist - wenn er zum Foto mit den Landfrauen schreitet, sollte er wissen, dass das auch für ihn eine Ehre ist.

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