Brand-Erbisdorfer Kinder erobern neuen Bergbaugarten

Unter freiem Himmel sollen Besucher am Huthaus "Einigkeit" nacherleben, wie ihre Vorfahren einst unter Tage schuften mussten. Der Anfang dafür ist getan.

Brand-Erbisdorf.

Rund 60 Brand-Erbisdorfer Ferienkinder haben sich am Mittwoch auf Bergmannspfade begeben. Organisiert vom Kinder- und Jugendfreizeitzentrum (Jufz) besuchten sie das Museum "Huthaus Einigkeit" auf der Reußenhalde, wo sie, aufgeteilt in drei Gruppen, entweder Filmaufnahmen von der Welt unter Tage in 3D erlebten, auf Schatzsuche gingen oder die Exponate der Ausstellung bewunderten. Und dann war da noch eine Premiere. Denn sie waren die ersten, die den neuen Bergbaugarten betreten und benutzen durften.

So ganz fertig ist dieser Garten noch nicht, obwohl schon viel geschehen ist. Die Parzelle direkt vor der Tür des Huthauses war erst Anfang des Jahres von ihrem bisherigen Pächter aus Altersgründen nach Jahren der Nutzung für die Gemüse- und Blumenzucht an das Museum zurückgegeben worden. Damit stellte sich die Frage, was man mit der Fläche anfangen solle. Schnell war die Idee des Bergbaugartens geboren, erzählt Frank Brendler vom Verein Historischer Bergbau Brand-Erbisdorf. Der Grundgedanke ist, dass man unter freiem Himmel mehr Möglichkeiten hat, Kindern und Jugendlichen, aber ebenso Erwachsenen, die Arbeit der Menschen unter Tage nahe zu bringen.

Die Gestaltung nahm ihren Anfang kurz nach dem Stadt- und Haldenfest, das im Juli auf der Reußenhalde stattfand. Zahlreiche helfende Hände machten sich daran, Sträucher und andere Gewächse zu entfernen und so eine grüne Fläche zu schaffen. Vor kurzem verfrachtete man dann ein paar große Brocken Gneis- und Quarzgestein darauf. "Entstehen soll letztlich ein regelrechter Bergbauparcours", erzählt Frank Brendler. "Der illustriert dann den Weg des Erzes aus dem Schacht bis hin zur Verarbeitung." Dafür hat man bereits einen Grubenhunt erworben, für den im Laufe des Jahres noch Schienen verlegt werden. Aus einem früheren Unterstand wird eine Kaue, in der eine Scheidebank zu finden sein soll. Damit nicht genug. Inzwischen konnte der Verein einen Amboss erwerben, was gar nicht so einfach war. "Wer hier in der Region einen hat, der gibt ihn nicht her", sagt Brendler. "Deshalb mussten wir einen im Internet finden." Aus dem Ort Schleife in der Lausitz brachte man den Amboss nach Brand-Erbisdorf. Damit man zu Demonstrationszwecken auch einen Glutofen hat, in dem man Eisen erhitzen kann, steuerte der Obi-Baumarkt einen Kamin bei. Alle anderen Anschaffungen finanziert der Verein selbst oder mittels Spenden.

Thomas Maruschke, Museumsleiter des Huthauses, zeigte den anwesenden Kindern gleich einmal die Möglichkeiten des Bergbaugartens. Er demonstrierte, wie schwer es ist, nur mit recht einfachen Werkzeugen durch den Stein zu kommen.

Heike Lorenz, Leiterin des Jufz, schaut dabei ebenfalls genau zu. Sie ist froh über dieses neue Angebot auf der Reußenhalde. "Geschichte muss doch zum Anfassen sein", sagt sie. "Und hier können die Kinder ganz direkt über den Bergbau der Region lernen." Das sei außerdem für die Spurensuche-Projekte des Jufz sehr wichtig. Dabei erkunden Kinder und Jugendliche auf Bergbaupfaden ihre Region und deren Geschichte.

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