Bobritzsch-Hilbersdorf gibt sich Fahrplan

In der Gemeinde lebt es sich gut. Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein. Daher wurde jetzt in einem Papier verankert, was in kommenden Jahren angepackt werden sollte.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Es war ein ordentlicher Schlussspurt. Daran hat Volker Haupt in der jüngsten Gemeinderatssitzung keinen Zweifel aufkommen lassen. Damit zielte der CDU-Bürgermeister von Bobritzsch-Hilbersdorf auf die Fertigstellung des Dorfumbauplanes, der durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Steg seit Mitte 2017 erarbeitet worden war. Zunächst galt es eine Bestandsaufnahme zu machen. Anschließend wurden in Arbeitsgruppen, bestehend aus Gemeinderatsmitgliedern, Einwohnern und Mitarbeitern der Verwaltung, Inhalte und Maßnahmen festgelegt. "Wesentlich war vor allem die Bürgerbefragung im vergangenen Jahr", sagte Martin Neumann, Planer bei der Entwicklungsgesellschaft. "Diese ergab einen für uns überraschend hohen Rücklauf."

An der Diskussion zum Dorfumbauplan konnten sich während der Gemeinderatssitzung auch Einwohner beteiligen. Jonas Schönlebe fragte an, ob die rund 30 Wohn- und Betriebsgebäude, die als Brachen im Plan aufgeführt sind, nun möglicherweise abgerissen werden könnten. "Der Dorfumbauplan ist kein Dogma, sondern ein Leitfaden für den künftigen Gemeinderat und den neuen Bürgermeister", stellte Haupt klar. "Wir setzen uns keinesfalls über rechtliche und denkmalschützerische Aspekte hinweg." Martin Neumann betonte, dass für Rückbau oder Sanierung jeweils Fördermittel zur Verfügung stehen. Er appellierte mehrfach, dass die konsequente Nutzung von Fördermöglichkeiten ein wesentlicher Aspekt für die Umsetzung der Vorschläge sei. Der Dorfumbauplan wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Torsten Kleditzsch

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Gut 190 Seiten des Dorfumbauplanes sind auf der Internetseite der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf jetzt einsehbar. Die "Freie Presse" fasst wichtige Punkte zusammen.

Bauen und Wohnen: Hier werden der Gemeinde vor allem gute Standortbedingungen attestiert. Die Nähe zu Freiberg wirke sich positiv aus. Die Wohngebäude befinden sich in einem mehrheitlich guten Zustand und die Möglichkeiten, sich als familienfreundlicher Wohnort zu profilieren sind gegeben. Es fehlt allerdings an Mietwohnungen und Angeboten für Senioren. Als ein Schwachpunkt wird die Hochwassergefahr für einige Gemeindegebiete ausgemacht. Als wesentlich für die Zukunft werde unter anderem die Revitalisierung ehemaliger Ortszentren wie etwa des alten Gasthofes "Erbgericht" in Oberbobritzsch empfohlen.

Verkehrsinfrastruktur: Auch die Verkehrsanbindung wird als gut bewertet, wenngleich diese nicht in allen Ortsteilen dieselbe Qualität aufweist. Neben der guten Anbindung der nördlichen Gemeindeteile an Mittel- und Oberzentren wie Freiberg und Dresden über die B 172 wird der Anschluss an das Schienennetz als besonderer Standortvorteil gewertet. Negativ zu sehen sei aber, dass zur Bewältigung der kürzeren Wege innerhalb der Gemeinde nicht ausreichend sichere Fuß- oder Radwege zur Verfügung stehen. Auch sei das ÖPNV-Angeobt abseits der Schulbusverbindungen und an den Wochenenden sehr ausgedünnt. Angeregt wird die Schaffung von weiteren Park- und Unterstellmöglichkeiten im Bahnhofsumfeld. In diesen Zusammenhang passt, dass die Gemeinderäte am selben Abend dem Erwerb des Bahnhofsvorplatzes in Niederbobritzsch zum Preis von gut 3.100 Euro zustimmten.

Tourismus: Der Landkreis Mittelsachsen ist als touristischer Hotspot weniger bekannt. In Bobritzsch-Hilbersdorf gibt es mit einem Hotel, zwei Pensionen und sieben Anbietern von Ferienwohnungen knapp 70 Betten für Gäste. Hinzu kommen in Naundorf ein Campingplatz sowie das Kinder- und Jugendcamp. Alles in allem spielt der Tourismus eine untergeordnete Rolle. Trotzdem sollte vor allem das Potenzial, welches die Nähe zum Tharandter Wald bietet, künftig viel intensiver genutzt werden, etwa durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Ein durchgehender Radwanderweg könne zusätzlich Besucher anlocken. Der Erhalt des Freibades in Naundorf, die Ertüchtigung des "Hohen Hofes" in Hilbersdorf oder der Aufbau und Erhalt von Wanderwegen werden für die Zukunft angeregt.

Wirtschaft: Um die heimische Wirtschaft ist es dem Papier zufolge ebenfalls gut bestellt. Besonders das Gewerbegebiet Ost erfülle alle Voraussetzungen für die Ansiedlung weiterer Unternehmen. Überhaupt sollten bestehende Gewerbestandorte erweitert und geeignete Brachflächen wiederbelebt werden. Doch ohne die passende Infrastruktur geht das nicht. Das schnelle Internet sollte in der Gemeinde verfügbar sein, zudem sollten die regionalen Verkehrsanbindungen je nach Bedarf ausgebaut werden.

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