Clausnitz: Ehemaliger Heimleiter fühlt sich vom Landkreis gemobbt

Thomas Hetzes Vertrag wurde jüngst nicht verlängert. Seine AfD-Mitgliedschaft sei ihm negativ ausgelegt worden, sagt er. Das Landratsamt schweigt zu den Vorwürfen.

Clausnitz/Freiberg.

Thomas Hetze war eines der Gesichter der Flüchtlingsbusblockade von Clausnitz im Februar 2016 - und das, obwohl ihm nie jemand eine Verbindung dazu nachweisen konnte. Vielen genügt es aber, dass Hetze, der als Heimleiter die Flüchtlinge im Erzgebirgsdorf betreuen sollte, AfD-Mitglied war. Seine Parteizugehörigkeit soll Hetze nun auch seinen Job beim Landkreis gekostet haben, wenn man ihm glaubt. Er sagt, sein Arbeitsvertrag sei nicht verlängert worden, weil er sich zur Alternativen für Deutschland bekennt.

Hetze hat, so schildert er, in den Monaten nach der Flüchtlingsbusblockade negative Erfahrungen bei seiner Arbeit machen müssen. Der Landkreis hatte ihn wenige Tage nach den Vorfällen von Clausnitz aus den Flüchtlingsunterkünften abgezogen. Man wolle ihn in Schutz nehmen, hatte Landrat Matthias Damm (CDU) damals betont. Schließlich stand Hetze im medialen Fokus. Nach dieser Entscheidung hat er an verschiedenen Stellen gearbeitet, wie Hetze der "Freien Presse" berichtet.

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Zunächst bearbeitete er demnach Bauanfragen. Diese Stelle musste er aber aufgeben, als sich herausstellte, dass er dabei Kontakt mit Außenstehenden hatte. Das habe sein Arbeitgeber vermeiden wollen, vermutet Hetze. Anschließend ging es ins Lager. "Da habe ich Ausstattungen für den Erstbezug von Wohnungen durch Flüchtlinge zusammengestellt, also Kisten gepackt", so Hetze. Dort habe es zunächst auch Kontakt mit Flüchtlingen gegeben. Doch dann sei damit auch Schluss gewesen: "Meine Kollegen meinten, ich dürfe nicht mehr raus - und wenn es dringende Einsätze gab, dann war ich der Einzige, der in der Firma bleiben musste." Eine Erklärung dafür habe er nie bekommen.

Später zupfte Hetze im Dienst unter anderem Unkraut. Als er dennoch einen Monat vor Ablauf seines Vertrages Ende 2016 gefragt habe, ob sein Anstellungsverhältnis verlängert würde, sei er beurlaubt worden.

"Ich bin so behandelt worden, weil ich AfD-Mitglied bin. Für mich gibt es keine andere Erklärung", sagt Hetze. Und: "Man hat in mir immer den Rädelsführer von Clausnitz gesehen. Dabei hatte ich mit der Blockade des Flüchtlingsbusses nichts zu tun."

Das Landratsamt äußert sich nicht zu seinen Vorwürfen. "Es handelt sich hier um eine Personalangelegenheit", sagt ein Sprecher des Landkreises. "Generell äußern wir uns zu einzelnen Personalangelegenheiten nicht öffentlich."

Die AfD ist allerdings alarmiert. Berufliche Probleme, wenn sie auf politische Einstellungen zurückzuführen sind, empfinde er grundsätzlich als empörend - "egal ob man links, grün oder konservativ gepolt ist", sagte der Chef des Kreisverbandes Mittelsachsen, René Kaiser.

Seit längerer Zeit kritisiert die Alternative für Deutschland, dass ihre Mitglieder beruflich mit Nachteilen rechnen müssten. Sie verweisen unter anderem auf eine Handlungshilfe für den Umgang mit AfDlern in Betrieben, die der Landesbezirk Niedersachsen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verbreitet hatte. Im Flugblatt war unter anderem die Möglichkeit aufgezeigt worden, ein AfD-Mitglied im Betrieb zu outen oder zu isolieren. Der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske hatte sich von dem Flugblatt aber deutlich distanziert: Eine solche Methode werde bei Verdi nicht toleriert.

Auch im Landkreis Mittelsachsen gab es zuletzt eine Diskussion darüber, dass sich AfD-Mitglieder diskriminiert fühlen. Der Bundestagskandidat Heiko Hessenkemper, Professor an der TU Bergakademie, war von einer Konferenz ausgeladen worden, auf der er eigentlich als Experte sprechen sollte. Die Organisatoren hatten dies mit seinen Äußerungen über Flüchtlinge begründet. Hessenkemper sah darin einen Beleg, dass in Institutionen linke Positionen verbreitet seien.

Thomas Hetze selbst hat mit dem vergangenen Jahr abgeschlossen: "Mittlerweile arbeite ich im Betrieb meines Bruders. Mir geht es jetzt wieder besser. Aber das vergangene Jahr möchte ich nicht noch einmal haben."

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