Bedrohung mit Messer - Täterin ist schuldunfähig

Weil eine junge Frau ihre Handlung nicht steuern konnte, blieb sie straffrei

Freiberg.

Das Amtsgericht Freiberg hat eine 21-jährige Studentin vom Vorwurf der Bedrohung in zwei Fällen freigesprochen. Auf Grund ihres Geständnisses und der Aussagen mehrerer Zeugen war klar, dass sie die ihr vorgeworfenen Taten begangen hat. Der psychiatrische Sachverständige Peter Schönknecht bestätigte aber in seinem Gutachten, dass die junge Frau zum Zeitpunkt der Taten unter einer krankheitsbedingten Störung des geordneten Denkens gelitten hat, somit ihre Handlungen nicht steuern konnte und demzufolge nicht schuldfähig war.

Oberstaatsanwalt Nils Schellenberg hatte die junge Frau angeklagt, im Juni 2017 im Raum einer kirchlichen Gemeinschaft in Freiberg einem jungen Mann ein von ihr mitgeführtes Jagdmesser an den Hals gehalten und damit sein Leben bedroht zu haben. Er habe sie gekannt, sagte der Angegriffene dem Gericht, weil sie hin und wieder an Veranstaltungen der Jungen Gemeinde teilgenommen habe. Sie sei wortlos, aber mit starrem Blick auf ihn zu gegangen und habe das Messe an seinen Hals gedrückt. Er habe das als sehr bedrohlich empfunden und Angst um sein Leben verspürt. Als ein weiterer Mann hinzu trat, habe sie von ihm abgelassen und sei dem anderen gefolgt. Auch er wurde, so die Anklage, von ihr mit dem Messer bedroht. Ein hinzugerufener Mitarbeiter der Gemeinschaft konnte sie dann überwältigen und der Polizei übergeben. Sie habe nicht normal, sondern verwirrt gewirkt.


Die Angeklagte sprach vor Gericht auch über ihr bisheriges Leben. Sie habe nie Freunde besessen, ihr Vater habe sie bei allem, was sie tat, kritisiert. Mit ihrer Mutter sei sie oft in heftigen Streit geraten, so auch am Tag vor der Tat. Sie selbst sei stets misstrauisch, vor allem Männern gegenüber. Durch die Mitführung des Messers in das Gemeindehaus habe sie zeigen wollen, dass sie wehrhaft sei. Über den Hergang der Taten wisse sie nichts mehr.

Der Sachverständige erklärte, es sehe so aus, dass an jenem Tage eine einmalige psychotische Störung bei der Frau aufgetreten sei. Er empfahl ihr dringend, sich zwecks Früherkennung einer eventuellen schizophrenen Erkrankung in einer psychiatrischen Ambulanz vorzustellen. Verfahren 5Ls 473 Js 29642/17 jug

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