"Damit es nicht nur eine Nummer bleibt"

SPD-Gemeinderat Jens Härtig fordert neue Deckschicht für die Bundesstraße 101 in Mittelsaida

Mittelsaida.

Die Fahrbahn der Bundesstraße 101 ist in Mittelsaida dermaßen zerschunden, dass manch einer schon vorschlägt, das Tempolimit auf 30 km/h zu begrenzen. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) will dieses Jahr ein Planfeststellungsverfahren einleiten, um rechtssicher Baurecht zu bekommen. Weil das Prozedere Jahre dauern kann, hat sich SPD-Gemeinderat Jens Härtig in einem Brief an Verkehrsminister und Parteikollege Martin Dulig gewandt. Was er sich davon erhofft, darüber sprach er mit Cornelia Schönberg.

Freie Presse: Herr Härtig, Sie bitten Sachsens Verkehrsminister, zu prüfen, ob auf der B 101 in Mittelsaida schnellstens eine neue Deckschicht aufgebracht werden kann. Warum?

Sascha Aurich

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Jens Härtig: Die Straße ist in einem unhaltbaren Zustand. Es kann doch nicht die große Hürde sein, eine Deckschicht aufzuziehen. Überall werden Straßen gebaut und mit Schwarzdecken überzogen. Eine Ortslage sollte doch eher versorgt werden als eine Überlandstrecke.

Welche Reaktion erwarten Sie auf Ihren Brief?

Ich hoffe, dass es eine solche Zwischenlösung gibt. Wenn nicht dieses dann wenigstens nächstes Jahr.

Einfaches Baurecht für einen grundhaften Ausbau zu bekommen, war nicht möglich. Das Lasuv ist an einem Planfeststellungsverfahren dran. Wieso haben Sie den Brief jetzt geschickt?

Seit Januar weiß ich, dass das Verfahren dieses Jahr erst eröffnet werden soll. Ich bin davon ausgegangen, dass das 2018 schon passiert ist. Das war für mich der Punkt, wo ich dachte: Jetzt muss ich was tun. Bis die Straße gebaut ist, das kann ja noch Jahre dauern.

Warum ist die Erneuerung so ein kompliziertes Unterfangen?

Es ist aus technologischer Sicht anspruchsvoll. Es geht damit los, dass Wasser nicht mehr nach unten in den Saidenbach laufen darf. Stattdessen muss das Oberflächenwasser hochgepumpt werden und oben versickern. Die Gemeinde muss sich um die Straßenentwässerung der Mittelstraße kümmern. Bei starkem Regen läuft das Wasser in die Straße und in die Grundstücke der Anwohner. Dazu kommt, dass sich links und rechts neben der Straße kleine Biotope befinden. Anlieger sind Naturschutzverbände, die eine kritisch-konstruktive Grundhaltung mitbringen. Und dann kommt noch das Trinkwasserschutzgebiet hinzu, das berücksichtigt werden muss.

Welche Interessen konkurrieren miteinander?

Es gibt eine Gemengelage zwischen B 101, kommunalen Straßen und Bürgersteigen, Hochwasserschutz, Naturschutz und dem Landratsamt, zuständig für Trinkwasserschutzgebiete. Es ist kompliziert.

Ein Brief ist gut und schön. Was können die Mittelsaidaer selbst für eine schnellere Lösung tun?

Es würde nicht schaden, wenn sie auch mal ihre Stimme erheben und Unterschriften sammeln würden. Eben, damit das Projekt nicht nur eine Nummer bleibt. Es setzt immer etwas in Gang, wenn man an eine höhere Stelle schreibt. Zumindest müssen sie sich im Ministerium Gedanken machen.

Und was kann Ihrer Meinung nach die Gemeinde noch tun?

Ich hatte mir von der Gemeinde schon ein bisschen mehr Engagement gewünscht. Das Thema ist wichtig genug, um sich auch mal an eine höhere Stelle zu wenden.

Wenn die B 101 eine neue Deckschicht bekommen sollte: Besteht nicht die Gefahr, dass der Ausbau dann weniger dringlich ist und länger dauert?

Wenn mit der reparierten Straße dann alle zufrieden sind, dann hat der Ausbau vielleicht auch noch Zeit. Aber ich glaube, eine Ausbesserung ist von der Planung des grundhaften Ausbaus losgelöst.

Im Gespräch ist eine Ampel am Knotenpunkt B 101/S 207. Sie aber schlagen einen Kreisverkehr an der Stelle vor. Warum?

Mit einem Kreisverkehr kann der Verkehr flüssiger fließen. Es ist klimafreundlicher, weil man nicht anhalten muss. Und die Stelle bietet genug Platz. Jeder, der durch Norddeutschland fährt oder im Ausland unterwegs, sieht Kreisverkehre. Ich verstehe nicht, warum man in Sachsen damit so zögerlich ist.

Im neu gewählten Gemeinderat wollen Sie wieder mitmischen. Was wollen Sie in den kommenden fünf Jahren erreichen?

Ich setze mich für Kinderfreundlichkeit ein. Dazu zählen ein Willkommensgeschenk für Neugeborene oder keine Schließtage mehr in der Kita. Außerdem braucht das Freibad eine Erneuerungskur, und die Bebauungsplanung muss so gestrickt werden, dass Bauwillige einen Überblick über möglichen Baugrund bekommen und sich hier und da noch Platz für ein Haus findet. cor


So reagiert und so plant das Straßenbauamt

Wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zu der Bitte um eine neue Deckschicht als Zwischenlösung steht, dazu äußert sich Pressesprecherin Isabel Siebert nicht. Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) soll die Möglichkeit haben, den Brief von Gemeinderat Jens Härtig (SPD) selbst zu beantworten, teilt sie mit.

Die geplante Baustrecke ist rund 635 Meter lang und umfasst die komplette Ortsdurchfahrt von Mittelsaida: vom Knotenpunkt B 101/ S 207 (Röhrenbohrer) bis zum Knotenpunkt der B 101 mit der Obersaidaer Straße. Die Erneuerung der B 101 soll bestandsnah erfolgen. Um die Kreuzung B101/S 207 sicherer zu machen, ist an der Stelle eine Ampel geplant.

Das Amt beabsichtigt, den Antrag auf Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens im zweiten Halbjahr 2019 bei der Landesdirektion zu stellen, hieß es im Januar. Das Verfahren ist das Genehmigungsverfahren, das sicherstellt, dass alle Bürger ihre Belange vortragen und in die Entscheidungsfindung einbringen können. Zudem ist solch ein Verfahren notwendig, weil der Ausbau Änderungen an der bestehenden Verkehrslage erfordere. (cor)

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