Bürgerforum zur Wahl: "Redet mit Leuten!"

Wahlen 2019: Verkehr, Umweltschutz und Lehrermangel waren beim Wahlforum bestimmende Themen. Eine vierfache Mutter hatte eine große Bitte an die Politiker.

Brand-Erbisdorf/Freiberg.

Politiker an die Basis! Diese Botschaft richtete Sandra Krones aus Oederan an die Landtagskandidaten im Wahlkreis 18. Sieben Anwärter hatten sich zahlreichen Fragen der Moderatoren und von über 50 Besuchern des Bürgerforums in Brand-Erbisdorf gestellt. Da bat Sandra Krones ums Mikro: "Alle, die sich um unsere Zukunft kümmern", bat sie die Direktkandidaten, sollten "mit den Leuten reden, die es betrifft."

Krones nahm Bezug auf die Themen des Abends, die sie als vierfache Mutter betreffen, darunter die Bildungschancen für ihre Kinder: Wie kann es sein, dass ihr Fünftklässler mehr Unterricht hat als der Zehntklässler? Inklusion sei ein gutes, wichtiges Thema, griff Krones ein weiteres Thema auf. "Aber mit 26Kindern ist das nicht machbar."


Volle Schulklassen, Lehrermangel und Anforderungen an gut gebildete Schüler waren zuvor Schwerpunkte. "Uns fehlt eine ganze Generation Lehrer", so Oberschulleiterin Martina Kilian unter Beifall. Die Folgen spürt auch SPD-Mann Sylvio Wyschkon, dessen Kind eingeschult werde - mangels zweitem Lehrer mit 31Kindern in einer Klasse.

Susan Leithoff räumte Fehler der regierenden CDU ein: "Wir hatten eine Komfortzone, die zu Zufriedenheit und Stillstand geführt hat. Doch die Zeiten sind vorbei", antwortete die Schönerstädterin auf eine Frage. Habe die Koalition zunächst dem Lehrermangel unter anderem durch Verbeamtung entgegengewirkt, so könne es jetzt um die inhaltliche Arbeit gehen.

Besonders die Frage, welches Grundwissen wie zu vermitteln ist, wurde diskutiert. Romy Penz (AfD) hält für wichtiger, dass Schüler erst einmal richtig rechnen und schreiben können, ehe sie mit dem Tablet arbeiten. Die Flöhaerin warnte, durch Digitalisierung könnten soziale Kompetenz und Werte verloren gehen. Bewährtes bewahren will Werner Helfen (FDP), aber sich auch Neuem öffnen. Auch Sylvio Wyschkon sprach sich für eine Mischung aus Grundwissen und Technikbildung aus. Sebastian Walter (Grüne) setzt sich darüber hinaus für die Vermittlung modernster Inhalte ein. Toni Christoph (Linke) will zudem den Umgang mit Medien und Digitalisierung schulen, damit Schüler Informationen bewerten können. Leithoff will Digitalisierung nutzen, damit Grundwissen umfassend vermittelt wird.

Penz, stellvertretende Kreischefin der AfD, sprach sich auch bei Klimaschutz und Forderung nach Senkung des Kohlendioxidausstoßes gegen staatliche Einflussnahme aus, um Klimawandel zu verlangsamen: Hysterie deindustrialisiere das Land,warnte sie vor Versorgungsunsicherheit und sieht Deutschlands Einfluss im globalen Vergleich begrenzt. Dafür erntete sie Widerspruch. Leithoff bezeichnete es als "absolut unmöglich ... zu sagen, das ist die Verantwortung der anderen". Sie forderte einen gesunden, bezahlbaren Energiemix und CO2-Reduzierung ein. Ein Weiter-So kommt für Klaus Büttner (Freie Wähler) in Verantwortung für künftige Generationen nicht in Frage: Einen Ausweg sieht er in Energiemix und Stabilität.

Die Mischung ist für Toni Christoph (Linke) und Sebastian Walter (Grüne) auch entscheidend bei der besseren Anbindung des ländlichen Raumes, der damit auch lebenswerter wird: Individualverkehr ja, aber auch mehr Busse im öffentlichen Nahverkehr und Ausbau der bislang stark eingeschränkten Schienenangebote. Christoph sieht eine Chance durch Kleinbusse. Klaus Büttner kritisierte die Kappung ehemaliger Bahnlinien, setzt sich auch für den Bau der Ortsumgehungen Freiberg (B 101) und Flöha (B 173) ein.


Schulen, Schülerticket, Verantwortung für die nächsten Generationen

Bessere Bedingungen für Inklusion und Integration: Martina Kilian, Leiterin der Oberschule Brand-Erbisdorf, sprach sich für Integration an Schulen aus, pocht auf bessere Bedingungen für Schüler und Lehrer: Dafür benötige es fachliche Unterstützung und die Möglichkeit, Schüler individuell zu fördern: Ein Sozialarbeiter für 500 Schüler müsse sich an ihrer Schule eigentlich "zehnteilen".

Inklusion durchsetzen: Wie stehen die Kandidaten zur Inklusion, die in Sachsen trotz UN-Behindertenkonvention nicht durchgesetzt ist?, wollte Sylvia Kempe wissen. Toni Christoph (Linke), Sebastian Walter (Grüne) und Sylvio Wyschkon (SPD) sind für gemeinsame Beschulung. Werner Helfen (FDP) mahnte an, zunächst die Bedingungen wie Barrierefreiheit zu schaffen, Susann Leithoff (CDU) sprach sich dafür aus, alle Kinder nach ihren Fähigkeiten zu fördern, dafür auch vor Ort Unterstützung bereitzustellen. Freie Wähler-Vertreter Büttner und Romy Penz (AfD) sind für den Erhalt der Förderschulen. Bei einer weiteren Abstimmung ging es um den Vorschlag, den Zugang zum Gymnasium zu erschweren: Ein Nein kam lediglich von Linke- und Grüne-Vertretern, Wyschkon enthielt sich. Für ein kostenloses Schülerticket stimmten fünf Kandidaten - Leithoff hält es für nicht bezahlbar und lehnte ab, Walter enthielt sich.

Vorreiterrolle für Umweltschutz: Für Gernot Krasselt kann es nicht sein, dass der Mensch binnen 200 Jahren sämtliche fossilen Brennstoffe aufgebraucht hat. Der frühere Oederaner Bürgermeister, derzeit CDU-Landtagsmitglied, appellierte: Kann es nicht sein, dass Deutschland mit Innovation im Umweltschutz vorangeht? (grit)


Debatten zur Landtagswahl

Anlässlich der Landtagswahl veranstaltet die Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) mit der "Freien Presse" als Partner in Mittelsachsen Wahlforen in allen Wahlkreisen.

Im Wahlkreis 18 stellten sich sieben Direktkandidaten in Brand-Erbisdorf den Fragen der Besucher und der "Freien Presse": Klaus Büttner (Freie Wähler), Toni Christoph (Linke), Werner Helfen (FDP), Susan Leithoff (CDU), Romy Penz (AfD), Sebastian Walter (Grüne) und Sylvio Wyschkon (SPD). Der Wahlkreis wird im Westen von Niederwiesa begrenzt, im Norden von Oederan, im Süden von Neuhausen, im Osten von Rechenberg-Bienenmühle. (grit)

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