Das Geheimnis um die Freiberg-Hymne

Wer hat das Lied geschrieben, das das Bergstadt-Duo bei Auftritten gern vorträgt? Zwei Frauen bringen Licht ins Dunkel.

Freiberg.

"Drum lockt mich keine Großstadt auf dieser weiten Welt/Weil es in Freiberg mir am besten gefällt..." Bis vor kurzem war nicht genau bekannt, aus wessen Feder diese Liebeserklärung an die Silberstadt stammt.

Die als Bergstadt-Duo bekannten Musiker Claus Homilius und Arndt Fischer singen das Stück unter dem Titel "Freiberg-Hymne" und feiern damit bei ihren Zuhörern Erfolge. Eine ältere Dame, so erzählen sie, hätte ihnen einst einen Zettel mit dem Text gegeben, habe aber nicht sagen können, wer der oder die Verfasser sind. Bekannt war nur, dass das Lied in den 1950er-Jahren entstanden sein muss.

Auf den "Freie Presse"-Beitrag über das Bergstadt-Duo hin meldete sich Helga Gottwald. Sie könne einiges über das Lied und seine Schöpfer mitteilen. Einer von ihnen sei ihr im vergangenen Jahr verstorbener Ehemann Rolf, der den Text mit seinem Freund Gottfried Fritzsche 1951 geschrieben habe. "Das war damals für das erste Parkfest im Albertpark", erinnert sich Helga Gottwald. Ihr 1933 in Freiberg geborener Mann hatte eine enge Beziehung zu seiner Heimatstadt und wollte sie schon in jungen Jahren musikalisch würdigen. Nur kurze Zeit später lernte er seine spätere Frau kennen, beide zogen für mehrere Jahrzehnte berufsbedingt ins thüringische Jena, kehrten aber wieder nach Freiberg zurück. Das Lied blieb zwar bei ihnen, geriet aber in Freiberg selbst über die Jahre in Vergessenheit, erzählt die Witwe. "Bei Gelegenheiten wie privaten Feiern wurde es immer wieder gesungen und vom Publikum auch gewünscht", so Helga Gottwald. Als Melodie nahm man einen Klassiker aus der Feder von Bobby Kamp: "Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm". Nach der Wende holte Rolf Gottwald bei den Rechteinhabern die Genehmigung zur Nutzung ein, die freundlich erteilt worden sei, da kein kommerzieller Gedanke im Hintergrund stehe.

Die Melodie war aber genau das, was dem Bergstadt-Duo zunächst fehlte. Homilius und Fischer lag nur der Text vor. "An dem haben wir Kleinigkeiten geändert", so Claus Homilius. "Vor allem da, wo Sachen erwähnt werden, die es heute so nicht mehr gibt." Bei einer Veranstaltung in der Nikolaikirche lernten sie eine Frau kennen, die einst das Freiberg-Lied gesungen hatte, sich aber nicht mehr vollständig an die Melodie erinnern konnte. Sie sang es ihnen vor, wovon noch heute eine Tonaufnahme existiert. Daraus machten die Musiker die von ihnen vorgetragene Version.

"Sie beginnt genau wie das Original", sagt dazu Helga Gottwald, die sich das Stück im Internet angehört hat. "Geht aber dann anders weiter." Claus Homilius hatte es mit Elementen der Marschmusik bereichert, um damit der bergbaulichen Tradition näher zu kommen. Wer denkt, Helga Gottwald sei deswegen unzufrieden, der irrt. "Im Gegenteil", sagt sie. "Ich freue mich und bin mir sicher: Würde mein Mann noch leben, es ginge ihm ebenso." Sehr gerne möchte sie die beiden Musiker kennenlernen, hat auch schon Kontakt aufgenommen. "Mein Mann war ein Freiberger Urgestein", sagt sie. "Er hätte gut zu den beiden gepasst."

Auch Heidi Hinkel, Chorleiterin der Hinkel-Singers, kennt das Lied und sagt, dass es sich bei der Version des Bergstadt-Duos um keine andere Komposition handelt. "Wir singen das Stück so seit Jahren", sagt Hinkel. "Und wir werden es Anfang September bei 'Macht Musik' aufführen."

Damit verwirklicht sich eine Idee des Schauspielers und Sängers Matthias Brade, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Er war ein Freund der Gottwalds und wollte 2016 zum Bergstadtfest für eine öffentliche Aufführung der "klassischen" Version sorgen, was aber nicht zustande kam, wie die Witwe erzählt.

Claus Homilius sagt, dass er und Arndt Fischer ihre Fassung so erarbeitet haben, wie sie jetzt ist. Die Übereinstimmungen mit der von den Hinkel-Singers gesungenen Version sind vielleicht erklärbar. Man würde sich gerne mit Heidi Hinkel darüber unterhalten, um so den Weg des Liedes nachzuvollziehen. Für Helga Gottwald ist diese Frage nicht entscheidend. Sie freut sich darüber, dass das Lied heute immer noch gesungen wird.

Das Lied ist unter folgendem Link zu hören: www.freiepresse.de/bergstadtduo

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...