Blühwiesen: Geht das Konzept auf?

Die Streifen mit Sommerwicke und Sonnenblumen sind in Mittelsachsen im Trend. Doch es gibt auch Fragen.

Großschirma.

Oasen für Bienen und andere Insekten: Blühwiesen sind auch in Mittelsachsen im Kommen. Zwischen Neuhausen und Rochlitz wachsen derzeit auf einer Gesamtfläche von 7764 Hektar Blühwiesen - und werden gefördert. Hinzu kommen Areale mit Sommerwicke und Sonnenblumen, für die keine Gelder mehr fließen, weil diese ausgeschöpft sind.

Am Freitag findet der Aktionstag "Wir machen das Land bunter" des Deutschen Bauernverbandes statt. Deshalb kommt Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) nach Großschirma. Denn Landwirt Gunther Zschommler hat bei Langhennersdorf jetzt eine Blühwiese. Und zwar eine, für die er keine Agrarumweltprämie bekommt, wie er sagt.


Ein bisschen kam der Bauer aus Großschirma zu der Blühwiese wie die Jungfrau zum Kind. Zschommler sitzt für den Regionalbauernverband (RBV) im Kreistag. Bei einer Gesprächsrunde mit Kreisräten in der Freiberger Pressetonne löcherte ihn eine Schülerin, was er denn gegen das Insektensterben unternehme. Spontan sagte Zschommler das Anlegen einer Blühwiese zu und bot an, dass dafür Patenschaften übernommen werden können. Im April wurde die Honigpflanzen-Blühmischung auf dem einen Hektar großen Acker - das sind anderthalb Fußballfelder - verteilt. Doch Paten meldeten sich noch nicht.

Geht das Blühwiesen-Konzept auf? Dass es viele Fragen gibt, zeigen die Reaktionen zum Beitrag "Bauer legt Blühwiese an" im sozialen Netzwerk Facebook und auf der Internetseite der "Freien Presse". Viele Leser begrüßen die Initiative ("Manchmal geht Umweltschutz einfacher, als man denkt"), andere sehen sie kritisch. Ein Nutzer moniert, dass Patenschaften für 50 Cent pro Quadratmeter angeboten werden. Das höre sich "nach einer Goldgrube" an. 5000Euro für einen Hektar seien eine stolze Ansage. Zschommler erwidert: Durch die Blühwiese büße er Einnahmen "in der Größenordnung der jährlichen Nutzung eines Mittelklassewagens" ein.

Das sieht Peter Köhler, der Chef des RBV Westsachsen, zu dem die Stadt Chemnitz, der Landkreis Zwickau und der Altkreis Mittweida gehören, ähnlich. "Die Kosten für die Blühfläche - Pacht, Steuern, Saatgut und Einkommensverlust - können nicht vom Landwirt allein getragen werden." Sein Verband hatte deshalb Ende März eine Aktion mit Bienenpatenschaften gestartet. Im Chemnitzer Stadtteil Stelzendorf war die Resonanz so enorm, dass der Agrarbetrieb "Unteres Erzgebirge" die erst ein Hektar große Blühfläche auf 2,75Hektar vergrößerte. "In Chemnitz sind leider keine Patenschaften mehr möglich", so Köhler. In Kirchberg südlich von Zwickau legte die Lawi Agrar GmbH Hirschfeld eine zwei Hektar große Fläche an, die zur Hälfte durch Patenschaften abgesichert sei. Und für die 3000 Quadratmeter große Blühwiese der Landwirtschaftsgenossenschaft Ottendorf habe sich bisher nur ein einziger Pate gemeldet.

Ein Internetnutzer fragt: "Was nützt das, wenn die Bauern immer noch mit ihrer Giftspritze über die Felder fahren und der Wind es breit trägt?" Landwirt Zschommler verweist auf den Einsatz einer speziellen Technik. Zudem dürfe bei höheren Windgeschwindigkeiten kein Pflanzenschutzmittel auf die Felder gebracht werden. Grundsätzlich gelte: "Wenn Pflanzen an Krankheiten leiden, müssen sie behandelt werden - genau wie Tiere und Menschen." Eine Frau fragt, ob das Areal bei Langhennersdorf langfristig als Blühfläche genutzt werden soll. Zschommler verneint dies. Aber er werde nächstes Jahr eine dauerhafte Blühfläche an einer anderen Stelle anlegen, verspricht der Bauer.

