Birkhuhnschutz: Pflegearbeiten am Klugehübel sollen beginnen

Auf etwa elf Hektar Wald bei Neuhausen könnten demnächst große Fichten fallen. Eine lockere Waldstruktur ist laut Umweltministerium angedacht.

Neuhausen.

Im vierten Quartal sollen am Neuhausener Klugehübel Pflegemaßnahmen im Wald erfolgen, um dem gefährdeten Birkhuhn besseren Lebensraum zu schaffen. Das hat das Sächsische Umweltministerium auf Nachfrage der "Freien Presse" mitgeteilt.

Seit längerem gibt es eine Debatte um den Schutz der Tiere am Erzgebirgskamm. Verloren gegangene Heidelandschaften und Freiflächen in Wäldern haben die Lebensräume der Raufußhühner immer weiter verdrängt. Das Birkhuhn ist vom Aussterben bedroht und in Deutschland streng geschützt. Auf Drängen von Umweltschutzvereinen wurde in Sachsen ein Artenschutzprogramm aufgelegt. Lediglich etwa 50 Birkhühner soll es im sächsischen Erzgebirge noch geben.

"Insgesamt soll eine Fläche von 11,3 Hektar bearbeitet werden. Das ist die Fläche, auf der Maßnahmen durchgeführt werden, das ist nicht der Umfang des Einschlags", erklärt Ministeriumssprecher Robert Schimke. Nach seinen Worten werden nicht alle Bäume auf der Fläche eingeschlagen, sondern die Bestände sollen durch das Fällen - vor allem von großen Fichten - aufgelichtet werden. "Laubbäume wie Birken und Ebereschen und teilweise kleinere Fichtengruppen sollen stehen bleiben, sodass eine lockere Waldstruktur entsteht", erklärt er. Alle diesjährigen Maßnahmen sollen am Klugehübel stattfinden.

Neuhausens Bürgermeister Peter Haustein (parteilos) hatte sich wie auch Touristiker aus der Gemeinde dagegen gewandt, dass durch Abholzen von Waldflächen am Klugehübel Freiflächen geschaffen werden. Haustein, selbst Mitglied der regionalen Arbeitsgruppe für das Birkhuhnaufkommen, meint, es seien ausreichend Flächen und Ruhebereiche für das Birkwild vorhanden. "Es ist unklar, ob die Maßnahmen wirklich etwas bringen", sagte er. Mit Blick auf die Proteste von forstlichen Verbänden entlang des Erzgebirgskammes bis ins Vogtland will er sich weiterhin mit Vertretern, Naturschützern und Touristikern seiner Gemeinde für den Erhalt des Waldes am Klugehübel einsetzen.

Mehr Schutz für die gefährdeten Tiere fordern hingegen die Erzgebirger der Fachgruppe Ornithologie Neuhausen/Olbernhau, die sich laut Tobias Hahn seit über 60 Jahren mit der heimischen Vogelwelt befassen. Der Ornithologe spricht von fünf Arbeitsgruppen in den Kammregionen, in denen noch Birkhühner existieren. "Hier geht es vorrangig um die Bewahrung und Erweiterung des Lebensraumes für die Hühner, durch einen angepassten, naturnahen Waldaufbau, wo auch den Laubgehölzen wieder mehr Raum gegeben wird", sagt er. Unstrittig sei dieser Lebensraum das ausschlaggebende Kriterium für den Erfolg. Der Schutz des Birkhuhnes stelle jedoch keine isolierte Maßnahme dar, sondern diene auch anderen Vogelarten wie Neuntöter, Raubwürger, Bekassine und Wachtelkönig. "Die unterschiedlichen Waldstrukturen erhöhen die Attraktivität nicht nur für erholungssuchende Touristen", erklärt Tobias Hahn.

Im Westerzgebirge, wo es ähnliche Diskussionen um das Birkhuhn gibt, hatte sich Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen) im Sommer vor Ort einen Überblick verschafft und zwischen Waldschützern und Ornithologen vermittelt. Das Ergebnis: Die für dieses Jahr vorgesehene Vergrößerung zweier vorhandener Balzplätze in der Region soll von fünf auf 0,1 Hektar, die punktuelle Auflichtung der parallel vorhandenen Sommerhabitate des Birkhuhnes von insgesamt acht auf sechs bis sieben Hektar reduziert werden.

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