Bald schnelles Internet für Halsbrücker

Ein Meilenstein im Breitband-Dschungel: Die Telekom stattet den Ort mit Glasfaserkabeln aus. Die ersten Einwohner könnten ab Ende 2020 rascher surfen. Die Klinik ist früher an der Reihe.

Halsbrücke.

Andreas Beger, CDU-Bürgermeister von Halsbrücke, ist in Feierlaune: Seit mehr als drei Jahren schlägt sich die Gemeinde in Eigenregie mit dem Thema Breitbandausbau herum. Nun wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Kai Gärtner, Regionalmanager bei Telekom Deutschland, und Beger haben den Vertrag zum Ausbau des schnellen Internets unterzeichnet. Das heißt: Die Telekom baut in der Gemeinde das Glasfasernetz so aus, dass in rund 115oHaushalten sowie 85 Unternehmen, Schulen und Krankenhäusern mit maximalem Tempo im Internet gesurft werden kann.

Die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU), die im Ausschuss für Verkehr und digitale In-frastruktur sitzt und sich in der Region seit Jahren für den Breitbandausbau einsetzt, spricht von einem "sehr konkreten Schritt". Sie sagt: "Es werden immer weiße Flecken bleiben, für die wir individuelle Lösungen finden müssen. Jetzt wollen wir die größten Brocken lösen."

Die Dringlichkeit: Für die Reha-Klinik in Hetzdorf ist der Netzausbau sehr dringend, sagt Geschäftsführer Torsten Wagner. "Für unsere Einrichtung ist es ein existenzielles Thema, dass sehr hohe Bandbreiten existieren", betont er. Das sei nicht mehr nur ein Wunsch, sondern mit Blick auf die Zukunft ein Zwang. Patienten fragen nach schnellem Internet, viele Prozesse laufen inzwischen online ab und auch für die Telemedizin ist der Breitbandausbau unabdingbar. Deshalb gab es in Hetzdorf eine Unterschriftensammlung - 168 Menschen haben sich beteiligt -, die der Bürgermeister zur Vertragsunterzeichnung an den Telekom-Vertreter überreicht hat.

Der Ausbau: Es werden mehr als 260 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 23 neue Netzverteiler aufgestellt. Von den Netzverteilern führen Glasfaserrohre weg, die mehrere etwa kugelschreiberdicke, verschiedenfarbige Röhrchen enthalten. Jedes farbige Röhrchen soll zu einem Haus führen, erklärt Gärtner. Im Haus wird ein sogenannter Glasfaser-Anschlusspunkt - eine kleine graue Box - angebracht, in die das Leerröhrchen mündet. "Bis hierhin muss kein Bürger was zahlen", sagt Gärtner. Damit ist das Netz ausgebaut; die Voraussetzungen für schnelles Internet geschaffen. Der Hauseigentümer kann frei entscheiden, ob und wenn ja, von welchem Anbieter er schnelles Internet nutzen will. Entscheidet er sich für die Telekom als Anbieter, wird zusätzlich ein Glasfasermodem installiert; die Glasfasern werden dann mit Luftdruck ins Rohr eingeblasen. Diese Kosten trägt dann der Anschlussnehmer. Matthias Patzsch, Projektleiter bei Telekom Technik, kennt die Sorge von Anwohnern, dass bei den Arbeiten Schaden entstehen könnte. "Wir nutzen verschiedene Verfahren und werden uns so wenig wie möglich in den Vorgärten austoben", versichert er.

Die Zeitschiene: Insgesamt geht die Telekom von drei Jahren Bauzeit aus. Wo die Tiefbauarbeiten beginnen, steht noch nicht fest. "Ich gehe davon aus, dass wir die Klinik primär ans neue Netz bringen", sagt Patzsch auf Nachfrage des Klinikleiters. In den nächsten Monaten erfolgt die Akquise bei Grundstückseigentümern. "Wir gehen davon aus, dass 80 Prozent der Eigentümer diesen Hausanschluss nehmen", sagt Patzsch. Schließlich werde damit ein Grundstück aufgewertet, argumentiert er. Der Telekom liegt viel daran, wegen des Aufwandes nahezu 100 Prozent der Einwohner zu überzeugen. Es soll dazu auch eine Info-Veranstaltung geben, sagt Bürgermeister Beger.

Mit der ersten Bautätigkeit rechnet die Telekom in sechs bis acht Monaten. Ab dem ersten Spatenstich werde es weitere sechs bis zwölf Monate dauern, bis die ersten Einwohner schneller surfen können. Das wäre dann etwa Ende 2020 oder Anfang 2021.

Die Leistung: Glasfasern werden zur optischen Datenübertragung verwendet.Die Anschlüsse bieten bis zu 1 Gigabit pro Sekunde beim Herunterladen und beim Heraufladen bis zu 500 Megabit pro Sekunde. Später könne das erweitert werden.

Die Kosten: Insgesamt kostet der Ausbau 4,2 Millionen Euro. 50 Prozent davon zahlt der Bund, weitere 40 Prozent zahlt das Land Sachsen und 10 Prozent muss die Gemeinde vorfinanzieren. Dafür hat Halsbrücke bereits 450.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Der Eigenanteil der Gemeinde soll dann vom Land ausgeglichen werden.


Was bisher geschah

Im Februar 2016 hat Halsbrücke Fördermittel beantragt, um eine Studie zum Breitbandausbau in Auftrag zu geben. Das Geld floss, die Studienergebnisse lagen im März 2017 vor. Im September 2017 hat Halsbrücke bei Bund und Land Fördermittel für den Breitbandausbau beantragt. Im Sommer 2018 wurden die Leistungen europaweit ausgeschrieben. Im Dezember 2018 hat der Gemeinderat

beschlossen, die Telekom Deutschland mit dem Breitbandausbau zu beauftragen. In der ersten Jahreshälfte 2019 musste geklärt werden, ob das Angebot der Telekom in die Förderrichtlinien passt. Im August sind

die Zuwendungsbescheide für die Fördermittel von Bund (2,2 Millionen Euro) und Land (1,78 Millionen Euro) eingegangen. Nun wurde der Vertrag mit der Telekom unterzeichnet. (cor)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    thelittlegreen
    19.09.2019

    Mit Verweis auf diesen Artikel: https://www.freiepresse.de/mittelsachsen/freiberg/zweiter-anlauf-zur-pilgertour-artikel10612189

    Wer ist eigentlich die Frau im Hintergrund?



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