Corona: Politiker appellieren an Bürger

Landrat Matthias Damm und Freibergs OB Sven Krüger rufen die Mittelsachsen auf, füreinander einzustehen und Falschmeldungen vor allem in sozialen Netzwerken nicht aufzusitzen. Am Montag berät erstmals ein erweiterter Kreis-Krisenstab.

Freiberg.

Landrat Matthias Damm appelliert an die Mittelsachsen, sich zum Corona-Virus auf öffentlichen Internetseiten und in bekannten Medien zu informieren. Der Mittweidaer berichtet von Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken. Freibergs OB Sven Krüger bittet die Einwohner in Zeiten der Coronakrise um Vernunft, Ruhe und Besonnenheit. "Wir müssen jetzt zusammenstehen, dann werden wir diese schwierige Situation gemeinsam meistern", sagte das Stadtoberhaupt am Sonntag der "Freien Presse". Die Situation im Raum Freiberg am Sonntag:

Kitas und Schulen: Ab Montag bis zum 19. April werden die Freiberger Schulen und die Kitas in Trägerschaft der Stadt geschlossen. Zudem empfahl das Rathaus die Schließung auch den Kitas in freier Trägerschaft. Eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern beispielsweise im Gesundheitsbereich, in der Versorgung, bei Justiz, Polizei und Feuerwehr arbeiten, wird laut Krüger ab Montag in den Einrichtungen organisiert. "Auch jene Eltern, deren Arbeitgeber die Unabkömmlichkeit schriftlich bestätigt, können ihre Kinder in die Notfallbetreuung bringen", so der OB. Krüger: "Wir sind davon überzeugt, dass viele Eltern Verständnis haben." Zugleich appelliert er an alle Mütter und Väter, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu betreuen.

Drei bekannte Fälle: Bis Sonntag, 17 Uhr, gab es laut Landrat Matthias Damm in Mittelsachsen keine weiteren bestätigten Fälle von Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus. Bis Freitag war die Krankheit bei drei Frauen aus dem Raum Freiberg (Jahrgang 1983, 1984 und 1991) nachgewiesen worden. Die Erkrankten - es handelt sich um Reiserückkehrerinnen - samt Kontaktpersonen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Laut OB Krüger kommt eine der Patientinnen aus Freiberg, die anderen beiden Frauen wohnen außerhalb der Bergstadt.

Weitere Einschnitte: Das öffentliche Leben in Mittelsachsen ist am Wochenende weitgehend zurückgefahren worden. Über weitere Schritte berät am Montag ein erweiterter Stab mit mehreren Fachabteilungen im Landratsamt. Auch eine Veränderung der Allgemeinverfügung ist ein Thema, so Damm am Sonntag auf "Freie Presse"-Anfrage: "Dabei geht es um eine mögliche Reduzierung der Teilnehmerzahlen, ab wann eine Veranstaltung beim Landratsamt angezeigt werden muss." Ob die für den 25. März geplante Kreistagssitzung mit 98 Mitgliedern plus Landrat und Bediensteten stattfindet, dazu werde er sich mit dem Ältestenrat abstimmen.

Unterstützung: Eine Hotlinefür Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören und Hilfe bei der Organisation des Alltags wie Einkaufen oder Besorgen von Medikamenten brauchen, wie vom Wiener Magistrat eingerichtet, hält Freibergs OB Krüger für "eine gute Idee, die wir noch am Montag prüfen werden". Allerdings werde die Freiberger Stadtverwaltung darüber nicht im Alleingang entscheiden. Vielmehr werde sie sich darüber mit der Kreisbehörde abstimmen, wer diese Hilfe für die Bürger organisieren wird.

Hotline: Die Hotline des Kreis-Gesundheitsamtes unter Ruf 03731 7996249 war am Wochenende nicht besetzt. Das bestätigte das Landratsamt auf Nachfrage und Bürgerhinweise: Die Besetzung werde entsprechend der Situation entschieden, so Sprecher André Kaiser.

