Chronik einer Patrizierfamilie entdeckt

Bei Bauarbeiten findet der Niederbobritzscher Harald Hahn in seinem Haus ein Paket. Es enthält eine Überraschung.

Freiberg/Niederbobritzsch.

Das Päckchen muss über Jahrzehnte auf dem Dachboden des Hauses der Familie Hahn in Niederbobritzsch unentdeckt gelegen haben. Als die Juniflut 2013 an dem Gebäude große Schäden anrichtete und alles herausgeholt wurde, geriet es Harald Hahn in die Finger. In Papier eingeschlagen fand er darin eine handgeschriebene, in edles Leder gebundene Familienchronik, allerdings nur den zweiten Band, der von 1551 bis 1914 reicht. Darin akribisch aufgeschrieben und mit Fotos, Zeichnungen und Zeitungsausschnitten illustriert ist die Geschichte der Freiberger Familie Lingke.

"Dabei handelt es sich um eine einflussreiche Patrizierfamilie, die über Jahrhunderte hier wirkte", erläutert Stadtarchivarin Ines Lorenz, in deren Bestand das Werk nun, nach vermutlich über 70 Jahren wieder zurückkehrt. Weitere Teile der Chronik sind dort bereits verwahrt. Das Gesamtwerk war bis in die 1940er-Jahre hinein im Besitz des Freiberger Altertumsvereins.

Dieser musste im Laufe des Zweiten Weltkriegs seine Tätigkeit einstellen und seinen Bestand dem Stadtarchiv und dem Museum überantworten. In den Wirren jener Zeit fanden notbedingte Auslagerungen statt. "Dabei kam es auch zu Übergriffen", sagt Ines Lorenz. Auf verschlungenen Wegen wurde der zweite Teil der Chronik von den drei weiteren, von denen einer die Wappenchronik der Familie ist, getrennt und landete schließlich auf dem Hahnschen Dachboden. 

Dass er damals auf etwas Besonderes stieß, war Harald Hahn sofort klar. Doch kamen gesundheitliche Unbilden dazwischen, weshalb das Buch zunächst wieder in Vergessenheit geriet. Doch fiel es ihm wieder ein, und er setzte sich im Mai 2018 mit Jürgen Bellmann, Vorsitzender des heutigen Altertumsvereins, in Verbindung. "Für uns ist das natürlich eine Sensation", so Bellmann. Immerhin habe man schon lange nach diesem fehlenden Exemplar gesucht.

Jürgen Bellmann leitete alles in die Wege, und so konnte gestern das stadtchronistisch bedeutende Werk, welches nur unwesentlich gelitten hat, an Ines Lorenz und Oberbürgermeister Sven Krüger überreicht werden. "Wir bedanken uns dafür natürlich besonders", so Krüger. "Das Buch wird nun wieder Teil des Archivs und in wenigen Jahren seinen Platz im dann umgestalteten Herderhaus finden." Der erste Band der von einem A. Lingke verfassten Familienchronik wurde im Jahr 1891 abgeschlossen und findet sich im selben Jahr schon im Bestand des Altertumsvereins wieder. Der zweite Band gibt keine solche Auskunft. Allein eine Bleistiftnotierung lässt auf das Jahr 1929 schließen.

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