Beethoven und andere Stars

Der mexikanische Tenor Hector Sandoval brillierte als Andrea Chénier. Und eine Matinee machte Lust auf "Fidelio".

Begeisterung pur. Schon nach seiner ersten Arie "Un dì all'azzurro spazio" hat Hector Sandoval (Foto) am Sonntagabend im Freiberger Theater Bravorufe, kräftigen Beifall und Jubel erhalten. Und auch in den folgenden rund zwei Stunden bezauberte der aus Mexiko kommende Startenor in der Titelrolle des Andrea Chénier das Publikum immer wieder aufs Neue. Mitunter schien seine energiegeladene klare Stimme fast die Wände des Hauses am Buttermarkt zum Bersten zu bringen. Doch nicht nur wegen Sandoval, der auch schon am Moskauer Bolschoi-Theater, am Teatro Colón in Buenos Aires und bei den Salzburger Festspielen aufgetreten ist, war die letzte Vorstellung der Oper von Umberto Giordano am Mittelsächsischen Theater eine Sternstunde.

Etwas Besonderes war der Abend auch, weil die Zuschauer erleben konnten, wie Gastsängerin Susann Hagel als Maddalena sowie die Ensemblemitglieder Elias Gyungseok Han als Gérard, Johannes Pietzonka als Incredibile, Dimitra Kalaitzi-Tilikidou, Alice Hoffmann, Sergio Raonic Lukovic, Kathrin Moschke und Gregor Rozkwitalski zu Höchstform aufliefen. "Unsere Sängerinnen und Sänger brauchen sich nicht zu verstecken", sagte eine Besucherin aus Freiberg nicht ohne Stolz. Am Ende der Vorstellung gab es mehrere Vorhänge, einmal ging der rote Vorhang offenbar aus technischen Gründen nur auf einer Seite zu. Die Theaterleute reagierten geistesgegenwärtig und ließen beim nächsten Mal den schwarzen Vorhang herunter.

Vollauf begeistert zeigte sich der Freiberger TU-Professor Michael Schlömann: "Es war großartig." Besonders habe ihm gefallen, dass die Inszenierung das Spannungsfeld zwischen Privatem und Politischem aufzeigte. Am eindrucksvollsten sei für ihn die Figur des Gérard gewesen - des Dieners und späteren Revolutionsführers, der Chénier letztlich doch noch begnadigen will, ihn aber nicht mehr retten kann. Helmuth Albrecht, ebenfalls Professor an der Bergakademie, rief mehrfach "Bravo". Er sagte: "Es war einfach toll." Bisher kenne er "Andrea Chénier", seine Lieblingsoper, nur als CD. Die Vorstellung könne aber durchaus mit den Tonaufnahmen mit prominenten Interpreten mithalten.

Am Montagmittag saß Hector Sandoval bereits wieder im Zug nach Wien, wo er wohnt. Und zwar "mit einem schönen Gefühl, denn ich habe viele Menschen glücklich gesehen", wie er auf Anfrage schreibt. Und der Tenor ergänzte: "Ich möchte mich herzlichst bei allen bedanken, alle waren sehr freundlich und nett zu mir. Es hat mich sehr gefreut, wieder Chénier singen zu dürfen." Er würde selbstverständlich wieder gern nach Freiberg kommen. "Vielleicht ergibt sich eine andere Opernproduktion oder ein Konzert." Sein großer Wunsch wäre ein Rezital, also ein Solo-Konzert. Nächste Woche fliegt Sandoval nach Mexiko, bevor er sein Debüt in der Titelrolle des "Stiffelio" von Verdi an der Neuen Oper in Moskau gebe.

Rund 350 Gäste hat der erste Silberball am Samstagabend im "Tivoli" gezählt. In der von den Freiberger Wirtschaftsjunioren und dem Tanzsportverein Schwarz/Weiß ausgerichteten Veranstaltung fanden drei Tanzturniere statt, bei denen insgesamt 27 Paare ihr Können zeigten. Laut Bianca Fijas-Seger von den Wirtschaftsjunioren ist der zweite Silberball im "Tivoli" am 21. November 2020 geplant. Überlegt werde, ob dann weniger Tanzpaare beim Wettbewerb antreten, damit die anderen Gäste mehr Gelegenheit zum Tanzen haben.

2020 ist Beethovenjahr.Der Geburtstag des Komponisten jährt sich zum 250.Mal. Aus diesem Anlass hat das Mittelsächsische Theater die einzige Oper Ludwig van Beethovens ins Programm aufgenommen. "Fidelio" erlebt am Sonnabend ab 19.30 Uhr seine Premiere. Und das Interesse der Zuschauer ist groß. Bei der Matinee am Sonntag gab es im Foyer im zweiten Rang keinen freien Platz mehr. Intendant Ralf-Peter Schulze bringt die Oper als konzertant-szenische Aufführung auf die Bühne. Die musikalische Leitung hat Raoul Grüneis, der Sopranistin Lindsay Funchal und die Tenöre Frank Unger und Johannes Pietzonka zur Matinee bei ihren Darbietungen auf dem Klavier begleitete. Musikdramaturg Christoph Nieder berichtete, dass Beethoven zehn Jahre lang an "Fidelio" arbeitete und drei verschiedene Fassungen komponierte. Als Vorlage diente die Oper "Léonore, ou L'amour conjugal" von Jean Nicolas Bouilly und Pierre Gaveaux aus dem Jahr 1798. Bei "Fidelio" handelt es sich um eine sogenannte Rettungsoper, denn die als Mann verkleidete Leonore rettet ja bekanntlich ihren inhaftierten Gatten. "Es ist ein epochales Werk", sagte Schulze. Da allerdings die Texte teils eher banal sind, habe sich das Theater für die Variante mit einer Erzählerin entschieden. Indem sie aus einem fiktiven Tagebuch liest, führt sie durch die Handlung. Zugleich bringt sie Texte von der Antike bis zur Gegenwart ein, etwa von Nelson Mandela, Bismarck und Volker Braun. Dass Sophia Pervilhac, eigentlich Regieassistentin und Abendspielleiterin, diese Rolle dank ihrer Schauspielausbildung ausdrucksstark ausfüllen kann, bewies sie bereits zur Matinee. (mit mer)

Für die Premiere am Samstag, 19.30 Uhr gibt es noch Karten. Im Anschluss gibt es eine Premierenfeier in der "Weinbar im Theater".

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...