Bellmann: Geordneter Rückzug

Was kommt, wenn der Chef geht? Um Arbeitsplätze zu sichern und weiter große Aufträge stemmen zu können, hat sich die Metallbau- firma Bellmann mit einem Thüringer Metallbauer zusammengetan.

Brand-Erbisdorf.

Mc Donald's, VW, Mercedes: Wenn es um den Bau neuer Filialen oder die Modernisierung von Autohäusern geht, sind Fassaden, Stahl- und Alukonstruktionen gefragt. Einer der hiesigen Spezialisten dafür ist Metallbauer Steffen Bellmann aus Brand-Erbisdorf. Privatleute kennen ihn auch als Wintergartenbauer. Dabei macht der gewerbliche Bau 90 Prozent des Auftragsvolumens aus. 40 Mitarbeiter planen, konstruieren und bauen in der Firma Alusysteme-Metallbau Bellmann; 15 Monteure sind deutschlandweit im Einsatz, um die Teile zu montieren.

Damit das so bleibt, hat sich Firmengründer Steffen Bellmann (58) mit einem Metallbauer aus Thüringen zusammengetan. Im Dezember hat Versbach Metallbau aus Walldorf mit 90 Prozent die Mehrheitsanteile der Brander Firma übernommen. Steffen Bellmann, der 1990 die Metallleichtbaufirma in Zethau gegründet hat, behält 10 Prozent und bleibt technischer Geschäftsführer; auch der Firmenname bleibt. Er sagt: "Falls ich krank werde oder wenn ich in Rente gehe, will ich den Betrieb nicht einfach zuschließen." Weil sich aus den eigenen Reihen aber niemand findet, der das Unternehmen weiterführt, hat er fünf Jahre lang nach einem Investor oder Partner gesucht. Denn wenn er selbst 63, 64 Jahre alt ist, erzählt er, will er nur noch als Berater tätig sein. Mit dem Firmenanteil von 10 Prozent will er seiner Familie die Tür ins Unternehmen offen halten.


Derzeit steht in der Bellmann-Werkstatt im Gewerbegebiet Süd der Prototyp eines Eingangsportals, wie es künftig in rund 400 Mercedes-Autohäusern entstehen soll. "Wir werden die Portale nicht für 400 Häuser bauen. Das würden wir gar nicht schaffen. Aber der Prototyp, der wurde schon für gut befunden", sagt Uwe Haupt, seit Dezember neuer Betriebsleiter. Wann und wie viele der Portale in Brand-Erbisdorf gebaut werden, steht noch nicht fest. Aber: "Die Projekte bekommen mittlerweile eine Größenordnung, die für Einzelunternehmen schwierig zu stemmen sind", erklärt er.

Mit Großaufträgen hatte jüngst die Firma Metallbau Hetze in Neu-clausnitz Schiffbruch erlitten. Sie musste Insolvenz anmelden, unter anderem, weil es bei der Abarbeitung großvolumiger Aufträge in den vergangenen Jahren Verzögerungen gegeben habe und das wiederum Folgeprobleme mit sich brachte, erläuterte Ingo Schorlemmer Mitte Dezember die Gründe. Schorlemmer ist Sprecher der deutschlandweit tätigen, auf Unternehmenssanierungen spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Schultze & Braun.

Auch, damit das Bellmann nicht passiert, haben sich die beiden Firmen zusammengetan. "Sie sind sich sehr ähnlich. Daher ergeben sich Synergien und ein gemeinsamer Auftritt am Markt", erklärt Haupt.

Versbach Metallbau ist in der Branche bekannt: Im Jahre 1924 gegründet, spezialisierte sich das Unternehmen in der Nachkriegszeit auf Haustüren, Fenster und Vordächer aus Aluminium. Heute ist die Firma Spezialist im Geschäft mit Aluminium- und Keramik-Haustüren. Das passe gut mit den Fassaden zusammen, für die Bellmann wiederum Fachmann ist, bemerkt der Betriebsleiter.


26.000 Metallbaubetriebe in Deutschland

Laut Statistik des Deutschen Handwerkskammertags gibt es in Sachsen 1948 Metallbaubetriebe. Deutschlandweit sind es rund 26.000 Betriebe. Im ersten Halbjahr 2018 waren es 27.023 Firmen, davon rund 1000 im Nebenerwerb. Gut 800 Betriebe werden von Inhaberinnen geführt. (cor)

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