Balsam für die Seele

Bislang war Danilo Braun aus Langhennersdorf mit seiner mobilen Ölmühle auf vielen Märkten von Leipzig bis Tharandt zu finden. Nun ist er sesshaft geworden. Dahinter steht eine Philosophie von gutem Essen - und von gutem Leben.

Langhennersdorf.

Aus der Maschine kommt der Latte Macchiato, natürlich aus frisch gemahlenen Bohnen. Der Start-up-Unternehmer persönlich sorgt für das Deko-Muster im Milchschaum. Von der Decke hängen kugelförmige Glühbirnen, die den Raum in ein bronzefarbenes Licht hüllen. Das elfenbeinfarbene Schrankregal erinnert an Shabby Chic - also jene Optik, bei der Möbel etwas heruntergekommen wirken sollen. Auf der Karte stehen ausschließlich Bio-Produkte. Willkommen im Prenzlauer Berg, möchte man meinen. Oder in der Leipziger Südvorstadt. Aber weit gefehlt: Dieses Laden-Café mit angeschlossener Schau-Manufaktur findet sich weit weg von den angesagten Szene-Vierteln. Nämlich in Langhennersdorf, Mittelsachsen, in der Provinz also, die zwar in Langhennersdorf einen Flugplatz, aber sonst augenscheinlich nicht mehr viel zu bieten hat.

Zuletzt schloss noch der Blumenladen, erzählt Danilo Braun. Gemeinsam mit Gattin Katja stemmt er sich gegen die Landflucht: "Wir wollen zeigen, dass es auch auf dem Land geht." Im August haben sie ihr Ladencafé eröffnet. Ölmanufaktur vom Huttenberg heißt es, denn eigentlich spielt nicht der Kaffee die Hauptrolle, sondern das Öl. Danilo Braun hatte zunächst mit der mobilen Saftmosterei von sich reden gemacht. Seit 2016 betreibt er die mobile Ölmühle. In einem kleinen Wagen klappert er die Naturmärkte ab, von Leipzig bis in die Lausitz. Er setzt konsequent auf Regionalität - auch bei der Herkunft der Rohstoffe. Die für Hanföl verwendeten Pflanzen baut ein Seifersdorfer Betrieb beispielsweise quasi hinter ihrem Haus an. Leinsamen kommen von einem Feld in Leisnig. Und die Kürbiskerne, bisher noch aus Bayern angeliefert, sollen auch bald aus Sachsen bezogen werden. Wenn die Ernte nicht wieder - wie in diesem Jahr - der Trockenheit zum Opfer fällt.

"Wir wollen den Kreis immer enger ziehen", erklärt Danilo Braun. Die Regionalität ist für ihn und Gattin Katja eine Haltung. "Für uns sind Lebensmittel im eigentlichen Sinn sehr wichtig", sagt sie. "Am besten bringen die Leute Zeit mit - für sich und das, was sie zu sich nehmen." Das lohnt sich. Beim Frühstück im Café stammen die meisten Speisen direkt aus ihrem Garten - oder zumindest dem Backofen. Käse beziehen sie etwa aus Gahlenz, Backwaren aus Oederan. Wer will, kann aber auch einkaufen, zumindest, was man so zum Essen braucht, um übers Wochenende zu kommen.

Und dazu Öl. Der Geschmack des Leindotteröls erinnert an frische Schoten und grünen Spargel. Mohnöl kann sich seiner Herkunft geschmacklich nicht verleugnen. Hanföl hat eine erdig-nussige Note. Danilo Braun: "Man sagt, das ist das Olivenöl des Nordens." Kürbiskernöl schmeckt fruchtig, leicht schokoladig - wohl auch, weil die Kerne nicht geröstet werden. Im nächsten Jahr kann das schon ganz anders werden. "Jede Ernte ist anders."

Aber immer kommt etwas dabei heraus, das Körper und Seele guttut. Wie die ländliche Umgebung. "Wegen der Ruhe", sagt Danilo Braun. Und wegen der Kinder, die Platz zum Toben finden. Manchmal bleibt Zeit für altes Handwerk. Katja Braun hat Spinnen gelernt. Und so würde es einen nicht wundern, wenn eines Tages auch Pullover zum Sortiment der Manufaktur gehören. Selbst gestrickt aus selbst gesponnener Wolle - von eigenen Schafen, versteht sich.

Die Ölmanufaktur vom Huttenberg in Langhennersdorf, Ziegeleiweg 9, ist mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags von 7.30 bis 11 Uhr geöffnet. Frühstück nach Voranmeldung.

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