Bergstadtfest: Mitfeiern statt motzen

Beim Bergstadtfest bleibt die Stimmung friedlich. Das liegt am neuen Sicherheitskonzept, sagt der Oberbürgermeister. Die Besucher haben Verständnis für die Maßnahmen. Nur die Hitze ist tückisch.

Freiberg.

Eine Frage wird immer wieder gestellt an diesem Wochenende, so erzählen es die Sicherheitsleute. Was ist das für ein rot-weißes Teil, das an einer Stange an den sogenannten vier Sicherheitsinseln in die Luft ragt? Die Antwort ist einfach: Es ist eine Leuchte, damit die Anlaufpunkte für Besucher auch abends gut zu sehen sind. Zudem soll sie mit ihren markanten Farben den Gästen auch tagsüber erleichtern, die Posten zu finden.

Die Sicherheitsinseln sind die auffälligste Neuigkeit beim diesjährigen Bergstadtfest. Die Stadt hat sie in diesem Jahr aus der Taufe gehoben, um eine möglichst spannungsfreie Atmosphäre an den vier Festtagen garantieren zu können. Wann immer es ein Problem gibt: Das Personal an den Sicherheitsinseln soll der erste Ansprechpartner sein. So sieht es das neue Konzept vor. Die Stadt reagierte damit auf das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Besucher. Sie erarbeitete deswegen auch Ablaufpläne für Krisensituationen wie Massenpaniken oder Unwetter.

Rund 600.000 Euro kostet die mehrtägige Feier. Ein mittlerer fünfstelliger Betrag wird nach Angaben der Stadtverwaltung allein für die Sicherheit aufgewendet. Mehr private Ordnungskräfte als noch in den vergangenen Jahren sind im Einsatz. Auf den zentralen Plätzen wie dem Obermarkt sind sie mit ihren grell-gelben West nicht zu übersehen. Sie taxieren die Menge, versuchen mögliche Konflikte oder Gefahrenherde schnell zu erkennen.

Am Freitagabend ist das den Sicherheitskräften anscheinend gelungen. Auf dem Obermarkt habe sich eine Gruppe Männer auffällig verhalten, sagt eine Einsatzkraft. Seine Kollegen und er hätten beobachtet, wie die Gruppe sehr nah an Besucherinnen gestanden hätte und in deren Taschen spähte. Eine andere Gruppe stand mit ihnen per Handzeichen in Kontakt. Als die Männer bemerkt hätten, dass sie aufgefallen waren, wären sie weggegangen.

Man habe mit den Jahren ein Näschen dafür, wer Ärger machen könnte, sagt ein Ordner, der am Schlossplatz Dienst macht. Er kann es nicht genau beschreiben, "Mitunter sieht man es den Leuten an der Nasenspitze an", sagt er. Im Ernstfall werden diese Personen aus der Menge gefischt. Dann versuchen seine Kollegen und er, dem Übeltäter ruhig zur Räson zu rufen. Gelingt dies nicht, wird die Polizei eingeschaltet.

Häufig müssen die Kräfte am Samstagnachmittag nicht eingreifen. Das zeigt sich beispielsweise an der Sicherheitsinsel Ecke Obermarkt/Erbische Straße. Die Menschenmassen strömen hier vorbei, lachen die Sicherheitskräfte an und gehen freundlich weiter. Gelegentlich braucht es einen Hinweis der Aufseher. Eine Frau wird gebeten, ihren Mops an der kurzen Leine zu führen, wenn sie nun das Areal am Obermarkt betritt. Der Besitzer eines Bernasenners wird darauf hingewiesen, dass sein Hund einen Maulkorb tragen müsste. "Die Leute haben sonst Angst", erklärt ihm der Sicherheitsmann die Auflagen der Stadt. Da ein Maulkorb aber nicht bei der Hand ist, müssen Hund und Herr wieder umdrehen. Es wird nickend akzeptiert.

Wilde Diskussionen gebe es kaum, berichten die Sicherheitsleute. Beim Bergstadtfest seien die Leute entspannt und nicht aggressiv. "Es ist Ferienanfang", sagt eine Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes. "Da sind alle entspannt." Bei anderen Einsätzen - beispielsweise bei Spielen von Dynamo Dresden - sei das anders. Dennoch ist das Volksfest für die Sicherheitskräfte eine Herausforderung, wie der Einsatzleiter des von der Stadt beauftragten Sicherheitsdienstes erläutert. Die Vielzahl von Menschen, die in die Altstadt strömt, der Ausschank von Alkohol mache die Sache nicht unbedingt einfacher. Aber die Stadt Freiberg habe mit ihrem neuen Konzept sehr gute Vorarbeit geleistet.

