Belchem plant Investition von rund 10 Millionen Euro

Die Firma produziert in Muldenhütten Fasern, die enorme Hitze aushalten. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Kleidung bis Flugzeugbau. Jetzt sollen neue Räume bezogen und Maschinen angeschafft werden.

Freiberg.

Die Belchem GmbH aus Freiberg ist in jedem modernen Haushalt präsent - davon ist Simone Friedrich überzeugt. "Unsere hitzebeständigen Fasern sind in jedem neueren Ceran-Kochfeld zu finden", sagt die Marketingbeauftragte des Unternehmens, das seine Produktionsstätte im Industriegebiet Muldenhütten hat. Noch stehen die Maschinen dort, deutet Friedrich an: "Wir sind derzeit in Verhandlung über neue Räumlichkeiten."

Welcher neue Standort favorisiert wird, sei derzeit noch nicht spruchreif - dazu will sich die Firma erst äußern, wenn die Verträge unterschrieben sind. Aber dass sie dringend mehr Platz benötigt, steht für die Firmensprecherin außer Frage: "Die Anwendungsmöglichkeiten für unser Produkt sind so vielfältig, dass wir jedes Jahr wachsen und mit der Herstellung gar nicht mehr nachkommen." Belchem stelle die weltweit einzige Faser her, die bis 1200 Grad Celsius aushalte: "Die lässt nichts anbrennen."


In besagten Kochplatten etwa sind die Fasern in die Isolatoren unter den Ceranfeldern eingebettet. Das Material fasst sich weich und fluffig an, es kratzt auch nicht wie Glaswolle. "Es handelt sich um eine textile Faser, die unbrennbar, ultraleicht und ungiftig ist", nennt Friedrich Vorzüge; sie könne zur Schalldämmung wie als Hitzeschutz eingesetzt werden. Mögliche Anwendungen gebe es sowohl in Automobilen und Flugzeugen, als auch in der Baubranche und selbst bei Matratzen und Gardinen in Hotels. Die drei Mitarbeiter der firmeneigenen Entwicklungsabteilung tüftelten daran, diese Palette zu erweitern. Dabei kooperiere man auch mit Unis und Forschungseinrichtungen.

Vom "Kaschmir der Industrie" spricht Belchem auf seiner Internetseite: "Belcotex-Garne und Zwirne lassen sich auf Standardtextilmaschinen zu innovativen technischen Textilien verarbeiten, die kaschmirähnlichen textilen Griff mit High-Tech-Produkteigenschaften für Anwendungen im Hitze- und Brandschutz, thermisch-akustischer Isolation, Filtration und Dichtung in sich vereinen."

An den Hochleistungsfasern hat Geschäftsführer Robin Richter eigenen Angaben zufolge schon während seines Studiums in den Labors der TU Bergakademie Freiberg geforscht. 1997 gründete er Belchem, der Elite-Gewerbepark in Brand-Erbisdorf war eine der ersten Adressen des Unternehmens. Inzwischen beschäftigt die Firma nach den Worten von Simone Friedrich 40 Mitarbeiter und will weiter einstellen: "Wir sind ständig auf der Suche nach guten Fachkräften." Gefragt seien unter anderem Chemieingenieure und Controller sowie Leute für den Vertrieb und die Schichtleitung.

Der Erfindergeist in der Firma ist kürzlich von der Compamedia GmbH prämiert worden: Die Belchem GmbH wurde für ihr Innovationsmanagement ausgezeichnet und gehört jetzt bundesweit zu den "Top 100" des Jahres. In den nächsten beiden Jahren sollen etwa 10Millionen Euro in neue Räumlichkeiten und Maschinen investiert werden, weiß Simone Friedrich. Bereits jetzt werde zu 85Prozent für den Export produziert. Die Lieferungen gingen an Kunden in 20 Ländern, darunter an große Namen aus den USA, Japan, China und Indien.


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Aus Sachsen haben es neben der Belchem GmbH in diesem Jahr unter die "Top 100" des Innovationsmanagements geschafft:

Volksbank Mittweida eG in der Branche Finanzen/Versicherung.

Edelstahl-Mechanik GmbH aus Göppingen/Haselbachtal in der Branche

Metallherstellung/-verarbeitung.

SDG Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH, Bereiche Transport/Logistik und Hotel/Gastronomie/Tourismus, Annaberg-Buchholz.

Qualifizierungszentrum Region Riesa GmbH, Bereich Weiterbildung.

Stadtwerke Görlitz AG im Feld Energie, Kommunal, Wassertechnik. (jan)

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