Ausbildungszentrum der Justiz: Container schaffen mehr Platz

In das Objekt in Niederbobritzsch wurden und werden Millionen Euro investiert. Grund ist eine Offensive des Freistaats.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Die großen Containermodule passen eigentlich nicht zum modernen Komplex des Ausbildungszentrums Bobritzsch. Die beigefarbenen Kästen werden zwar schon genutzt, doch soll sich an ihnen noch etwas tun, wie Annegret Schubert, Leiterin der Bildungseinrichtung, verrät. "Es kommt ein Dach drauf und es werden Dämmungen angebracht."

Seit 1993 gibt es im Ortsteil Niederbobritzsch diese Einrichtung des Freistaates. Zunächst wurden hier künftige Mitarbeiter im Finanzwesen ausgebildet. Im Januar 2003 kamen schließlich die Fachbereiche Allgemeine Verwaltung, Steuerverwaltung, Justiz mit Auszubildenden für Gerichte und Staatsanwaltschaft sowie der Justizvollzug hinzu. Der moderne Komplex bietet einiges an Komfort. Neben einer lichtdurchfluteten Mensa, Ruheinseln, die mit Kunstwerken gestaltet sind, einem großzügig angelegten Außenbereich mit Rasen und einem künstlichen See gibt es einen Sportplatz, eine Turnhalle, zwei Wohnheime und ein Mutter-Kind-Haus. Für die mehrmaligen dreimonatigen Aufenthalte im theoretischen Teil ihrer Ausbildung wohnen die Frauen und Männer hier, Kinder können in der nahen Kindertagesstätte unterkommen. Räumlich kommt man an die Grenzen, sowohl bei den Wohnungen als auch bei der Ausbildung.

Grund: Die Anzahl der Auszubildenden steigt sprunghaft an. Der Freistaat braucht Mitarbeiter, weshalb er im März 2018 eine Ausbildungsoffensive startete. Statt der 300 Anwärter und Azubis im Jahr 2018 sind 2019 insgesamt 447 eingestellt worden - ein Anstieg von 49 Prozent, erklärt das zuständige Justizministerium. Deshalb wurde der Erweiterungsbau mit 6000 Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Ein Drittel ist mit Büroräumen belegt, im Rest wird unterrichtet.

Was die Wohnräume angeht, müssen andere Lösungen greifen. "Es wurden Objekte in Freiberg angemietet", sagt Annegret Schubert. Auch die reichten nicht aus, weshalb ab September Räume in Chemnitz angeboten werden. In der Vergangenheit wurde die Turnhalle mit anderen geteilt, etwa den Schülern der Oberschule, die selbst nur über eine baufällige Sporteinrichtung verfügen. Das geht nicht mehr, da die Halle für die Auszubildenden benötigt wird. "Wir haben außerdem keine Aula", sagt Schubert: "Für Anlässe wie Zeugnisvergaben brauchen wir deshalb die Halle auch."


Rund ein Drittel der Bediensteten der sächsischen Justiz geht bis 2030 in den Ruhestand

Rund 7,5 Millionen Euro wurden seit dem Jahr 2005 in den Ausbildungsstandort Bobritzsch investiert. Der jährliche Bauunterhalt beläuft sich auf etwa 250.000 Euro. "Im Kontext der Kapazitätserweiterung und der über 20-jährigen Nutzung des Ausbildungszentrums wurde beschlossen, ein Konzept zur Erfassung des Verschleißes der baulichen und technischen Anlagen zu erstellen", sagte Raymond Becker, stellvertretender Pressesprecher des Sächsischen Justizministeriums, auf Anfrage der "Freien Presse". Das Konzept befinde sich noch in der Aufstellung. Die erforderlichen Maßnahmen sollen in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Die Mittel in Höhe von etwa 10 Millionen Euro wurden im Januar im Rahmen des von der Landesregierung beschlossenen Sofortprogramms "Start 2020" bereitgestellt. Sie sollen auch dazu verwendet werden, zeitnah mit den notwendigen Sanierungen zu beginnen. Derzeit werden 747 Anwärter und Azubis ausgebildet. Bis 2030 treten rund ein Drittel der Bediensteten der sächsischen Justiz in den Ruhestand. (wjo)

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