Das traurige Jubiläum der Puhdys

Am 19. November 1969 begann im Tivoli Freiberg eine lange musikalische Erfolgsgeschichte. Dass die Musiker den 50. Geburtstag ihrer Band nicht gemeinsam feiern, hat Gründe, über die keiner von ihnen wirklich sprechen will. Die Fans sind hin- und hergerissen.

Freiberg.

Die Rock'n'Roll-Band The Firebirds tritt am heutigen Dienstagabend im Tivoli Freiberg auf. Bis vor vier Jahren war das undenkbar. Denn bis vor vier Jahren war der 19. November ein heiliges Datum im altehrwürdigen Konzert- und Ballhaus. Reserviert war der Termin für die Puhdys. Karten für die Geburtstagskonzerte waren schon im Vorjahr ausverkauft, aus ganz Deutschland pilgerten die Fans in die Stadt, in der alles begann. Auf der Bühne des Tivoli hatte die Band am 19. November 1969 ihren ersten Auftritt. Damals noch mit gecoverten englischsprachigen Liedern, die Frontmann Dieter Birr völlig text- und sprachunsicher irgendwie ins Mikrofon sang. Den Leuten gefiel es. Eine steile Karriere nahm ihren Anfang.

50 Jahre später stehen Kathrin Klüß und Ricky Kokel neben der Puhdys-Eiche am Tivoli. Die zwei Fans aus Dresden sind nach Freiberg gekommen - weil sie das seit vielen Jahren immer so machen, wenn die Puhdys Geburtstag feiern. "Das wollten wir uns in diesem Jahr nicht nehmen lassen, selbst wenn die Entwicklung traurig ist", sagen sie.

Die Eiche haben die Bandmitglieder 1994 anlässlich des 25. Geburtstages neben dem Tivoli gepflanzt. Gleich daneben steht der Puhdys-Gedenkstein. Auf einer Seite ist das Datum des ersten Auftrittes, auf der anderen Seite das der Baumpflanzung eingraviert. Zwei Seiten sind frei. Eine war für den Auftritt zum 50. Band-Geburtstag reserviert. Dass es zu dem nicht mehr kommt, liegt in erster Linie daran, dass die Band zerstritten ist. Warum, darüber hüllen sich die Musiker in Schweigen.

Gitarrist Dieter "Quaster" Hertrampf ließ in Interviews wissen, dass er mit den Puhdys abgeschlossen habe. Er ist mittlerweile als Solokünstler unterwegs, spielt bei seinen Konzerten viele ältere Puhdys-Titel. Eine "Freie Presse"-Anfrage für ein Interview zum 50. Geburtstag seiner ehemaligen Band ließ er unbeantwortet. Auch Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt, Keyboarder Peter "Eingehängt" Meyer und Bassist Peter "Bimbo" Rasym reagierten nicht. Einzig Dieter "Maschine" Birr meldete sich. In erster Linie aber, um seine eigenen Projekte zu bewerben. Sein Album "Alle Winter wieder" erscheint am Freitag in einer neuen Auflage. Zum Jubiläum der Puhdys - mit der Band hat er 20 Millionen Tonträger verkauft und mehr als 5000 Konzerte gespielt - möchte er nichts mehr sagen. "Das Kapitel ist beendet", sagt Birr. "Wenn man 47 Jahre lang im gleichen Betrieb gearbeitet hat, will man sich ja auch mal verändern."

Birr war es, der schon vor der Abschiedstour der Band angekündigt hatte, sich Solo-Projekten widmen zu wollen - einer der Auslöser dafür, dass die Stimmung unter den Bandmitgliedern kippte. Ab sofort gab es zwei Lager. "Maschine" und der Rest. "Für uns Fans ist das eine schlimme Situation, denn wir sind Fans von allen. Wir wollen nicht auf eine Seite gezogen werden", sagt Ricky Kokel. Am heutigen Dienstag fährt er mit seiner Freundin nach Rostock. Die Band Stamping Feet, in der "Quasters" Sohn Sven Hertrampf spielt, hat ein Konzert mit Talkrunde anlässlich 50 Jahren Puhdys organisiert. Fast alle ehemaligen Puhdys wollen kommen, auch die Gründungsmitglieder Harry Jeske und Gunther Wosylus. Dieter Birr wird nicht dabei sein. "Die sollen mal machen", sagt er nur.

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