Brauerei bald Vergangenheit

Die Industriebrache in Sayda wird abgetragen und entsorgt. Seit Tagen sind die Bagger im Einsatz und fressen sich durch die maroden Gemäuer. Ununterbrochen fahren Laster den Schutt weg.

Sayda.

Seit dem Großbrand im Januar 2014 ist die alte Brauerei in Sayda verloren. 104 Feuerwehrleute rückten mit 16 Fahrzeugen an, um die Flammen in dem dreigeschossigen Gebäude zu löschen. Nachbarn wurden sicherheitshalber evakuiert. Zum Teil mussten die Kameraden Löschwasser sogar von außerhalb herbeischaffen, um der Flammen Herr zu werden. Das Gebäude hatte stark gelitten: Das Dach stürzte ein, danach standen teils nur noch die Außenmauern. Die Polizei ermittelte vorsätzliche Brandstiftung als Ursache.

Der Brand in der ehemaligen Brauerei sei an mehreren Stellen ausgebrochen, hieß es aus der Polizeidirektion Chemnitz. Allerdings konnte kein Täter ermittelt werden, sodass das Verfahren gegen unbekannt an die Staatsanwaltschaft Chemnitz zur weiteren Bewertung abgegeben wurde, wie ein Polizeisprecher erklärte. Die Staatsanwaltschaft wiederum stellte das Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung am 5. September 2014 nach den Worten ihrer Sprecherin ein.

Heinz Langer ist 82 Jahre alt und lebt seit 1968 in Sayda. Er wohnt nicht weit entfernt von der Brauerei-Ruine. Von dem Großbrand weiß er heute noch zu erzählen. Evakuiert wurde er damals nicht. Die Limo, die damals bis zur Schließung der Brauerei hergestellt wurde, kennt er aber noch. "Jetzt ist es gut, dass hier endlich mal wieder Platz wird. Viele haben sich aufgeregt", erzählte er am sonnigen Freitagmittag. Denn nun, fünf Jahre nach dem Brand, wird die Ruine endgültig abgerissen. Zwar war das schon im Frühjahr 2018 angedacht, doch mussten zunächst noch statische Untersuchungen gemacht werden. Dann begannen die Arbeiten im Dezember, wurden aber unter anderem wegen des Schnees unterbrochen. Seit Mittwoch geht es weiter.

Das Gebäude hatte ein in Ägypten lebender Mann via Internetauktion ersteigert. Jahrelang wurde es durch die Stadt gesichert. Doch weil es einsturzgefährdet ist und Gefahr von dem maroden Gebäude für die öffentliche Sicherheit ausgeht, muss die Kreisverwaltung ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen; das heißt: Abriss. "Alle Versuche, zum im Ausland lebenden Eigentümer Kontakt aufzunehmen, waren erfolglos", hatte eine Sprecherin des Amts im April vorigen Jahres erklärt. Nachdem nun alle Fristen verstrichen sind, lässt der Landkreis die Reste der Brauerei als eine sogenannte Ersatzvornahme abreißen.

"Das hatten wir in einem anderen Fall schon einmal in der Stadt", sagt Saydas Bürgermeister Volker Krönert (CDU). Da es ebenfalls nicht möglich war, zu dem Besitzer des Gebäudes, von dem Gefahr ausging, Kontakt aufzunehmen, ließ der Landkreis es ebenfalls abreißen. Mit den Kosten wurde das Grundstück belastet.

Volker Krönert geht im Fall der Brauerei von einem ähnlichen Szenario aus. Auch die Stadtverwaltung hatte versucht, den Besitzer ausfindig zu machen, denn er müsste eigentlich Grundsteuer zahlen. "Das ist nicht gelungen", sagt Krönert.

Mit den Kosten von laut Landkreis etwa 160.000 Euro für den Abriss und das Begradigen der Fläche werde das Brauerei-Grundstück belastet. Etwa 1700 Tonnen Bauschutt müssten entfernt werden, bis zu drei Wochen könnten die Arbeiten laufen. Wenn der Landkreis auf seinen Kosten sitzen bliebe, der Besitzer nicht zahle, falle die Fläche in einiger Zeit an den Freistaat zurück und komme dann in die Zwangsversteigerung. Aus Sicht von Volker Krönert ist das Grundstück gut als Wohngebiet oder Standort für Kleingewerbe geeignet. (mit fhob)


Seit 15 Jahren Leerstand

Die Geschichte der Brauerei in Sayda geht bis 1442 zurück. Damals existierte um Sayda eine Biermeile. In den Orten durfte nur Saydaisches Bier verkonsumiert werden. Später war die Brauerei eine Braugenossenschaft, die 1894 aufgelöst wurde. Braumeister Glöckner aus Neuhausen kaufte das Vermögen der Genossenschaft. Am 20. Februar 1902 brannte ein Großteil der Brauerei nieder. Sie wurde wieder aufgebaut. Späterer Besitzer war Hugo Spielberg, bis 1971 sein Sohn Hans. Bis zur Schließung wurden Mineralwasser und Limonade hergestellt und Bierhandel betrieben. Der letzte Mieter zog 2004 aus. (ar)

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