Dass eigentlich gar keine Blühstreifen nötig sind, schreibt ein weiterer Internetnutzer. Es würde reichen, die Flächen nur ein- oder zweimal im Jahr zu mähen und nicht zu düngen. Dazu Zschommler: "Stimmt, jeder kann in seinem Vorgarten etwas tun und eine Blühwiese anlegen. Da sind nicht nur wir Landwirte gefordert." Dem stimmt Manfred Uhlemann, Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Landesverbandes und zugleich selbst Imker, zu: Jeder könne Insekten Nahrung anbieten - ob es die Blumen auf dem Balkon, im Garten am Haus oder auch in der Parzelle in der Kleingartensparte seien. Die Imker wünschten sich für ihre Bienen ein möglichst artenreiches Grünland und Kulturen auf den Feldern, die im Sommer und im Herbst blühen.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    1
    Nixnuzz
    16.05.2019

    Solange Geld nach Fläche verteilt wird und Verbandsmenschen mehrere Funktionshüte tragen und ausüben, kriegen wir das nicht gebacken. Nur bei der Kraft der Großbauern-Lobby bleiben jegliche Strukturveränderungen heilige Wünsche. Ob ein CSU-EU-Präsident da was gegen seine eigenen Leute bewirken würde??...??

  • 3
    1
    Tauchsieder
    15.05.2019

    Ich möchte hier kein tiefschürfenden Dialog inszenieren, lediglich noch eine letzte Erwiderung von mir auf ihre Anmerkung.
    Ich mache es mir nicht einfach, einfach machen es sich die Bauern. Fließt Geld wird's gemacht, fließt keins lassen wir die Finger davon. Wenn es sich jemand einfach macht sind es die Bauern. Das ist nicht ein Zeichen aus der Gesellschaft, dass sind einfach monetäre Interessen der Bauern. Auch ohne Blühwiesen bewegen die sich im Rahmen der Gesetze. Man sollte hier nicht zu viel eigenes Wunschdenken hineininterpretieren, die Sache ist ganz einfach auf den Punkt zu bringen - Geld!!!

  • 6
    1
    saxon1965
    15.05.2019

    @ Tauchsieder, sie machen es sich zu leicht.
    Ich finde, diese Blühwiesen sind letztlich auch ein Zeichen aus der Gesellschaft, dass es so nicht weiter gehen darf.
    Dass die Landwirtschaftsbetriebe auf ihre Einnahmen achten müssen, können sie denen nicht zum Vorwurf machen. Sie bewegen sich im Rahmen der Gesetze und der s. g. Marktwirtschaft. Aber vielleicht sollte man Gesetze und Wirtschaft ändern?

  • 4
    3
    Tauchsieder
    15.05.2019

    Das mit den Blühwiesen ist lediglich ein ökologisches Feigenblatt. Sobald die Fördermittel dafür eingestellt werden ist der alte Zustand wieder da. Hier will irgendwer irgendjemand ein X vors U machen. Leider fallen viele darauf rein.

  • 4
    1
    saxon1965
    15.05.2019

    Sorry, aber ich muss schon wieder auf dem Thema rumhacken...
    Meiner Meinung nach regiert man schon längst an des Volkes Belangen/Interessen vorbei. Deshalb bin ich für wesentlich mehr Direkte Demokratie.
    Auch bei diesem Thema stehen sich Artenvielfalt, Volksgesundheit, Profite, Lobbyismus u. a. m. im Weg bzw. im Widerspruch. Das wird man mit heutigen Methoden auch nicht prinzipiell ändern. Es muss endlich grundlegend gefragt werden: Was nützt der Allgemeinheit, welche Kompromisse will der Bürger eingehen ohne dass stets der Profit Einzelner im Vordergrund steht. So ist es auch in der Landwirtschaft, die unter wirtschaftlichen Zwängen durch Subventionspolitik und Globalismus steht.
    Hätten die Quandts und VW-Aktionäre dieser Welt auf ihre wahnsinnigen Renditen verzichtet, hätten wir alle vielleicht gesündere Fortbewegungsmittel.



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