Schülerbeförderung: Für öffentliche Schulen gilt ab Montag unterrichtsfreie Zeit. Schulen und Kitas bleiben vorerst geöffnet. "Das Lehrpersonal ist anwesend, um die Betreuung für alle Schüler sicherzustellen. In der unterrichtsfreien Zeit können Schüler jedoch zuhause bleiben", heißt es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Eine Schulpflicht bestehe nicht. Das Kreis-Busunternehmen fährt daher ganz normal. "Wir bedienen alle Fahrpläne am Montag wie an Regelschultagen, da die Schulen einen Betreuungsdienst anbieten", so Geschäftsführer Michael Tanne. "Bei uns ist die Reinigung der Fahrzeuge intensiviert worden." Während andere Verkehrsunternehmen den Vordereinstieg sperren, plant Regiobus dies nicht, so das Unternehmen.

Bad und Sauna: Das Freiberger Johannisbad ist wegen der Verfügung des Landkreises seit Sonntag zunächst bis zum 19. April geschlossen. Betroffen sind Sauna, Badebetrieb und Gastronomie, so Axel Schneegans, Vorstandschef der Stadtwerke Freiberg und Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft. Auch Vereinsaktivitäten und Angebote wie Babyschwimmen und Kurse entfallen. Damit seien alle öffentlich zugänglichen Bereiche des Stadtwerkekonzerns für den Besucherverkehr gesperrt. Der Wohnmobilstellplatz am Johannisbad kann jedoch vorerst weiter genutzt werden.

Blutspende: Zu einem Sondertermin sind am Samstag Blutspender ins Freiberger Krankenhaus gekommen. Mit einem Hilferuf hatte sich die Blutspendezentrale an die Öffentlichkeit gewandt, denn es würden Spender von allen Blutgruppen gebraucht. Leiterin Anna Machacova meisterte mit sieben Mitarbeiterinnen die Arbeit. "In der vorigen Woche waren die Blutspenden noch recht gut vorhanden, aber es ist ein leichter Rückgang zu spüren", sagte sie. In besten Zeiten, etwa vor zehn Jahren, seien noch 2500 Stammspender gezählt worden. "Momentan sind wir bei 1700 Stammspendern", sagte sie. Die allgemeine Spendenbereitschaft sei zurückgegangen, ältere Spender schieden aus, Jüngere rückten kaum nach. Dennoch kämen zu den vier bis fünf Sonderspendentagen im Jahr zwischen 20 und 30 Spender.

Verwaltungen: Der Corona-Stab in der Stadtverwaltung Freiberg tagt unter Leitung von OB Krüger und Stellvertreter Holger Reuter am Montag wieder. Der Stadtwehrleiter habe für die Freiberger Feuerwehren die Einsatzstufe 2 beschlossen. Demnach wird täglich die Einsatzbereitschaft kontrolliert. "Und die ist gegeben", so Krüger. Die Arbeit der drei Schichten sei jetzt so organisiert worden, dass die jeweiligen Mitarbeiter möglichst nicht miteinander in persönlichen Kontakt kommen - damit die Einsatzbereitschaft auch gewährleistet sei, wenn ein Team in Quarantäne gehen müsse. In Standesamt, Meldewesen und IT-Bereich wurden ebenfalls unterschiedliche Teams gebildet, die räumlich getrennt arbeiten. Auch die Außenstelle Oberschöna werde genutzt. "Wir werden jene Leistungen aufrecht erhalten, die zwingend nötig sind", so Krüger. Absprachen mit den Ver- und Entsorgungsbetrieben zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur sowie mit den großen Unternehmen seien erfolgt. Auf der Stadt-Internetseite (www.freiberg.de) gebe es aktuelle Informationen.

In der Stadtverwaltung Brand-Erbisdorf gilt laut Bürgermeister Martin Antonow (parteilos) ein Handlungsleitfaden für den Umgang mit Besuchern ebenso wie für Rückkehrer aus dem Urlaub. "Ich habe eine Mitarbeiterin beauflagt, vorerst bis Dienstag nicht zum Dienst zu kommen. Die Kollegin war in Italien im Urlaub. Sie wollte sich testen lassen, da sie keine Symptome hat, wurde sie nicht getestet." (hh/grit/ar/mer)

Weitere Infos im Internet unter www.freiepresse.de/corona


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