Ausbildung mit Heimvorteil: Alle suchen - die Schule verbindet

Mein Sayda: Die erste Hausmesse an der Oberschule war ein Erfolg: Acht regionale Firmen haben sich vorgestellt. 80 Schüler schauten sich um. Einer hat gleich Nägel mit Köpfen gemacht.

Sayda.

Das ist Alexander Münch lange nicht passiert: Bei der Hausmesse an der Oberschule Sayda hat ihm ein Schüler seine Bewerbung für eine Ausbildung zum Altenpfleger gleich mitgebracht. "Das ist echt ein Glücksfall", freut sich der Personalleiter der Stiftung Münch, die im Erzgebirge neun Pflege- und Behinderteneinrichtungen mit rund 600Mitarbeitern betreibt und pro Einrichtung zwei bis drei Azubis im Jahr ausbilden will. Bei anderen Ausbildungsmessen werde er von Schülern gefragt, wie sie denn ohne Führerschein und Auto zu den Einrichtungen hinkommen. "Das hat hier kaum jemand gefragt, weil die Schüler alle von hier kommen", betont Münch den Heimvorteil.

Acht Firmen aus und um Sayda haben sich am Mittwoch in der Schule präsentiert. Schulleiter Steffen Hänel ist erfreut über die positive Resonanz: "Für das erste Mal übertrifft es unsere Erwartungen. Ich bin mehr als zufrieden." Insgesamt 200Jungen und Mädchen von Klasse 7 bis 10 tangiert das Thema Berufsberatung. Sie haben alle eine persönliche Einladung zur Messe bekommen. Hänel schätzt, dass mehr als 80 Schüler da waren, davon viele jüngere. Mit der Messe verfolgt die Schule zwei Ziele: Erstens, so Hänel, fragen Unternehmen immer mal wieder an, ob sie sich den Schülern vorstellen können. Zweitens ist die Hausmesse ein Baustein, um das Qualitätssiegel für Berufsberatung zu erreichen.

Eva-Maria Glöckner, die in Friedebach eine häusliche Krankenpflege leitet, zieht eine positive Bilanz. "Ich bin erstaunt, dass es noch junge Leute gibt, die in der Region bleiben und in der Pflege arbeiten wollen", sagt sie. An ihrem Stand herrschte reger Betrieb. Schülerinnen fragten öfter nach Praktika und Ferienjobs.

Ringo Börner, Azubi bei LTB Leitungsbau in Lichtenberg, hatte gleich seine Montur mitgebracht, die er als Industriemechaniker trägt. Vor allem Jungen schauten sich am Stand von LTB um. In Lichtenberg werden Industriemechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik ausgebildet. Neuerdings gibt es aber auch jeweils eine vereinfachte Variante: Statt dreieinhalb Jahre zu lernen, kann man in zwei Jahren Fachkraft für Metalltechnik oder Indus-trieelektriker werden.


Stiftung Münch

Alexander Münch von der Stiftung Münch Pflege- und Behindertenheime sagt, dass er bei der Hausmesse überraschend viele Gespräche geführt und einige Anfragen zu einem Ferienjob oder einem Probetag bekommen hat. "Dieses Jahr haben bei uns 17 Azubis angefangen. So viele hatten wir seit vier Jahren nicht mehr", sagt er. Die Messe sei genau das Richtige für die Münch Stiftung: "Die Messe ist absolut regional. Die Schüler kommen genau aus dem Gebiet, in dem wir tätig sind." (cor)


Traumjob: Landwirt

Maik Helbig hat die Hände voller Flyer vom Stand der Agrargenossenschaft Sayda. "Ich will Landwirt werden, mit Tieren arbeiten, Traktor fahren und dabei helfen, Pflanzen anzubauen", erzählt der Achtklässler. Er besuchte die Messe mit seiner Mutter Ute Helbig. Sie arbeitet mit ihrem älteren Sohn bei der Agrargenossenschaft und würde sich freuen, wenn der Jüngere dort eine Ausbildung findet. "Man darf keine Angst vor Tieren haben", sagt sie. (cor)


Traumjob: Altenpflegerin

Miriam Sprenger will Altenpflegerin werden. Da ist sie sich schon ziemlich sicher. "Ich habe zwei ältere Omas zu Hause, um die ich mich ab und zu kümmere. Ich helfe einfach gern alten Leuten." Die soziale Ader hat sie in die Wiege gelegt bekommen: Auch ihre Mutter arbeitet als Altenpflegerin in einem Seniorenheim. "Miriam war schon ein paar Mal mit. Die Frage ist, ob ihr das Stationäre oder das Ambulante besser gefällt", sagt sie. (cor)


Traumjob: Hotelfachfrau

Lena Hauke geht in die siebte Klasse. Mit ihrer Mutter Stefanie Hauke hat sie die Hausmesse besucht, um Ideen zu finden, was es in der Umgebung alles gibt. "Ich könnte mir vorstellen, im Hotel zu arbeiten. Oder eine Ausbildung zur Friseurin zu machen", sagt die Schülerin. Am Stand vom Waldhotel Kreuztanne hat sie sich schon umgeschaut. Stefanie Hauke findet das Konzept der Hausmesse gut: "Fürs erste Mal sind viele Firmen da." (cor)


Gläser Bau Friedebach

Nancy Kaltofen von der Friedebacher Unternehmensgruppe Gläser Bau sucht Lehrlinge, die Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Stahlbetonbauer oder Anlagenmechaniker werden wollen. "Mitbringen sollten die Bewerber technisches Interesse und Lust. Und sie sollten frische Luft mögen", sagt sie. Das Familienunternehmen hat derzeit knapp 60 Mitarbeiter. Von der Hausmesse ist Kaltofen begeistert: "Die Resonanz ist gut. Wir hatten viele Siebtklässler, die sich interessiert haben." (cor)


Neubert Lüftungstechnik

Matthias Neubert von der Firma Neubert GmbH Lüftungs- und Klimatechnik aus Sayda war bei der Hausmesse ein gefragter Mann. Mehrmals hat er Schülern die Lüftungsanlage der Schule gezeigt. "Seit 30 Jahren bilde ich aus. Zurzeit habe ich keinen Lehrling, könnte aber gut und gern zwei ausbilden", sagt er. Die Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsbauer habe den Vorteil, dass man sich später entscheiden kann, ob man mit Heizungen oder Lüftungen und Klimaanlagen arbeiten will. (cor)

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