Auch Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) ist glücklich. Das Sicherheitskonzept der Stadt sei voll aufgegangen, sagt er, es habe keine großen Vorkommnisse gegeben. "Die Freiberger haben gezeigt, wie man friedlich ein Fest feiern kann." Er danke zudem allen Helfern. Dennoch will das Rathaus im kommenden Jahr an einer Stelle nachjustieren. Die Polizeiverordnung wolle man dann mehrere Wochen früher bekanntmachen und so auf die Taschenkontrollen für das Samstagskonzert auf dem Obermarkt oder das Glasflaschenverbot rechtzeitig hinweisen. Wahrscheinlich würde die Verordnung dann schon auf die Werbe-Faltblätter für das Bergstadtfest gedruckt, sagt Krüger.


Publikumsmagnet: Mehr Gäste als in den Vorjahren

Mehr als 100.000 Menschen haben das diesjährige Bergstadtfest besucht: Davon geht die Stadtverwaltung Freiberg aus. Wahrscheinlich wären sogar mehr Gäste als in den vergangenen Jahren zur mehrtägigen Feier gekommen, sagte Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) am Sonntagnachmittag. Beim Bergstadtfest 2016 hatte die Stadt die Besucherzahlen auf 100.000 Gäste geschätzt.

OB Krüger macht den gesteigerten Publikumszuspruch in diesem Jahr an seinen und den Beobachtungen seiner Mitarbeiter fest. Beispielsweise sei die Innenstadt am Samstagabend mehr als gut gefüllt gewesen. "Die Straßen waren bis 24 Uhr proppevoll", sagte das Stadtoberhaupt. Außerdem habe das Publikum am Samstagabend auch die kleinen Bühnen abseits des Obermarktes sehr gut besucht.

OB Krüger lobte darüber hinaus den Auftritt des Sängers Johannes Oerding am Samstag vor rund 8000 Zuschauern. Die Stimmung während seiner Show sei die beste auf dem Obermarkt gewesen, seitdem dort am Samstagabend ein Topact auftritt. (kok)


Ein Wasser ist manchmal die Rettung

Von Jonathan Rebmann

Auf um die 30 Grad Celsius kletterte das Thermometer am Samstag und am Sonntag. Es war heiß auf dem Bergstadtfest - im Gegensatz zum verregneten Start am Donnerstag.

Nass ist die Straße am Mittelaltermarkt, nachdem der Gaukler Kerze mit einem Wasserschlauch den Boden nass spritzt. "Der Teer ist zu heiß, da kriegt man eine Macke", erklärt der Spielmann. Jetzt kann das Schauspiel losgehen. Aber vorher wollen noch ein paar Besucher abgespritzt werden. Wasser marsch!

Die Eisverkäufer dürften sich über das heiße Wetter und damit mehr Kundschaft freuen. Doch der Softeisverkäufer Claudius Richter befürchtet das Gegenteil: "Wenn es zu heiß ist, kommt keiner zum Eis- essen, da schmilzt das Eis weg."

Erschöpfend wirkt die Hitze. "Endlich sitzen", sagt ein Mann, als er einen freien Platz auf der Sitzbank ergattert. Hier kann er in Ruhe ein Eis schlecken. Viele freuen sich über das Wetter. "Wunderbar", sagt eine junge Frau an der Petrikirche.

Trinken Besucher mehr Bier, wenn es heiß ist? Ein Mitarbeiter der Stadtwirtschaft ist mit dem Wetter zufrieden: "Es läuft gut, die Leute haben Spaß." Der Bierverkauf laufe aber eher durchschnittlich. "Abends ist meistens mehr los", erklärt er. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist an dem Festwochenende aber nur sporadisch im Einsatz. "Die Besucher haben die Hitze gut verkraftet", sagt Einsatzleiter Jörg Rehwagen. Von Freitag bis Sonntagnachmittag zählt er 33 Vorfälle. "Das meiste waren Bagatellen", erklärt er. Das Rote Kreuz hat dennoch vorgesorgt: Mit rund einem Dutzend ehrenamtlicher Helfer ist die schnelle Einsatzgruppe des DRK in Freiberg stationiert.

Unerbittlich strahlt die Sonne am Sonntagmittag vom Himmel, als die Bergparade Position auf dem Obermarkt bezieht. Schatten gibt es keinen. Die Teilnehmer zerfließen förmlich in ihren schwarzen Uniformen. Nach dem Ende der Aufwartung lechzen sie deswegen nach einer Abkühlung. Die meisten entledigen sich ihrer Uniform und trinken gierig Wasser oder ein Bier.

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